18. Februar 2019 / 20:59 Uhr

Hannover 96: Mit ihnen im Aufsichtsrat soll der Stammverein wieder Anteile am Profifußball erhalten

Hannover 96: Mit ihnen im Aufsichtsrat soll der Stammverein wieder Anteile am Profifußball erhalten

Tobias Manzke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sie kandidieren für den Aufsichtsrat von Hannover 96: Andreas Kuhnt (von links), Karsten Surmann, Michael Dette, Matthias Herter und Tina Voß.
Sie kandidieren für den Aufsichtsrat von Hannover 96: Andreas Kuhnt (von links), Karsten Surmann, Michael Dette, Matthias Herter und Tina Voß. © Florian Petrow
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Vor der Mitgliederversammlung am 23. März steht fest, dass Martin Kind nicht länger Vorstandsvorsitzender des e.V. bei Hannover 96 sein wird. Bei den Kandidaten für den Aufsichtsrat hat sich einiges getan. Fünf von ihnen haben erste Konzepte und Ideen vorgestellt.

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„Alles bleibt neu“ – unter diesem Motto stellten die Vereinskandidaten für den Aufsichtsrat des Hannover 96 e. V., der am Sonnabend, 23. März (14 Uhr), auf der Mitgliederversammlung neu gewählt wird, am Montag ihr Konzeptpapier vor. Es wird auf jeden Fall einen neuen Vereinsboss geben.

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Fan der Recken soll 96-Boss werden

Martin Kind steht für den Posten des Vorstandsvorsitzenden nicht mehr zur Verfügung. Der neue Chef des e. V. soll Matthias Herter werden. „Ihn schlagen wir für die zukünftige Vorstandsarbeit vor“, sagte Michael Dette, Sprecher der Aufsichtsratsgruppe. Herter gilt als Macher, der bei seinen Plänen nicht lockerlässt. Der Geschäftsführer der Meravis Wohnungsbau- und Immobilien GmbH spielte Handball bei 96, ist großer Fan der TSV Hannover-Burgdorf und ist fast bei jedem Heimspiel der Recken dabei.

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Auch innerhalb der Aufsichtsratskandidaten gab es Neuigkeiten: Hochspringer Eike Onnen steht nicht mehr zur Verfügung, er will seine Karriere fortsetzen. Für ihn rückt Pokalheld Karsten Surmann nach. Für Herter, der als möglicher Vereinsvorsitzender für den Aufsichtsrat nicht zur Verfügung steht, ist Andreas Kuhnt (Ex-Kommunikationschef bei 96) neu dabei.

Verein soll Anteile zurückerhalten

Was will der Aufsichtsrat erreichen? Wichtigster Punkt: Mit Herter an der Spitze soll der e. V. wieder Anteile am Profifußball, also der Hannover 96 KGaA, erhalten. 2015 hatte der Stammverein die letzten 15,66 Prozent der Anteile für rund 3,25 Millionen Euro verkauft, was für große Unruhe unter den 96-Fans sorgte. „Wir wollen zukünftig wieder Anteil am Fußballunternehmen haben“, erklärte Herter.


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Protestbanner beim Heimspiel am 15. Dezember 2018 gegen Bayern München. Zur Galerie
Protestbanner beim Heimspiel am 15. Dezember 2018 gegen Bayern München. ©

Das Problem: Der Verein hat kein Geld, um Anteile zurückzukaufen. Herter & Co. müssen mit Kind und den weiteren Gesellschaftern (Dirk Roßmann, Gregor Baum, Matthias Wilkening) verhandeln. „Der Verein hat kein Geld, um sich an einem Wirtschaftsunternehmen zu beteiligen“, so Herter. Heißt: Die Gesellschafter müssen dem Verein Anteile rückübertragen. „Sie werden sich mit uns darüber sicher ins Gespräch setzen. Ich bin da zuversichtlich“, sagte Herter.

Anteile und stimmberechtigte Plätze im Aufsichtsrat der KGaA?

Nach Informationen vom SPORTBUZZER sollen erste Gespräche darüber bereits stattgefunden haben und es im beiderseitigen Interesse sein, Anteile an den Verein zurückzugeben – die sollen im zweistelligen Prozentbereich der Gesamtanteile liegen. Zudem will das Team um Herter zwei stimmberechtigte Plätze im achtköpfigen Aufsichtsrat der KGaA. Dort hat der Verein aktuell auch zwei Mitglieder, diese sind allerdings nicht stimmberechtigt.

Bilder der Partie TSG Hoffenheim – Hannover 96

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Genki Haraguchi will Tempo aufnehmen. ©

Nicht reinreden wollen die Kandidaten – bei einer erfolgreichen Wahl und der Mehrheit im Aufsichtsrat – den Gesellschaftern bei der Benennung des Geschäftsführers der Management GmbH, den sie theoretisch benennen könnten. Die Management GmbH hält die Stimmenmehrheit an der KGaA, also der Profiabteilung. „Das Handeln gegen die Kapitalseite könnte eventuelle, schadensersatzpflichtige Konsequenzen für den e. V. nach sich ziehen“, erklärte Herter. Auch klar: An dem Ausnahmeantrag von Kind zur 50+1-Regel werden Herter und Co. nicht rütteln.

Zudem soll es unter anderem einen intensiven Austausch mit dem Fanbeirat und den organisierten Fanclubs geben, um zu schauen, was die Wünsche der Fans sind.

Breitensport soll weiter gefördert werden

Auch der Breitensport und Amateursport soll weiter gefördert werden. So soll zum Beispiel der Fußball als Breitensport wieder etabliert werden und ein Spielbetrieb hergestellt werden. Sowohl für die ganz kleinen Kids als auch für eine "dritte" oder "vierte" Herrenmannschaft. "Wir sind da in Gesprächen wegen Plätzen", erläuterte Karsten Surmann.

Es soll aber nicht irgendein Verein übernommen werden und dann in dessen Liga gestartet werden. "Wir fangen ganz unten an", sagte Surmann.

Die Stimmen zur Niederlage von Hannover 96 bei der TSG Hoffenheim:

Thomas Doll: Ich hatte wirklich gedacht, dass wir schon einen kleinen Schritt weiter sind nach dem Spiel gegen Nürnberg. Ein blutleerer Auftritt, wir sind überhaupt nicht in die Zweikämpfe gekommen. Da erwarte ich ein bisschen mehr Mut. Wir sind wie das Kaninchen vor der Schlange durch die Gegend gelaufen. Wir sollten schleunigst ein anderes Gesicht zeigen, sollten jetzt schon ein bisschen die Kurve kriegen. Das einzig Positive an diesem blöden Spieltag ist, dass alle anderen auch verloren haben. Zur Galerie
Thomas Doll: "Ich hatte wirklich gedacht, dass wir schon einen kleinen Schritt weiter sind nach dem Spiel gegen Nürnberg. Ein blutleerer Auftritt, wir sind überhaupt nicht in die Zweikämpfe gekommen. Da erwarte ich ein bisschen mehr Mut. Wir sind wie das Kaninchen vor der Schlange durch die Gegend gelaufen. Wir sollten schleunigst ein anderes Gesicht zeigen, sollten jetzt schon ein bisschen die Kurve kriegen. Das einzig Positive an diesem blöden Spieltag ist, dass alle anderen auch verloren haben." ©

96-Meinung: Ein erster Schritt

Ob die Vereinskandidaten am Ende gewählt werden, ist völlig offen, aber einen klaren Plan für die nächsten Jahre haben sie. Und der verspricht mehr, als nur ein kleiner Schritt in eine sicherlich nicht einfache 96-Zukunft zu sein. Das Ansinnen von Matthias Herter und seinem Team, Anteile der Profiabteilung wieder am Verein anzudocken, ist klug. Unter anderem der Verkauf hatte vor Jahren für Theater in der Fanszene gesorgt. Dem Verein wieder eine Stimme zu geben, ist der richtige Weg.

Zeigen muss das Herter-Team allerdings – eine Wahl vorausgesetzt –, dass es ein eigenes Gesicht hat, für eigene Werte steht und nicht doch von den Gesellschaftern um Martin Kind gesteuert wird. Sich steuern zu lassen, dürfte nicht der Plan des Teams sein.