03. April 2020 / 11:41 Uhr

Handballer der HSG Riesa/Oschatz in tiefes Loch gefallen

Handballer der HSG Riesa/Oschatz in tiefes Loch gefallen

Steffen Enigk
Leipziger Volkszeitung
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HSG-Trainer Marcel Kühnel kann nur mit der Hinrunde zufrieden sein. © Gerald Schlechte
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Handball-Verbandsliga: Die Handballer der HSG Riesa/Oschatz haben eine starke Hinrunde abgeliefert, konnten aber ihr Leistungsniveau nicht halten. Die Rio-Männer schrammen als derzeitiger Vierter wohl an einem Medaillenplatz vorbei. Bis Mitte April werden alle Spiele ausgesetzt. Wie es weiter geht, ist unklar.

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Oschatz/Riesa. Einen Medaillenplatz hatten sich die Handballer der HSG Riesa/Oschatz vorgenommen. Derzeit sind sie Vierter der Verbandsliga Ost, liegen aber nur zwei Punkte hinter dem ESV Dresden. Und ob sie noch die Gelegenheit bekommen, ihr Saisonziel zu erreichen, ist höchst ungewiss. Der Verband hat den Spielbetrieb wegen der Pandemie ausgesetzt, und Rio-Trainer Marcel Kühnel glaubt auch nicht an eine Fortsetzung.

„Wir haben zwar noch keine Informationen, aber bis Mitte April ist alles abgesetzt“, sagt der Coach: „Ich bin der Meinung, dass es sich nicht lohnt, noch einmal anzufangen. Die Hallen sind überall gesperrt, keiner kann und darf trainieren. Für die Nachwuchsmannschaften ist die Saison bereits beendet, und ich denke, dass es auch im Erwachsenenbereich so kommen wird.“

Kühnel steht mit seinen Spielern über eine WhatsApp-Gruppe in Kontakt und geht davon aus, dass sie sich individuell fit halten. „Zu Hause wird es irgendwann langweilig, da fällt ihnen die Decke auf den Kopf. Ich bin davon überzeugt, dass jeder etwas macht.“

Keine Spielerabgänge

Natürlich wird bei den Handballern darüber diskutiert, wie mit einer abgebrochenen Spielzeit und den Tabellenständen verfahren werden soll. Die Ansichten gehen auseinander. Kühnel plädiert dafür, die Ligen in der kommenden Saison aufzustocken. Heißt: Es würde keine Absteiger geben, aber Aufsteiger. „Die Mannschaften ganz oben werden für ihre bisherigen Leistungen belohnt, und die Teams ganz unten nicht dafür bestraft, dass sie nicht mehr aufholen können. Das wäre sportlich gerecht und für mich die beste Lösung.“

Doch das ist Zukunftsmusik, und wie alle hat Kühnel noch keine Antworten auf die wichtigsten Fragen: „Wie geht es weiter, wann geht es weiter und mit welchen Leuten geht es weiter?“ Wobei die letzte Frage bei den Handballern aus Riesa und Oschatz zumindest teilweise schon geklärt ist. „Unser Vorstand hat bereits mit den Spielern über die nächste Saison gesprochen“, erzählt der Coach, „und so weit mir bekannt ist, wird es keine Abgänge geben.“

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Ob das Trainergespann – Kühnel führt gemeinsam mit Robert Werner das Team und teilte sich mit ihm bisher die beiden wöchentlichen Übungseinheiten – in dieser Besetzung weitermacht, ist dagegen noch nicht gesichert. „Da werden wir noch reden – und bei mir muss der Familienrat tagen“, sagt Marcel Kühnel, der inzwischen zwei Töchter hat (Greta ist sieben Monate, Martha vier Jahre alt) und mehr Zeit für sie haben möchte. Derzeit macht das die Corona-Zwangspause möglich. „Wir haben so mal entspannte Wochenenden ohne Handball-Stress.“

Einige Spieler wollten zu viel

Die Nerven der Trainer dürften vor allem nach dem Jahreswechsel gelitten haben. Denn die Rio-Männer konnten ihr Leistungsniveau nicht halten. Die Sachsenliga-Absteiger lieferten zunächst eine starke Hinrunde ab und setzten sich an die Tabellenspitze, was die Fans schon vom Wiederaufstieg träumen ließ. Kühnel hatte jedoch immer für Geduld plädiert und sah sich schließlich auf unschöne Weise bestätigt: „Wir waren Weihnachtsmeister und sind dann in ein tiefes Loch gefallen.“

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Florin Träger setzt sich hier von der Außenposition durch und wirft in dieser Saison insgesamt 80 Tore. © Gerhard Schlechte

Von den sechs Spielen 2020 wurden nur noch zwei gewonnen, es setzte vier knappe Niederlagen, drei davon mit nur einem Treffer Unterschied. „Plötzlich war der Wurm drin. Wir haben gar nicht so schlecht gespielt, aber die Tore nicht mehr gemacht. Die Chancenverwertung wurde immer schlechter und der Druck mit jeder Niederlage größer.“

Kühnel spricht von einer Kopfsache und hat keine Erklärung dafür, warum seine Spieler oft in der Startphase so deutlich in Rückstand gerieten, dass die regelmäßig folgende Aufholjagd nicht mehr zum Punktgewinn reichte. „Einige wollten offenbar zu viel und haben dann auch den nächsten freien Wurf vergeben.“

Auf den Nachwuchs setzen

Konzentrationsprobleme sind meist aber auch Einstellungsprobleme, was der Mannschaft durchaus bewusst gewesen sei. „Die Jungs wussten, dass es so nicht weitergehen kann, haben sich auch mal ohne Trainer zusammengesetzt und Tacheles geredet. Es gab dann auch wieder einen Sieg.“

Hoffnung für die nächste Saison macht Kühnel die gute Nachwuchsarbeit. „Wir haben bereits zwei A-Jugendliche integriert und es kommen weitere nach, die ihre Chance erhalten werden. und nicht auf Neuverpflichtungen von Außen, sonst verlieren die jungen Leute die Lust.“ Wenn das Team reife, könne es in zwei, drei Jahren ernsthaft den Aufstieg in die Sachsenliga in Angriff nehmen.