05. Juni 2019 / 06:44 Uhr

Hannover 96: Aufsichtsratschef Gerhard Schröder beendet seine Agenda - wie geht's weiter?

Hannover 96: Aufsichtsratschef Gerhard Schröder beendet seine Agenda - wie geht's weiter?

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Seine Loge in der HDI Arena wird Gerhard Schröder behalten. Künftig genießt er die Spiele ohne eine verantwortungsvolle Position im Verein auszuüben. 
Seine Loge in der HDI Arena wird Gerhard Schröder behalten. Künftig genießt er die Spiele ohne eine verantwortungsvolle Position im Verein auszuüben.  © imago/Montage
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Ein leiser Abschied. Unkommentiert. So ging Gerhard Schröder als Aufsichtsratschef von Hannover 96. Als er kam, ging es aufwärts für den Verein, jetzt ging der Abstieg seiner Entscheidung voraus. Aber wer tritt in die Fußstapfen des viel beschäftigten Altkanzlers? 

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Romantik schießt keine Tore. Diesen wunderbaren Satz hat Gerhard Schröder (75) mal gesagt. Der Altkanzler formulierte dieses sportliche Gesetz, als er die neue Akademie von Hannover 96 besuchte und Hendrik Weydandt, seine Tore und dessen Fleiß lobte.

Auch dem ersten Kapitel von Schröders Zeit als Aufsichtsratschef wohnte Romantik inne. Hannover besann sich auf eigene Werte, den eigenen Altkanzler, der zum Amtsantritt am 24. Januar 2017 sagte: „Wir wollen in die Bundesliga. Ich helfe gern.“ 96 schaffte den Aufstieg. Ein guter Einstieg für Schröder. Vor dreieinhalb Wochen stieg 96 wieder ab. Kein gutes Ende.

Gestern gab 96 bekannt, dass Schröder sein Amt niederlegt (wir berichteten).

Die Bilder zum Besuch von Gerhard Schröder im Nachwuchsleistungszentrum von Hannover 96:

Altkanzler und Ex-96-Aufsichtsratsvorsitzender Gerhard Schröder (rechts) tauscht sich mit Clubboss Martin Kind aus. Zur Galerie
Altkanzler und Ex-96-Aufsichtsratsvorsitzender Gerhard Schröder (rechts) tauscht sich mit Clubboss Martin Kind aus. ©
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Zwischen sportlicher Leidenschaft und politischer Macht

Ein recht nüchternes und wortloses Ende. Auf Nachfrage gab es kein Statement von Schröder, er sei im Ausland unterwegs.

Tatsächlich half Schröder 96 ja doch ein wenig mit. Unter ihm kamen Horst Heldt (Manager) und Trainer André Breitenreiter (Trainer) – das Aufstiegsduo in Schröders erster Saison. Aber Schröders sportlicher Einfluss, sagte er selbst, hielt sich in Grenzen. Manchmal wog sein Gewicht als Machtmensch dennoch zu schwer, wenn der viel beschäftigte Altkanzler wie bei der beschlossenen Beurlaubung von Breitenreiter nicht erreichbar war. 96 sah sich deshalb beim Neujahrsempfang 2019 gezwungen, Meldungen von Breitenreiters Freistellung zu dementieren.

Schröder wollte gar nicht entscheiden, sondern nur helfen. Diesen Spagat mag er neben seinen vielen Ehrenämtern und zum Teil umstrittenen Wirtschaftsverbindungen nicht mehr in Kauf nehmen.

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Erste Konturen des Übergangs

Neuer Aufsichtsratschef wird Thomas Fischer, Vorstandssprecher des Bankhauses Marcard, Stein & Co. in Hamburg. 96 schrieb in einer Erklärung etwas von „Neuordnung“. Ein Modell der neuen Ordnung sieht Martin Kinds Wechsel vom Geschäftsführerposten in den Aufsichtsrat vor. Es gab Gerüchte, Ex-VWN-Chef Eckhard Scholz sei Nachfolgekandidat. Scholz kandidiert nun als Oberbürgermeister in Hannover.

Ein weiterer Kandidat wurde oft genannt: Wolfgang Schreiber, früher VWN-Markenchef, Bentley- und Bugatti-Boss. Schreiber soll kein Geschäftsführer werden, aber eine Rolle im 96-Konstrukt spielen. Offen ist, welche. Kind erklärte: „Wolfgang Schreiber ist jemand, den ich seit vielen, vielen Jahren kenne. Wir tauschen uns in vielen Bereichen aus.“

"Wir sind froh darüber, dass er uns als Freund von Hannover 96 erhalten bleibt"

Schröder geht es (fast) nichts mehr an. Seine Ehefrau Soyeon Schröder-Kim ist stets nah an seiner Seite, zuletzt öffentlich beim 80. Geburtstag von Günter Papenburg, wo Helene Fischer viel von der Liebe sang. Und Schröders Liebe zu 96? „Wir sind froh darüber, dass er uns als Freund von Hannover 96 erhalten bleibt“, erklärte Kind gestern. Schröder behält die Loge 20 in der HDI-Arena.

Irgendwie erschien es dem Altkanzler doch romantischer, mit Freunden Fußball zu gucken, denn als Chef im Aufsichtsrat.

96 ist in die 2. Liga abgestiegen, trotzdem steckt noch viel vom Klub und aus der Region in der Fußball-Bundesliga. Diese Ex-Spieler, Entscheider und gebürtigen Hannoveraner bleiben in der Saison 2019/20 erstklassig.

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