26. April 2021 / 09:36 Uhr

Rot wäre wohl besser gewesen: Simon Falette befördert sich bei 96 endgültig ins Aus

Rot wäre wohl besser gewesen: Simon Falette befördert sich bei 96 endgültig ins Aus

Andreas Willeke und Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Simon Falette (rechts, gegen Kevin Behrens) fällt in Sandhausen mit Zweikämpfen, die er führt, und Zweikämpfen, die er nicht führt, negativ auf.
Simon Falette (rechts, gegen Kevin Behrens) fällt in Sandhausen mit Zweikämpfen, die er führt, und Zweikämpfen, die er nicht führt, negativ auf. © IMAGO/foto2press
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So richtig ist Simon Falette nie bei Hannover 96 angekommen - und mit der Leistung in Sandhausen hat er sich wohl endgültig aufs Abstellgleis gespielt. An zwei Gegentoren trug der Innenverteidiger beim 2:4 maßgeblich Mitschuld, Trainer Kenan Kocak rückt immer mehr vom Wunschspieler ab.

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Nach diesem 2:4 wird sich Kenan Kocak einmal mehr fragen - was um Himmels Willen habe ich eigentlich in Simon Falette gesehen? Als es vor der Saison um die Besetzung der freien Position in der Abwehrzentrale ging, hat sich der Trainer einen Wunschspieler ausgeguckt, um den er bis zum letzten Tag des Transferfensters gekämpft hat. Erfolgreich, denn Falette unterschrieb einen Dreijahres-Vertrag in Hannover.

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Der Nationalspieler aus Guinea kam aber nie richtig bei 96 an. Der erste negative Höhepunkt war sein Ausraster beim Training. 96-Chef Martin Kind ließ von Anwälten prüfen, ob es für eine Suspendierung reicht. Das tat es nicht. Falette musste nur für ein Spiel zu Hause bleiben, durfte dann aber wieder mitmachen.

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Er konnte die für ihn vorgesehene Rolle des Abwehrchefs jedoch nie übernehmen. Kocak hatte sich zuletzt bereits von ihm abgewendet und den 29-Jährigen demonstrativ auf die Bank gesetzt. So begann für Falette auch die Partie in Regensburg. Doch dann verletzte sich Marcel Franke und musste schon nach 16 Minuten ausgewechselt werden. Kocak brachte den Ex-Frankfurter hätte aber auch mit Baris Basdas eine Alternative gehabt.

"Was macht Falette eigentlich hauptberuflich?"

Falette verschuldete erst den Elfmeter, der zum 2:2 führte. Dabei traf er den Sandhäuser Tim Kister im Strafraum mit gestrecktem Bein wie ein Kung-Fu-Kämpfer in Schulterhöhe. Dafür hätte er die Rote Karte sehen können oder sogar müssen, kam aber bei Schiedsrichter Florian Badstübner mit Gelb davon. Der Elfmeter kostete 96 die 2:1-Führung.

Es wäre allerdings besser für Falette gewesen, wenn er vom Platz gestellt worden wäre - denn dann wäre sein Verhalten beim vierten Treffer der Sandhäuser kein Thema geworden. Falette läuft neben Kevin Behrens her, geht dann weg vom Stürmer, statt ihn anzugreifen, wie es seine Pflicht als Verteidiger gewesen wäre.

Falette macht Behrens den Weg frei, der so zum 4:2 treffen kann. Der Frage des Sky-Reporters Holger Pfandt kann man sich nur anschließen: „Was macht Falette eigentlich hauptberuflich?“ Es lässt sich nur damit erklären, dass Falette neben sich steht.

Bilder zur Partie der 2. Bundesliga zwischen dem SV Sandhausen und Hannover 96

Josip Elez (links) legt Sandhausens Kevin Behrens vor dem Strafraum. Zur Galerie
Josip Elez (links) legt Sandhausens Kevin Behrens vor dem Strafraum. ©

Zwei Tore hat der Abwehrspieler verschuldet, wie Torwart Michael Esser. Kocak wollte beide Profis „nicht an den Pranger stellen, wir verlieren und gewinnen gemeinsam. Aber beide sind Profis genug, um ihre eigene Leistung beurteilen zu können.“ Eine ungenügende Leistung von zwei Spielern, für die Kocak gekämpft hat. Und das in der kritischen Lage, in der es um seinen Job geht. Auch Esser wollte der Trainer unbedingt zurückhaben, dafür wurde Ron-Robert Zieler weggeschickt. 

Mittlerweile plant Kocak, auch Falette nach der Saison wieder abzugeben - seinen Fehler hat der Trainer eingesehen. Ob es gelingt, ohne Abfindung zu zahlen einen neuen Verein für ihn zu finden, ist unklar. 

Möglicherweise wird Falette in den letzten vier Spielen weiter aushelfen müssen. Timo Hübers soll erst in dieser Woche ins Mannschaftstraining zurückkehren. Wie schwer die Verletzung von Franke ist, wird noch untersucht. Bleiben mit Josip Elez, Basdas und Falette nur drei Innenverteidiger - zwei davon müssen spielen.