28. November 2021 / 15:29 Uhr

"Harte Arbeit für uns": 78 erkämpft sich Derbysieg beim SC Germania List

"Harte Arbeit für uns": 78 erkämpft sich Derbysieg beim SC Germania List

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
78-Routinier Benjamin Simm behauptet in dieser Szene den Ball.
78-Routinier Benjamin Simm behauptet in dieser Szene den Ball. © Florian Petrow
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Hannover 78 hat das Derby in der 1. Bundesliga Nord/Ost beim SC Germania List für sich entschieden. "So viel Gegenwehr hatte ich von Germania nicht erwartet, das war harte Arbeit für uns", sagte der starke Tobias Bauer nach dem 23:14-Auswärtssieg.

Die 78er waren mit ihrem Jubelkreis noch gar nicht durch, da kamen die Lister noch einmal auf ihrer Ehrenrunde an ihnen vorbei. Zuvor waren sich die Rugbyteams auf Augenhöhe begegnet, und beide heimsten nach diesem sehenswerten Derby reichlich Applaus ein. Lange nach dem 23:14 (10:7)-Sieg ließ Hannover 78 den Schlachtruf hören, kurz darauf begannen die Spieler von Germania List zu singen.

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Es war eine bemerkenswerte Bundesliga-Partie, mit der dieses Jahr endete. „Es war ein sehr gutes Spiel, das 78 vielleicht etwas glücklich gewonnen hat, wir konnten den Ausfall von vier Stammspielern nicht kompensieren“, sagte Germanias Trainer Rainer Kumm.

Bilder vom Rugby-Spiel der 1. Bundesliga Nord/Ost zwischen dem SC Germania List und Hannover 78

Bilder vom Rugby-Spiel der 1. Bundesliga Nord/Ost zwischen dem SC Germania List und Hannover 78 Zur Galerie
Bilder vom Rugby-Spiel der 1. Bundesliga Nord/Ost zwischen dem SC Germania List und Hannover 78 ©

Kaum verpasste Tacklings, viele Gedränge, reichlich Kontakt. Es war von Beginn an eine kleine Schlacht, die nur anfangs hektisch lief und fair blieb. Maurice Riege brachte die Germanen mit einem tollen Sololauf in Front, Daniel Koch erhöhte auf 7:0. Kurios: Sein Kick prallte erst an die hohe Goalstange, fiel dann auf den Querbalken und sprang hinüber – so oft passte es vor mehr als 400 Zuschauern aber nicht immer. „Wir haben den Ball mehrfach zu früh verloren, das hat viel Kraft gekostet“, sagte Germanias überragender Stefan Mau. 

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Mit einem gelungenen Passangriff antwortete 78, der gute Alexander Hünefeld vollendete. Jan Piosik sorgte per Erhöhung und Strafkick für die Pausenführung. 

Reichlich Gegenwehr für 78

Nach dem Wechsel ließen die Germanen erstaunlicherweise kaum nach, verteidigten ebenso wie 78 konsequent. Durchbrüche gab es kaum. Allerdings versäumten es beide Teams, das Spiel mehr in die Breite zu ziehen. Geschah das doch, wurde es meist gefährlich. Nach einem weiteren Strafkick von Piosik leitete der erneut sehr starke Tobias Bauer eine Attacke ein, seinen Pass fing Jaap Breuste mit einer Hand und legte den Versuch zum 20:7.

„So viel Gegenwehr hatte ich von Germania nicht erwartet, das war harte Arbeit für uns“, sagte Bauer. Denn die Lister kamen zurück, Felix Eilers verkürzte bei seinem Debüt. Koch erhöhte zum 14:20, damit war Germania wieder in Schlagweite. In der Schlussphase ging 78 auf Nummer sicher, Piosik stellte per Strafkick auf 23:14. Auch Koch hatte noch einen Strafkick, verzog aber und verpasste den defensiven Bonuspunkt für Germania.

Hannover 78 feiert Sieg bei Germania

Nach dem Abpfiff kam Kumm alsbald zum 78-Trainergespann, Steven Bouajila und Benjamin Krause, das sich in den Armen gelegen hatte. Kumm gratulierte, um anschließend einige strittige Pfiffe des Schiedsrichters zu erörtern. „Wir trinken später noch ein Bier“, schloss Kumm. Kurz darauf stieß 78-Präsident Günter Küster zum Team und klatschte mit jedem Spieler ab. „Es passt alles sehr gut mit Trainern und Mannschaft. Wir sind sehr zufrieden“, sagte Küster und lobte auch die Germanen „für einen starken Auftritt“.

Inzwischen waren auch die Gastgeber mit dem Singen durch. Die Stimmung war nicht allein wegen der Niederlage gedämpft. Ihr Lied hatten sie dem scheidenden Julian Nachtsheim gewidmet, der bei seinem Spiel Kapitän anstelle von Mau war. Nachtsheim ist ausgebildeter Unfallchirurg, hat aber an der MHH keine Stelle bekommen. „Es gibt wohl keine Mittel. Ich halte das für gesellschaftlich bedenklich. Und Julian wird dem Rugby sehr fehlen“, sagte der abgekämpfte Mau, ehe er in die Kabine stapfte.