09. Mai 2019 / 12:18 Uhr

Handballer des SC DHfK Leipzig bekommen einen Chip ins Trikot gepflanzt

Handballer des SC DHfK Leipzig bekommen einen Chip ins Trikot gepflanzt

Matthias Roth
Leipziger Volkszeitung
Künftig kann während der Partie erhoben werden, wie hart beispielsweise Patrick Wiesmach wirft und wie hoch er beim Wurf springt.
Künftig kann während der Partie erhoben werden, wie hart beispielsweise Patrick Wiesmach wirft und wie hoch er beim Wurf springt. © Alexander Prautzsch
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Die Handballer der 1. Bundesliga werden immer durchsichtiger. In der kommenden Saison wird ihnen ein Chip ins Trikot eingefügt und erhebt während des Spiels spezielle Daten wie Flugzeit, Wurfgeschwindigkeit und Sprunghöhe. DHfK-Coach André Haber ist begeistert.

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Leipzig. Gelaufene Meter und gespielte Pässe waren gestern: Die Handball-Bundesliga plant zur neuen Saison den großen Wurf. Vereine, Beobachter und Fans dürfen die Profis der 18 Vereine künftig ganz genau begleiten. Möglich machen das neue Statistikmessungen. In den Spielen werden künftig die Wurfgeschwindigkeit, die Sprunghöhe oder die Flugzeit für die Athleten aufgezeichnet. Insgesamt zehn Werte stehen nach dem Abpfiff zu Verfügung. „Für die Liga ist das ein Gewinn und wird den Handball auf ein ganz neues Level besonders für die Fans heben“, sagt DHfK-Trainer André Haber zu der Neuerung.

Momentan nur ein Ballanbieter

Gesammelt werden die detaillierten Daten durch das Unternehmen Kinexon. Die von Wissenschaftlern der TU München gegründete Firma hat mit der Bundesliga eine Zusammenarbeit bis 2023 vereinbart. Alle Erstligaklubs werden im Sommer mit der entsprechenden Technik ausgestattet. Und so funktioniert die Messung: Die Spieler bekommen einen wenige Gramm schweren Chip in ihre Trikots eingearbeitet. Eine zweite Knopfzelle steckt im Ball. Im Zusammenspiel beider Datenträger werden dann die Daten an einen Computer übertragen.

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Das Problem: Im Augenblick bietet nur die Ballblase des Ausrüsters Select die Voraussetzungen dafür an. Mit diesem Spielgerät sind aber erst sechs Vereine ausgestattet: Melsungen, Gummersbach, Bergischer HC, Lemgo, Wetzlar und künftig auch die Rhein-Neckar-Löwen. Für DHfK-Manager Karsten Günther ist das keine unüberwindbare Hürde: „Das Problem lösen wir noch im Sommer und werden mit unserem Ausrüster Puma sprechen“, sagte er.

Ein Paradies für Diagnostiker

Auch andere Vereine in der Bundesliga sind begeistert. Flensburg-Coach Maik Machulla hebt die positiven Effekte hervor. „Durch das Tracking haben wir im Wettkampf und Training einen präzisen und kontinuierlichen Einblick in die Leistungsparameter jedes Spieler“, so der Meister-Coach.

Sein Kollege Haber ist sogar ein regelrechter Datenfanatiker. Das bringt der Leipziger Übungsleiter schon aus seinem Studium der Sportwissenschaften mit, wo ein Schwerpunkt auf der Diagnostik lag. „Für die Trainingsgestaltung ist die neue Technik enorm“, findet er. Schon jetzt setzen die Leipziger in den Übungseinheiten Videokameras ein. Damit filmen sie Würfe und Kombinationen der Spieler und werten sofort in der Halle einzelne Szenen aus. Künftig lassen sich die Übungen noch genauer steuern.

Während des Spiels arbeitet Haber dagegen noch analog mit einem speziellen DHfK-Datenblatt, das einst vom früheren Coach Uwe Jungandreas erstellt und vom aktuellen Trainergespann weiterentwickelt wurde. Heute trägt Co-Trainer Matthias Albrecht handschriftlich die Werte während der Begegnung ein. Haber kann sich damit zu jeder Zeit einen Überblick verschaffen und minutengenau reagieren.

Gläserner Spieler?

Die HBL lässt daneben noch in dieser Saison von zertifizierten Mitarbeitern, die in der Regel von den Heimvereinen stammen, aktuelle Daten für den eigenen Liveticker im Internet erfassen. Künftig werden auch hier die Ergebnisse aus den Chips ausgelesen. Liga-Chef Frank Bohmann findet: „Diese Technologie wird die außerordentlichen Leistungen der Spieler noch spannender, aufschlussreicher und werthaltiger machen.“

An einen gläsernen Spieler glaubt Haber dennoch nicht und auch nicht daran, dass sich seine Sportart durch die Datenflut nachhaltig verändern werde. „Am Ende geht es immer noch um eine Mannschaft, die zusammenstehen muss.“ Und ein künftig festgehaltener Wert ist für ihn in der Öffentlichkeit sogar verzichtbar. „Kein Mensch muss wissen, wie viel Kalorien ein Spieler pro Partie verbraucht hat.“

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