02. März 2018 / 07:05 Uhr

96-Trainer Breitenreiter: Fokus auf Fußball und "null Bock" aufs Fan-Thema

96-Trainer Breitenreiter: Fokus auf Fußball und "null Bock" aufs Fan-Thema

Tobias Manzke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
96-Trainer André Breitenreiter beim Spiel gegen Borussia Mönchengladbach.
96-Trainer André Breitenreiter beim Spiel gegen Borussia Mönchengladbach. © Witters
Anzeige

André Breitenreiter fordert vor dem Spiel bei Eintracht Frankfurt die Besinnung auf das Sportliche. "Wenn man die Gesamtsituation betrachtet, dann müssten wir abgeschlagen Letzter sein", sagte der Trainer von Hannover 96 angefressen.

Es war keine Wutrede à la Giovanni Trapattoni, dem ehemaligen Bayern-Trainer, die André Breitenreiter vor dem Spiel in Frankfurt vom Stapel ließ. Aber der 96-Coach war angefressen und machte deutlich, was ihm im Moment gewaltig gegen den Strich geht. „Wenn man die Themen dieser Woche begutachtet: Wie wird über Hannover 96 berichtet? Da geht es überhaupt nicht um das Sportliche. Deswegen habe ich überhaupt keinen Bock, null Bock, mich mit anderen Themen zu beschäftigen als dem Sport. Gern Fragen zum Spiel, zu der Mannschaft, zur Entwicklung. Aber das Drumherum, da habe ich echt keinen Bock drauf“, polterte Breitenreiter.

Anzeige

Das Fan-Thema und die Eskalation am vergangenen Wochenende im Heimspiel gegen Gladbach presst bei 96 in den Hintergrund, worauf beim Fußball der Fokus liegen sollte: Tore, Punkte, Siege, und – im Falle von Hannover – der Klassenerhalt. Den haben die 96-Profis schon jetzt so gut wie sicher. Trotz der widrigen Umstände, für die Mannschaft und Trainer herzlich wenig können.

"Wir müssten abgeschlagen Letzter sein."

„Wir haben eine Mannschaft, die eine tolle Saison spielt. Wenn man die Gesamtsituation über die ganze Saison betrachtet, dann müssten wir abgeschlagen Letzter sein. Mit ganz großem Abstand und schon heute ohne Chance auf den Klassenerhalt. Ich glaube, in so einer Situation so zu bestehen und die sportliche Leistung abzurufen, ist wirklich bemerkenswert“, so Breitenreiter.

Deutliche Worte des 96-Trainers. Und dennoch: Auch Breitenreiter weiß, dass es auch in der nächsten Woche, vor dem Heimspiel gegen Augsburg, wieder um das brisante Stimmungsthema gehen wird. Zu elementar waren die Vorfälle dafür in den vergangenen Wochen. Freitagabend trifft sich die Fanszene, um über die Reaktion seitens 96 auf die gestellten Minimalforderungen zu diskutieren.

Anzeige

Zitate von André Breitenreiter zum Stimmungs-Boykott bei der 96-Niederlage gegen Gladbach

Ich habe eine solche negative Atmosphäre noch nie erlebt. Damit haben wir nicht gerechnet. Das hat die Jungs berührt. Wir haben das in der Halbzeit angesprochen. Zur Galerie
"Ich habe eine solche negative Atmosphäre noch nie erlebt. Damit haben wir nicht gerechnet. Das hat die Jungs berührt. Wir haben das in der Halbzeit angesprochen." ©

Auch wenn das überkochende Fan-Thema nicht die Baustelle des Trainers und der Mannschaft ist: Die überragende Arbeit, die Breitenreiter mit seinen Profis Woche für Woche unter diesen Gegebenheiten leistet, ist mehr als bemerkenswert – gerät aber in den Hintergrund. Das weiß auch der Manager. „Unter den Umständen ist das schon eine hohe Kunst. Immer vorneweg zu marschieren, als Cheftrainer. Ich nehme mir heraus, dass ich das bewerten kann. Deswegen ist es schade, dass es nicht die Beachtung findet, die stattfinden sollte“, so Horst Heldt.

Der Manager hofft indes weiterhin auf eine Lösung der Fan-Problematik. „Wir sind verpflichtet, diese Situation zu lösen. Aber es ist komplex und nicht einfach. Es gibt kein Patentrezept, das man aus der Schublade holt und sagt: So muss ich vorgehen, und dann hat man alles gelöst. Das ist nicht so einfach. Aber man muss sich der Situation stellen und versuchen, die Aufgabe zu lösen. Und das haben wir auch vor“, betonte der Manager gestern erneut.

"Nicht an Spekualtionen beteiligen."

Während Heldt die Fan-Problematik lösen will, wollen immer mehr Clubs Heldt. Im vergangenen Jahr der 1. FC Köln, Wolfsburg denkt über den 96-Manager nach und jetzt auch angeblich der Hamburger SV. „Ich kann dazu nichts sagen, weil mir davon nichts bekannt ist und weil ich gerade auch andere Themen habe, die viel wichtiger sind. Ich möchte gerne meinen Job hier gut machen – das ist mein vordringliches Ziel, und an Spekulationen kann und möchte ich mich auch nicht beteiligen“, so Heldt.

Das sind die Fan-Reaktionen auf den Stimmungsboykott bei Hannover 96:

Hendrik Staigis: Mich macht die Situation rund um Hannover 96 derzeit sehr traurig. Ich komme aber nicht umhin, dem Vorstand unter Martin Kind – bei allen Verdiensten um den Verein in der Vergangenheit – die Hauptschuld an dieser Situation zuzuschreiben. Zur Galerie
Hendrik Staigis: Mich macht die Situation rund um Hannover 96 derzeit sehr traurig. Ich komme aber nicht umhin, dem Vorstand unter Martin Kind – bei allen Verdiensten um den Verein in der Vergangenheit – die Hauptschuld an dieser Situation zuzuschreiben. ©
Mehr zu Hannover 96

Nun soll zunächst die Partie in Frankfurt im Fokus stehen. „Wir haben Großes vor und wollen punkten“, so Breitenreiter. Damit es zumindest am Sonnabend um das Wesentliche geht: um Fußball.

Anzeige: Erlebe die gesamte Bundesliga mit WOW und DAZN zum Vorteilspreis