29. Juni 2020 / 09:35 Uhr

"Es gibt Höhen und Tiefen": Miiko Albornoz weint, Hannover 96 macht Schluss

"Es gibt Höhen und Tiefen": Miiko Albornoz weint, Hannover 96 macht Schluss

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Linton Maina (Mitte) nimmt Miiko Albornoz in den Arm - Torwarttrainer Rolf Moßmann (links) hatte das zuvor auch schon gemacht.
Linton Maina (Mitte) nimmt Miiko Albornoz in den Arm - Torwarttrainer Rolf Moßmann (links) hatte das zuvor auch schon gemacht. © Florian Petrow
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Nie wirklich geliebt, aber man hat sich an ihn gewöhnt: Miiko Albornoz ist nach Felipe und Edgar Prib der dienstälteste Profi bei Hannover 96. Am Montag trennen sich die Roten von ihm. Vor leeren Rängen drehte Albornoz unter Tränen seine letzte Runde in der HDI-Arena. "So ist das: Es gibt Höhen und Tiefen", sagte er. 

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Hannover 96 ist nicht wirklich gut darin, sich angemessen von Mitarbeitern zu verabschieden. Nicht selten enden Kündigungen und Beurlaubungen vor Gericht. Sicher: Altin Lala oder Steven Cherundolo bekamen tolle Abschiedszeremonien. Aber gab auch schon verdiente Spieler, die wütend (Leon Andreasen) oder fassungslos (Christian Schulz) zum letzten Mal das Vereinsgelände verließen.

Offizieller Abschied vor Geisterkulisse

Dieses Mal möchte 96 es besser hinbekommen. Am Montag verabschiedet der Klub jene Profis, deren Verträge auslaufen - elf sollen es sein. Der Rahmen in Corona-Zeiten wird die Geisterkulisse in der HDI-Arena sein, im Bild Collagen der Spieler in ihrer Zeit bei den Roten, übertragen per Video. Eine digitale, keine freudvolle Veranstaltung also - im Stream ab 16.15 Uhr auch beim SPORTBUZZER zu sehen.

Eine Stunde nach seinem letzten Spiel gegen Bochum (2:0) kam Miiko Albornoz vom Parkplatz aus kurz rüber zu einem kleinen Abschieds-Smalltalk. "Geh' schon mal vor", sagte er zu seinem Freund John Guidetti. Man tauschte sich aus. Man verstand sich, einigermaßen - wie man sich verstehen kann, wenn der Reporter dem Spieler ständig Fünfen gibt.

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In Erinnerung bleibt auch ein Nachmittag in Belek, als vier Reporter den fünften Mann Albornoz im Mietauto mit zum Mannschaftshotel nahmen. Der Bus war vom Trainingsplatz ohne ihn abgefahren. Albornoz, einer der fünf (bestraften) Corona-Fahrer zuletzt nach dem Heidenheim-Spiel, hatte damals schon keine Platzangst.

"Das gehört zu meinem Leben und zum Fußball dazu"

Mach's also gut, Miiko! Nein, nicht alles sei gut gewesen, klar. "Das gehört zu meinem Leben und zum Fußball dazu. Es gibt immer Höhen und Tiefen", sagte er philosophisch. Was er damit sagen wollte: Der Moment des Abschieds ist ein Tiefpunkt für ihn. Albornoz war gern ein Roter, spielte gern für Hannover 96, stieg zweimal ab und einmal auf. Die Aufstiegszeit - eine gute Phase für ihn unter Trainer André Breitenreiter.

Emotional wird der Abschied allemal. Der heutige Montag könnte noch einmal zeigen, wie sehr die Mannschaft tatsächlich zusammenhielt. Nun wird sie auseinandergerissen - ein sportlich notwendiger Bruch. Albornoz gehört zu den Spielern der vergangenen Jahre, die 96 punktuell mal halfen, die viel Potenzial haben, aber auch viele Schwächen - Konstanz zeigte er eher bei den Defiziten.

Juli 2014 - Miiko Albornoz ist gerade bei Hannover 96 angekommen, Trainer damals ist Tayfun Korkut .
Juli 2014 - Miiko Albornoz ist gerade bei Hannover 96 angekommen, Trainer damals ist Tayfun Korkut . © imago images/Kaletta
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Albornoz, ein gewandter Techniker, mit einer für seinen Posten seltenen Gabe am Ball, allein das individual- und gruppentaktische Verteidigen lag ihm nie. Die Position von Albornoz wäre eher die eines Linksaußen - das hat er ab und zu gespielt. Vermutlich ist der frühere Südamerikameister sogar ein Zehner, probiert hat ihn auf der Position noch kein Trainer. Und so geht Albornoz, nach sechs Jahren bei Hannover 96, ohne sportlich wirklich einen "Shoeprint" hinterlassen zu haben.

Oft unterwegs mit den Guidettis

Menschlich sieht dies anders aus. Albornoz hat seine neue Chance in Hannover genutzt. Wegen sexueller Beziehung zu einer jugendlichen Minderjährigen war er in Malmö zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Da war Albornoz selbst fast noch ein Kind. Albornoz wurde vom schwedischen Ligabetrieb lange ausgeschlossen.

Mittlerweile ist er 29 Jahre alt, fest liiert, oft unterwegs mit Jugendfreund Guidetti und dessen Frau Sanna. Zwei schrecklich nette Familien, die Hannover nun verlassen. Guidetti geht zurück nach Spanien. Und Albornoz? Wird irgendwo unterkommen, vielleicht sogar als Linksaußen.