18. Juni 2020 / 19:34 Uhr

Handball-Bundesliga soll im Oktober mit Fans starten – SC DHfK Leipzig verringert Etat

Handball-Bundesliga soll im Oktober mit Fans starten – SC DHfK Leipzig verringert Etat

Matthias Roth
Leipziger Volkszeitung
Karsten Günther in der Arena Leipzig. Hierher will der Geschäftsführer der DHfK-Handballer mit Team und Zuschauern im Herbst zurückkehren.
Karsten Günther in der Arena Leipzig. Hierher will der Geschäftsführer der DHfK-Handballer mit Team und Zuschauern im Herbst zurückkehren. © imago images / Ed Gar
Anzeige

Handball gehört zu den Sportarten, die von der Corona-Pandemie besonders hart getroffen wurden. Denn vor allem die Profis sind hochgradig abhängig von Zuschauereinnahmen. Erstligist SC DHfK Leipzig macht da keine Ausnahme. Geschäftsführer Karsten Günther bringt sich deshalb aktiv in die Planungen der Bundesliga für die nächste Saison ein und muss parallel für das wirtschaftliche Überleben des eigenen Teams sorgen.

Anzeige
Anzeige

Leipzig. Der Plan ist klar und vom Ende her gedacht: Die Handball-Bundesliga (HBL) soll im Oktober in die neue Saison starten und am 30. Juni 2021 enden. Antreten dürfen 20 Mannschaften, alle Teams der abgelaufenen Saison sowie die beiden Aufsteiger aus Coburg und Essen. Gespielt wird jeder gegen jeden, mit Hin- und Rückspiel.

Mindestens zehn Wochen Vorbereitung

„Alle anderen Modelle bergen deutlich höhere Risiken“, sagt DHfK-Manager Karsten Günther. Der 38-Jährige gehört der sechsköpfigen AG Spieltechnik bei der HBL an, die sich mit dem Neustart der stärksten Liga der Welt in Corona-Zeiten befasst. Am kommenden Freitag will sich die Handball-Bundesliga bei einem gemeinsamen Termin mit den Vereinen über den Vorschlag verständigen.

Mehr zum SC DHfK

„Wir sind vom 30. Juni ausgegangen und haben dann zurückgerechnet, wann wir mit der Saison spätestens beginnen müssten, um durchzukommen“, so Günther. „Dadurch erhöhen wir die Chance, mit unseren Fans und Partnern in den Spielbetrieb zu starten!“ Ein früherer Termin sei auch sportlich kaum vertretbar. Nach der Coronapause benötigen die Mannschaften mindestens zehn Wochen, um körperlich wieder auf Wettkampfniveau zu kommen. „Wenn wir uns diese Zeit nicht nehmen, drohen den Spielern jede Menge Verletzungen“, befürchtet der Manager. Der September solle dann für den Feinschliff mit Testspielen genutzt werden.

Keine Geisterspiele

Diskutiert wurden auch andere Varianten. Eine Teilung der Liga in zwei Staffeln oder Blockspieltage mit zwei Heimspielen an einem Wochenende. Leipzig und Berlin hätten dabei ebenso ein Duo bilden können wie Kiel und Flensburg. Während der SC DHfK am Sonnabend gegen einen der Gegner spielt, müssten die Füchse gegen den anderen antreten. Am Tag darauf würden die Kontrahenten dann einfach gewechselt. „Bei den Hallenbelegungen auch für andere Veranstaltungen brauchst du dafür mindestens ein Jahr Vorlauf“, glaubt Günther. Und zwei regionale Staffeln mit anschließender Meister- und Abstiegsrunde wurden ebenfalls verworfen. Einige Bundesliga-Teams ständen sich dann gar nicht gegenüber. Damit blieben auch Spiele gegen Spitzenvereine mit hoher Zuschauernachfrage aus und die Ermittlung eines Deutschen Meisters wäre nicht wirklich fair.

DURCHKLICKEN: Legenden des SC DHfK von 2007 bis 2011

Masayuki Ishiguro hatte einen enormen Anteil an der Sachsenmeisterschaft 2007/2008. Der kleine Japaner, der meistens in der Rückraummitte spielte, erzielte in der Oberliga sagenhafte 189 Tore. Sein ebenso starker Landsmann Ken Matsumoto konnte auf Grund von Verletzungen nur wenige Saisonspiele bestreiten... Zur Galerie
Masayuki Ishiguro hatte einen enormen Anteil an der Sachsenmeisterschaft 2007/2008. Der kleine Japaner, der meistens in der Rückraummitte spielte, erzielte in der Oberliga sagenhafte 189 Tore. Sein ebenso starker Landsmann Ken Matsumoto konnte auf Grund von Verletzungen nur wenige Saisonspiele bestreiten... ©

Das Thema Fans ist für den Neustart von entscheidender Bedeutung. Geisterspiele sind nicht vorgesehen. Wie viele Zuschauer künftig in die Halle dürfen ist noch völlig offen. Im Moment geht Günther für den Start von einem Viertel Hallenauslastung aus, was für die Arena Leipzig rund 1.500 Plätze bedeuten würde. Dafür müssten bis Oktober aber alle Bundesländer ihre Corona-Regelungen entsprechend anpassen, da aktuell nur Veranstaltungen bis höchstens 1.000 Besuchern erlaubt sind. „Das ist eine rein fiktive Zahl ohne jegliche Grundlage. Es wird höchste Zeit, objektive Parameter zu entwickeln die zur aktuellen Situation und der jeweiligen Hallengröße passen“, so Günther, der dafür eine AG Medizin mit Fachleuten in Leipzig ins Leben gerufen hat. „Hier brauchen wir dringend die Unterstützung aus der Politik für wissenschaftliche Studien, um der kompletten Indoorbranche eine Chance zu geben. Die Konzepte liegen auf dem Tisch."

Ersatz für verletzten Janke benötigt

Klar ist auch, eine Saison komplett ohne Zuschauer könnte für einige Handball-Bundesligisten das Ende bedeuten. Abstriche müssen schon jetzt alle Vereine machen. Die DHfK-Handballer befinden sich noch bis Ende Juni in Kurzarbeit. Am 1. Juli ist Trainingsstart. Die Spieler erhalten dann wieder ihre Gehälter, müssen sich aber auf Kürzungen einstellen. Solange ohne Einnahmen aus Tagestickets geplant werden muss, klafft eine Lücke in der Kasse und auch, weil Sponsoren von den Coronafolgen betroffen sind. Rechneten die Leipziger zu Beginn der gerade abgelaufenen Saison noch mit einem Etat von 5,5 Millionen Euro, sieht er für die neue Spielzeit noch 4,5 Millionen Euro vor.

Mehr zum SC DHfK

Die Personalplanung für die DHfK-Mannschaft soll trotz des niedrigeren Budgets nicht verändert werden. Neuzugang Martin Larsen ist bereits nach Leipzig gezogen. Torhüter Kristian Saeveraas hat sich für kommende Woche angekündigt und der Verein versucht aktuell noch den verletzungsbedingten Ausfall von Max Janke zu kompensieren, um sportlich voll konkurrenzfähig zu bleiben. Wunschkandidat dafür ist weiterhin Niclas Pieczkowski.