17. Juli 2021 / 16:24 Uhr

Verkorkst und verletzt: Hannover 96 verpatzt die Generalprobe gegen den 1. FC Magdeburg

Verkorkst und verletzt: Hannover 96 verpatzt die Generalprobe gegen den 1. FC Magdeburg

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Frustriert: 96-Innenverteidiger Simon Falette.
Frustriert: 96-Innenverteidiger Simon Falette. © Florian Petrow
Anzeige

Mit 2:4 unterlag Hannover 96 am Samstag gegen den Drittligisten 1. FC Magdeburg. In der Offensive fehlte den Roten die Durchschlagskraft, die Defensive leistete sich zu viele Unaufmerksamkeiten und musste erneut vier Gegentreffer hinnehmen. Zu allem Überfluss verletzten sich noch Maina, Hult und Frantz. Insgesamt war es eine völlig verkorkste Generalprobe eine Woche vor dem Saisonstart in Bremen.

Anzeige

Die Generalprobe in der HDI-Arena ging völlig daneben. 96 verlor 2:4 und unter anderem Linton Maina nach einem Foul. Nach den Steigerungen in den vergangenen Tests und einem 4:4 in Berlin zeigte 96 einen Rückfall in alte Zeiten. Eine Woche vor dem Saisonstart in Bremen und zwei Wochen vor dem ersten Heimspiel kam der Gegner erstmal eine Stunde zu spät wegen einer Vollsperrung auf der Autobahn: Blitzbaustelle auf der A2. Um 13.30 Uhr erreichte der Bus des 1. FC Magdeburg die Arena, statt um 14 Uhr begann der Test des Drittligisten beim Zweitligisten erst um 14.20 Uhr. 

Anzeige

Rund 100 Stadion-Mitarbeiter übten schon mal den Ablauf im Stadion mit dem neuen Bezahlsystem. Unter ihnen der neue Arena-Chef Robert Schäfer, der sich zusammen mit den Getränke- und Würstchenverkäufern die sportliche Generalprobe von der Osttribüne aus ansah. Würstchen mit Brötchen für einen Euro – das hätte eine schöne Schulung werden können. Trainer Jan Zimmermann zeigte den 100 Zuschauern bei der Gelegenheit sein mutmaßliches Start-Orchester für das Spiel in Bremen: Zieler, Muroya, Falette, Franke, Hult, Kaiser, Ernst, Kerk, Maina, Muslija und Ducksch in der Spitze. Aber der Auftritt der ersten Hälfte war das Gegenteil von spitze.

Bilder zum Testspiel zwischen Hannover 96 (2. Liga) und dem 1. FC Magdeburg (3. Liga)

Keine Chance: 96-Keeper Ron-Robert Zieler kann den Einschlag zum zwischenzeitlichen 1:2 nicht verhindern. Zur Galerie
Keine Chance: 96-Keeper Ron-Robert Zieler kann den Einschlag zum zwischenzeitlichen 1:2 nicht verhindern. ©

Turbulente Anfangsphase in der HDI-Arena

Viel los in der Anfangsphase: Simon Falette startete seine auffälligste Hälfte bei 96 in jeder Beziehung mit einem starke Kopfball nach Ecke von Sebastian Kerk. (2. Minute ). Torwart Ron-Robert Zieler (3.) tauchte nach Flachschuss von Raphael Obermeyer gut ab. Dann zog Obermeyer ab, an die Schutzhand von Falette – Elfer, das 1:0 von Baris Atik (14.). Kerk hatte vor dem Handschuss halbherzig angegriffen, wie ihm überhaupt wenig gelang - bis aufs Tor zum Ausgleich. Nach Vorlage von Florent Muslija zog Kerk zum 1:1 ab (15.). Dem Frustschuss aus 15 Metern folgte eine dominante, aber zu verspielte Phase.

Der Torjubel aus dem Osten gegen Magdeburg folgte so etwas wie Stimmung, als Falette den Ball artistisch an die Latte (18.) schoss. Linton Maina legte danach einmal zu viel quer, Muslija vertändelte Chancen im letzten Drittel. Die 96-Mannschaft schaukelte sich in eine Stimmung wie bei einem Betriebsausflug. Stattdessen verunfallte die Schlussphase der ersten Hälfte. Das 1:2 durch Jan-Luca Schuler (42.) fiel aus einer unerklärlichen Situation, 96 geriet in Unterzahl, obwohl Zeit gewesen wäre, sich zu ordnen. Sirlord Conteh gewann das Laufduell gegen Falette, passte nach innen: Tor. 96 wirkte überrumpelt und fing sich noch das 1:3 durch Atik (44.). Wer auf diese Weise Treffer kassiert, sollte einiges verändern bis zum Saisonstart gegen Bremen.

Kaiser nicht präsent genug

Noch einmal wurde deutlich, wie sehr 96 noch einen kampfstarken Mittelfeldspieler benötigt, der das Zentrum mehr beherrscht. Dominik Kaiser war in den entscheidenden Phasen nicht präsent, nach der Pause versuchte es Mike Frantz.

Der 96-Auftritt wurde immer bedenklicher. Ducksch schimpfte, Kerk winkte ab, Muslija bettelte mit seiner Körpersprache um die Auswechslung und Hult flankte Flanken ins Irgendwo. Zimmermann reagierte nach knapp einer Stunde, nahm Muslija und Kerk runter.

Mehr über Hannover 96

Maina, Hult und Frantz müssen verletzt raus

Der Tausch zeigte sofort Wirkung. 96 baute geduldig auf. Maina eroberte den Ball am gegnerischen Strafraum, legte auf Ducksch – 2:3 (62.). Pech für Magdeburg: Der Ballverlust von Alex Bittroff führte nicht nur zum Gegentor, er verdrehte sich auch noch das Knie und musste runter.

Maina verpasste die Riesenchance zum Ausgleich (67.) nach schönem Solo des Jungprofis Lawrence Ennali. Ducksch schoss eine Minute später ans Außennetz. Dann bekam auch Maina noch einen Tritt von Leon Bell Bell mit – das Scheppern war bis auf die Tribüne zu hören. Maina musste angeschlagen raus. Auch Hult musste nach einem Krampf ausgewechselt werden (78). Kurz darauf musste der eingewechselte Frantz runter (84.). Die 96-Spieler fielen zur Endphase aus wie Dominosteine. Und 96 schluckte noch das 2:4 (88.) nach einem Standard durch Adrian Malachowski. Zimmermann muss sich wohl oder übel ein neues Start-Ensemble für Werder überlegen. Diese Generalprobe gab jedenfalls in vielerlei Hinsicht Anlass zur Sorge.

So spielte 96 gegen Magdeburg:

Zieler (46. Hansen) – Muroya, Falette, Franke, Hult (78. Sulejmani) – Kaiser (46. Frantz/84. Weydandt) – Ernst, Kerk (58. Ochs) – Maina (78. Stolze), Ducksch, Muslija (58. Ennali).