07. Mai 2021 / 12:11 Uhr

"Da lacht das Herz als Trainer": Bei Florent Muslija stimmt die Entwicklung unter Kocak 

"Da lacht das Herz als Trainer": Bei Florent Muslija stimmt die Entwicklung unter Kocak 

Dirk Tietenberg und Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Sein Trainer hat ihn gekitzelt und provoziert - mit Erfolg: Florent Muslija scheint, Kontinuität in sein Spiel bekommen zu haben. 
Sein Trainer hat ihn gekitzelt und provoziert - mit Erfolg: Florent Muslija scheint, Kontinuität in sein Spiel bekommen zu haben.  © Florian Petrow
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Auf Talente setzt Kenan Kocak bei seinen verbleibenden vier Spielen als Trainer von Hannover 96 nicht. Aber auf Florent Muslija, dessen Entwicklung ihm sehr gut gefällt: "Da lacht das Herz als Trainer. Jetzt hat er es verstanden." Sein Nachfolger dürfe sich "auf einen mental stabileren Spieler freuen".

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Wer Kenan Kocak in diesen Tagen nach der Mannschaft von Hannover 96 fragt, bekommt positive Resonanz. Die Mannschaft habe einen „guten Charakter“, „Willen“ und „Ehrgeiz“. Kocak sehe „eine gute Entwicklung bei den Jungs, individuell gesehen“. Ende gut, alles gut – Kocak weiß ja, dass seine Zeit in Hannover nur noch vier Spiele lang dauert. Am Freitagabend gegen Darmstadt (18.30 Uhr, HDI-Arena) erwartet Kocak „eine richtig gute Zweitligabegegnung“, Zauber- statt Zauderfußball.

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Es könnte ein spitzen Spiel werden, aber gewiss kein Spitzenspiel. Der Zehnte der 2. Liga (Darmstadt) trifft auf 96 (Platz 13). Der Ergebnistrend bei 96 entspricht in keiner Weise den von Kocak beschriebenen Eigenschaften. Die Entwicklung entspricht ergebnistechnisch der Formkurve der Schlusslichter Osnabrück und Würzburg.

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Dabei sieht Kocak sich selbst als Entwickler. Davon spürten Moussa Doumbouya, Mick Gudra oder Simon Stehle wenig – drei Sturmtalente, die Kocak nach Torerfolgen auf die Bank oder die Tribüne abschob. In Trainingsspielen waren sie oft nur dabei statt mittendrin. Sie dürfen – zumindest in Teilen des Trainings – nicht mit den Großen spielen.

Kind bringt durchaus Verständnis auf

„Das ist nicht schön“, gibt Kocak zu, habe aber positionsspezifische Gründe. Stattdessen ließ er Patrick Twumasi und Kingsley Schindler weiterspielen, so als gäbe es eine Perspektive für sie in Hannover. Bei Kocak zähle das „Leistungsprinzip“. Aber seine Hoffnung wurde enttäuscht, dass die Leistung einem Prinzip folgt.

96-Boss Martin Kind bekam Kocaks Haltung zum Thema Talente mit. „Ich verstehe, dass seine Arbeit auf Erfolg ausgerichtet ist“, sagt Kind, „aber wir müssen für die Zukunft junge Spieler entwickeln.“ Kocak hatte seine Lieblinge in seiner Amtszeit. Schindler war mal einer, Genki Haraguchi sowieso oder Marvin Ducksch (aber nur, wenn er trifft). Philipp Ochs galt als Musterschüler, der lernen, aber fast nie spielen durfte. Ihn brachte Kocak viel zu selten.

Besonders zufrieden ist Kocak nun mit Florent Muslija. „Da lacht das Herz als Trainer“, sagt Kocak. Er habe versucht, Muslija „zu kitzeln, zu provozieren, jetzt hat er es verstanden“. Im Training am Dienstag nahm der Trainer seinen kleinen Zauberer in den Arm: „Ich hab ihm gesagt: Der kommende Trainer darf sich auf dich freuen. Er darf sich auf einen mental stabileren Spieler freuen.“

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Früjhar 2018: Florent Muslija bejubelt einen Treffer gegen die SpVgg Unterhaching. Zur Galerie
Früjhar 2018: Florent Muslija bejubelt einen Treffer gegen die SpVgg Unterhaching. ©

Der mental stabilste 96-Spieler kehrt zurück: Timo Hübers wird über zehn Wochen nach seiner Muskelverletzung verteidigen gegen Kocaks Lieblingsstürmer Serdar Dursun.

Lokalgröße Hendrik „Henne“ Weydandt gehörte eher nicht in die Dursun-Kategorie. Dazu bekam der Trainer den sicher gut gemeinten Hinweis: Wenn Weydandt nicht noch viermal von Anfang spiele, könnten 45 000 Euro gespart werden. „Wenn ich der Meinung bin, dass uns der Henne weiterbringt für die Mannschaft, werden wir ihn mit Sicherheit aufstellen“, sagt Kocak. Aber Weydandt gehört nicht zu den Spielern, die sich unter dem aktuellen Trainer gut entwickelt haben.

Es wäre ein Leichtes für Kocak, Weydandts Jokerrolle mit dem Leistungsprinzip zu begründen. In dieser lokalen Personalie steckt dennoch ein sehr spezieller Kitzel.