27. August 2019 / 08:23 Uhr

Babak Rafati zum Handspiel-Chaos in der Bundesliga: "Die meisten Schiris sind schlicht überfordert"

Babak Rafati zum Handspiel-Chaos in der Bundesliga: "Die meisten Schiris sind schlicht überfordert"

Babak Rafati
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Zwei Tatorte, diverse Irritationen: SPORTBUZZER-Kolumnist Babak Rafati ist von der Umsetzung der neuen Hand-Regel nicht überzeugt.
Zwei Tatorte, diverse Irritationen: SPORTBUZZER-Kolumnist Babak Rafati ist von der Umsetzung der neuen Hand-Regel nicht überzeugt. © Imago Images / Montage
Anzeige

Zum Start der Bundesliga-Saison 2019/20 gingen die ewigen Diskussionen um das Handspiel weiter - trotz der neuen Regeln. Oder wie es SPORTBUZZER-Kolumnist und Ex-Schiedsrichter Babak Rafati in unserer Reihe "Viererkette" ausdrückt: "Gerade wegen der neuen Regeln."

Anzeige
Anzeige

Déjà-vu! Gerade einmal zwei Spieltage sind in der Fußball-Bundesliga über die Bühne gegangen und schon gibt es wieder die ewigen Diskussionen um das Handspiel, trotz der neuen Regeln. Oder besser gesagt: Gerade wegen der neuen Regeln. Die Gemüter sind erhitzt. Die Emotionen kochen hoch.

Tatort Sinsheim: Beim Spiel der TSG Hoffenheim gegen Werder Bremen (3:2) bekommt Bremens Niclas Füllkrug den Ball vom Gegenspieler minimal in Billardmanier an die Hand und schießt anschließend zum 2:2 ein. Denkste! Nach der neuen Handspielreform zählen Tore nicht mehr, wenn vorher eine Hand im Spiel war. Völlig egal, ob Absicht oder nicht. Daher eine richtige Entscheidung. Ob diese Regel Sinn macht, ist eine andere Frage.

Die neuen Bundesliga-Regeln: Das ist in der Saison 2019/20 im Fußball neu

Der Videobeweis hat den Fußball maßgeblich verändert. Vor allem bei Handspielen ist es in der Bundesliga zuletzt immer wieder zu heftigen Debatten gekommen. Zur Saison 2019/20 wurden einige Regelveränderungen vorgenommen, die es Schiedsrichtern und Videoassistenten leichter machen sollen. Der <b>SPORT</b>BUZZER hat die neuen Regeln zusammengefasst. Zur Galerie
Der Videobeweis hat den Fußball maßgeblich verändert. Vor allem bei Handspielen ist es in der Bundesliga zuletzt immer wieder zu heftigen Debatten gekommen. Zur Saison 2019/20 wurden einige Regelveränderungen vorgenommen, die es Schiedsrichtern und Videoassistenten leichter machen sollen. Der SPORTBUZZER hat die neuen Regeln zusammengefasst. ©

Schalke 04 gegen FC Bayern: Diese zwei Szenen erhitzten die Gemüter

Tatort Gelsenkirchen: Beim 3:0-Sieg des FC Bayern München auf Schalke brennt es richtig im Bayern-Strafraum. Zuerst streckt Benjamin Pavard mit dem Rücken zum Ball den Arm unnatürlich weit heraus und blockt diesen auf dem Weg auf das Tor. Sechs Minuten später steht Ivan Perisic bei einem Freistoß in der Mauer und lenkt den Ball deutlich mit abgespreiztem Arm zur Ecke ab. Es gibt keine zwei Meinungen: Zweimal Absicht. Zweimal Strafstoß. Beide Male hat der Schiedsrichter klare Sicht. Die Pfeife bleibt aber stumm. Der Videoschiri auch. Unfassbar! Aber auch unerklärlich? Nein!

Mehr zu Schalke gegen Bayern

Die Regel ist ja inzwischen klar. Wir haben aber ein Qualitätsproblem, wie es sogar aus dem Kreis der Topschiris vor der Saison bestätigt wurde. Das wirkte wie eine Kapitulation. Die meisten Schiris sind schlicht überfordert. Sie schieben die Verantwortung vom Platz in den Kölner Keller und andersherum, nach dem Motto: „Ich weiß auch nicht, guck Du noch mal.“ Zudem offenbaren die Statements von den Verantwortlichen nach dem „Handballsport“ im Bayern-Strafraum einen unprofessionellen Auftritt. „Kann man schon“ oder „Wäre vielleicht besser gewesen“, nachdem die Liga wütet.

Die Irritation in der Liga ist groß

Saison 2019/20: Das sind die Sommer-Transfers der Bundesligisten

Thorgan Hazard, Lucas Hernández, Hannes Wolf un Julian Brandt - nur vier Spieler, die in der kommenden Saison in der Bundesliga spielen werden. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die Sommertransfers der deutschen Erstligisten! Zur Galerie
Thorgan Hazard, Lucas Hernández, Hannes Wolf un Julian Brandt - nur vier Spieler, die in der kommenden Saison in der Bundesliga spielen werden. Der SPORTBUZZER zeigt die Sommertransfers der deutschen Erstligisten! ©

Für mich sind solche Aussagen schwach. Zudem verantwortungslos gegenüber dem Fußball, den Vereinen und Fans. Die Klubs schimpfen völlig zu Recht darüber, dass bei den Videoschulungen vor der Saison etwas ganz anderes erzählt wurde. Die Irritation in der Liga ist groß. Diese Aufreger der noch jungen Saison erfordern im Klartext nur eins: Konsequenzen – personell und strukturell.