15. Januar 2021 / 19:31 Uhr

Deutschland deklassiert Uruguay zum WM-Start: DHB-Trainer Gislason moniert Fehlwürfe

Deutschland deklassiert Uruguay zum WM-Start: DHB-Trainer Gislason moniert Fehlwürfe

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Viel besser hätte die deutsche Nationalmannschaft nicht in die Handball-WM in Ägypten starten können. 
Viel besser hätte die deutsche Nationalmannschaft nicht in die Handball-WM in Ägypten starten können.  © imago images/Bildbyran
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Der WM-Aufgalopp stellt die deutschen Handballer vor keine Probleme. Das Team von Bundestrainer Alfred Gislason hat gegen Uruguay keine Probleme und gewinnt deutlich. Trotz des Kantersiegs hat der Isländer etwas zu Meckern. 

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Keine wilde Mimik, keine verschränkten Arme vor der Brust. Bundestrainer Alfred Gislason setzte sich bereits Mitte der zweiten Halbzeit entspannt auf die Bank. Der Auftakt der deutschen Handballer in die XXL-WM mit 32 Mannschaften war da schon längst eine lockere Übungseinheit. Das DHB-Team bezwang den Exoten Uruguay am Freitag in Gizeh locker mit 43:14 (16:4). "Wir wollten unsere Macht demonstrieren, das ist gelungen, auch wenn Uruguay nicht der Gradmesser war. Wir nehmen den Schwung jetzt", sagte Rechtsaußen Timo Kastening, mit neun Treffern auch bester Werfer.

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Eine kleine Vorab-Überraschung: Aus dem Torhütertrio pausierte der von Gislason zum 1-A-Torhüter auserkorene Andreas Wolff. "Nein, nein, es ist keine Verletzung", beteuerte Co-Trainer Erik Wudtke und begründete es mit Matchpraxis sammeln. Julius Kühn, das Kraftpaket aus Melsungen, hatte es ganz eilig, sorgte nach 33 Sekunden für das erste Tor. Und die Südamerikaner? Sie erfüllten sich schon in den ersten Minuten kleine Träume: Keeper Felipe Gonzales, Sportlehrer an der Deutschen Schule in Montevideo, parierte einen Siebenmeter von Uwe Gensheimer. Linksaußen Federico Rubo, Lagerleiter, legte den Ball an Jogi Bitter vorbei ins Netz zum ersten Tor.

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Doch schon da war offensichtlich – es sind Handballwelten, die beide Teams trennen. Zu statisch, zu einfach, zu fehlerhaft – das Spiel Uruguays genügte allenfalls Fünftliga-Ansprüchen. "Da hat man schon gesehen, dass einige Jungs Probleme mit dem Arbeitsgerät haben, auch der eine oder andere etwas übergewichtig ist", meinte DHB-Vize Bob Hanning. Die Südamerikaner hatten ihr letztes Spiel vor einem Jahr. Training, im Normalfall dreimal die Woche, war von März bis August gar nicht möglich, im vergangenen Monat nur im Freien.



Das DHB-Team nutzte die Partie so zum Warmspielen. Doch nicht alles lief rund. Gislason monierte technische Fehler, auch Fehlwürfe. Kapitän Uwe Gensheimer scheiterte gleich viermal an Sportlehrer Gonzales, warf den Keeper so mit zum "Man of the Match". Es bedurfte nicht viel, um sich abzusetzen. Zwei, drei Kreuzungen, Wackler links, Wackler rechts, Tempogegenstöße. Karo einfach, aber erfolgreich.

Das zeigte auch der Jüngste im Team, Juri Knorr. Der 20-jährige WM-Neuling war es auch, der nach 28 Minuten zum ersten Zehn-Tore-Plus (14:4) netzte. Nach 43 Minuten war der Vorsprung auf plus 20 (27:7) angewachsen. Uruguay war dann stehend k. o., körperlich am Ende. "In der zweiten Halbzeit haben wir einen schönen Ball gespielt, mutiger, frecher", freute sich Bitter, "in der ersten Halbzeit waren wir gehemmt, haben zu viele Bälle verworfen. Insgesamt war das sehr souverän."

Der Blick richtet sich so bereits zum nächsten Gegner, den zweiten WM-Neuling Kap Verde (Sonntag, 18 Uhr/ARD). Auch ein unbeschriebenes Blatt. "Ich wusste nicht so richtig, wo das liegt und ob da richtig Handball gespielt wird", gab Gislason zu. Der Isländer war nach einer Intensivrecherche dann überrascht: "Die Qualität ist viel höher als gedacht." Und die kommt nicht von ungefähr. Nur fünf Spieler sind auf der Atlantikinsel aktiv, der Rest in Europa. Platz fünf bei den Afrika-Titelkämpfen und finanzielle Rückendeckung von der Regierung machten die WM-Mission "Zehn Inseln, ein Traum" möglich. Doch die drohte noch vor dem ersten Spiel zu platzen.

Im Trainingslager hatten sich sechs Spieler und vier Offizielle mit Corona infiziert. Nach der Einreise in Kairo wurden vom verbliebenen Rumpfteam nochmals vier Spieler positiv getestet. Der Weltverband IHF hob – trotz Bedenken vieler Teams, auch der deutschen Mannschaft – aber den Daumen. Die jüngsten Tests seien alle negativ ausgefallen, hieß es.