09. Oktober 2019 / 10:54 Uhr

Starke Geschwister: Warum Hanna und Moritz Viemann für die SF Aligse Gold wert sind

Starke Geschwister: Warum Hanna und Moritz Viemann für die SF Aligse Gold wert sind

Christoph Hage
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Alle Augen auf den Ball gerichtet: Hanna und Moritz Viemann sind in den beiden Drittligateams der Sportfreunde Aligse wichtige Bausteine des Erfolgs. 
Alle Augen auf den Ball gerichtet: Hanna und Moritz Viemann sind in den beiden Drittligateams der Sportfreunde Aligse wichtige Bausteine des Erfolgs.  © Debbie Jayne Kinsey
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Wie so viele Geschwister gibt es Dinge, in denen sich Hanna und Moritz Viemann ähneln. So sind Schwester und Bruder auf dem Feld echte Ruhepole, sehr abgeklärt und ruhig. Fakt ist auch: Sie setzen bei den Drittligateams der Sportfreunde Aligse die lange Reihe an Geschwisterpaaren fort.

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Es war an der Zeit, den Spieß einmal umzudrehen. Es war an der Zeit für einen unangekündigten Besuch. Und so standen ihre Kinder, für Dorothee Viemann überraschend, auf einmal Seite an Seite in der Sporthalle der BBS 14 in Groß Buchholz.

"Mama, da musst du schon mal explosiver durchschlagen"

Zwischen den Sätzen holte sich die Mutter Tipps von ihrem Nachwuchs, in der Manöverkritik nach dem 0:3 der Hobbymannschaft des HC/GfL Hannover beim VfB Hannover musste sie sich Sätze wie diese anhören: „Mama, da musst du schon mal explosiver durchschlagen und ein bisschen dynamischer anlaufen.“ Ja doch.

Familie wird in Aligse groß geschrieben

Die Kinder können ihre Leistung – freilich mit ironischem Unterton – bestens einordnen, schließlich spielen sie beide selbst auf hohem Niveau Volleyball. Die Ahlborns, die Barklages, die Wiechmanns, die Böttchers und die Franz-Brüder waren einmal – seit dem Sommer setzen Hanna (20) und Moritz Viemann (22), zusammen mit den Goor-Zwillingen aus der dritten Frauenmannschaft, die lange Reihe der Geschwisterpaare bei den Drittligateams der Sportfreunde Aligse fort.

Hanna und Moritz Viemann haben bei den Sportfreunden Aligse eine neue sportliche Heimat gefunden.
Hanna und Moritz Viemann haben bei den Sportfreunden Aligse eine neue sportliche Heimat gefunden. © Debbie Jayne Kinsey
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"Sie ist genauso ehrgeizig wie wir"

Die beiden wissen also, wovon sie reden, wenn die Mutter sie nach ihrer Meinung fragt. „Sie ist genauso ehrgeizig wie wir“, sagt Moritz Viemann. Der Volleyball verbindet die Familie. Und seit dem Sommer geht es für die Viemanns zweimal in der Woche gemeinsam nach Aligse, wo die Studenten eine neue sportliche Heimat gefunden haben.

Andreas Ahlborn holt Hanna ab

In Hannover lebt die Familie Viemann seit acht Jahren. Die Wege von Mutter und Vater hatten sich 2001 getrennt, Kinderärztin Dorothee Viemann entschied sich 2011 für ein Jobangebot der Medizinischen Hochschule. Münster lag hinter ihnen, nach der ersten Nacht im neuen, unfertigen Haus stand Andreas Ahlborn vor der Tür.

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„Ich würde Hanna gern zum Training abholen“, sagte der damalige Aligser Jugendtrainer. „Das war an einem Montagabend“, erinnert sich Dorothee Viemann. Der Volleyballtrainer der Tochter aus Münster und ihr Mathelehrer hatten den Kontakt hergestellt, angefangen hatte sie bereits mit acht Jahren. „Und direkt war Hanna sozial integriert, schneller als der Rest der Familie“, sagt die Mutter.

"Jetzt habt ihr den Moritz auch gefangen"

Hannas Bruder spielte zu diesem Zeitpunkt noch Tennis und Fußball. „Mit der Mannschaft hat es in Hannover aber nicht mehr so gepasst“, sagt er. Also stieg auch er künftig für die GfL Hannover zum Netz hoch – bis vor einem Jahr. „Ich hatte mit der Uni ein bisschen viel zu tun, wollte mir mehr Zeit für mich gönnen“, sagt Moritz Viemann.

Beim Beachen im Sand packte den Außenangreifer jedoch schnell wieder die Lust, die SFA hätten sich angeboten. „Viele kannte ich ja schon“, sagt er. Seine Großeltern Dagmar und Burkhard Krapp, in Aligse nicht nur für ihren Obstsalat bekannt, kommentierten den Wechsel trocken: „Jetzt habt ihr den Moritz auch gefangen.“

Erfolgsduo: 2015 gewinnen Inga Thiele (links) und Hanna Viemann die deutsche U-18-Meisterschaft im Beachvolleyball.
Erfolgsduo: 2015 gewinnen Inga Thiele (links) und Hanna Viemann die deutsche U-18-Meisterschaft im Beachvolleyball. ©

Große Erfolge im Sand

Hanna Viemann kehrte vor etwas mehr als zwei Jahren nach Stationen beim SC Langenhagen und der GfL Hannover zu dem Verein zurück, für den sie bereits in der Jugend vier Jahre lang gespielt hat. Neben ihren Erfolgen mit den Aligser Jugendmannschaften machte die 20-Jährige vor allem im Sand auf sich aufmerksam.

An der Seite ihrer besten Freundin und heutigen Mannschaftskollegin, Inga Thiele, wurde sie 2015 deutsche U18-Meisterin und ein Jahr später deutsche U-19-Vizemeisterin. Bei der U19-Weltmeisterschaft auf Zypern landete sie 2016 nach einer Verletzung ihrer Partnerin Lena Günther auf Rang 17.

"Das ist ein Privileg“

Viemann ist acht Zentimeter größer als Thiele, für die sieben Monate ältere Freundin wird sie „aber immer meine große kleine Schwester bleiben. Es ist so unglaublich schön, dass man seine sportliche Erfolge mit seiner besten Freundin erreichen kann. Das ist ein Privileg“, sagt Thiele.

Im Training in Hämelerwald oder Lehrte gehen Hanna und Moritz Viemann auch mal gemeinsam zum Netz hoch.
Im Training in Hämelerwald oder Lehrte gehen Hanna und Moritz Viemann auch mal gemeinsam zum Netz hoch. © Debbie Jayne Kinsey

Beinahe wäre Hanna Viemann nach dem Abitur vor zwei Jahren sogar im Olympiastützpunkt für Beachvolleyball in Hamburg gelandet, doch die Verantwortlichen nahmen ihr die Entscheidung ab. „Vielleicht ist das doch nicht so das Richtige für dich“, sagten sie zu ihr.

"Schade, dass man so links liefen gelassen worden ist"

Bei den Alternativen in Stuttgart und Berlin fühlte sie sich nicht wohl, die Profilaufbahn war ad acta gelegt. „Das war schon schade, dass man so links liegen gelassen worden ist“, sagt die Zuspielerin rückblickend. „Ich sagte mir, okay, Leistungssport ist sowieso immer so eine Sache. Dann werde ich jetzt ein normales Leben führen, Volleyball als Hobby ausüben und Spaß haben.“

Gesagt, getan. Im dritten Semester studiert die 20-Jährige nun Sport und Theologie auf Lehramt. Und zurück in Aligse stieg sie mit den SFA sogleich in die 2. Liga auf – und steht mit ihnen nach dem sofortigen Wiederabstieg schon wieder auf Platz zwei der 3. Liga West.

"Hanna macht aus Scheiße Gold"

Für Matthias Raschke ist Hanna Viemann ein wichtiger Baustein des Erfolgs. „Sie ist dieser MVP-Typ, eine Allrounderin, die alles ein bisschen kann, eine, die die Situation am schnellsten einschätzt und aus Scheiße Gold macht“, sagt Aligses Co-Trainer. Die Zuspielerin sei mental unglaublich stark und wachse so langsam in eine Führungsrolle, „und das mit 20 Jahren“. Die Mutter fügt hinzu: „Wenn der Rest wackelt, dann wackelt sie nicht.“

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Bilder zum Abschied von Aligse-Trainer Harald Thiele. Zur Galerie
Bilder zum Abschied von Aligse-Trainer Harald Thiele. ©

Der Sport verbindet sie

Gibt es denn auch Dinge, die beide miteinander verbinden? „Sie sind beide sehr abgeklärt und ruhig, sind für ihr Alter sehr erwachsen und selbstständig“, sagt Mitspieler und Kapitän, Marten Ahlborn.

Für Hanna Viemann ist das vor allem der Spaß am Sport. „Immer wenn wir was gemeinsam machen, hat es was mit Sport zu tun. Egal, ob Volleyball, Tennis, Surfen oder Skifahren.“ Sie seien beide „ziemlich positive Menschen“, sagt Moritz Viemann. „Wir können über alles reden und uns sehr reflektiert über die Dinge austauschen.“

Für Hanna Viemann ist es eine starke Geschwisterliebe: „Ich weiß nicht, wo genau das herkommt, aber wir sind zu dritt stark zusammen und mit der Zeit ein richtig gutes Team geworden.“

"So, wie es jetzt ist, bin ich komplett zufrieden"

Das Leben verläuft nicht immer linear, sondern eher in Wellenform. Ähnlich wie ein Volleyballspiel halt. „Aligse war schon immer eine kleine Familie“, sagt Moritz Viemann. „Jetzt merke ich so langsam, was da alles hintersteckt. Hierher zu wechseln war auf jeden Fall der absolut richtige Schritt.“

Und auch die Schwester hat an ihrem derzeitigen Leben nichts auszusetzen: „So, wie es jetzt ist, mit Studium und Aligse, bin ich komplett zufrieden. Gerade macht es extrem Spaß.“

Das nächste Heimspiel des HC/GfL steht übrigens am 21. Oktober in der Lutherschule auf dem Programm. Nur schon mal zum Vormerken für den Familienkalender.

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