23. Februar 2021 / 07:36 Uhr

Aufstieg endgültig futsch: Wie konnte es zur bitteren 96-Pleite in Düsseldorf kommen?

Aufstieg endgültig futsch: Wie konnte es zur bitteren 96-Pleite in Düsseldorf kommen?

Andreas Willeke und Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Sinnbildlich: 96-Verteidiger Niklas Hult kniet nach dem Düsseldorfer 3:1 frustriert am Boden.
Sinnbildlich: 96-Verteidiger Niklas Hult kniet nach dem Düsseldorfer 3:1 frustriert am Boden. © IMAGO/Kolvenbach
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Hannover 96 hatte gegen Fortuna Düsseldorf alle Chancen, den Abstand auf die Aufstiegsplätze zu verringern - doch verlor am Ende. Der SPORTBUZZER beantwortet die wichtigsten Fragen zu der so vermeidbaren Auswärtspleite, die wohl das endgültige Aus der roten Aufstiegsträume bedeutet.

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Der Ball lag auf dem Elfmeterpunkt – und Hannover 96 hat es geschafft, daraus ein Eigentor zu machen. Die Mannschaft spielte über die komplette zweite Hälfte mit einem Mann mehr, zur Halbzeit stand es 1:1. Die Chance durch die Resultate der Konkurrenz war zudem groß, in der Tabelle Punkte gutzumachen an diesem Spieltag. Nach dem wieder mal enttäuschenden 2:3 in Düsseldorf stellen sich viele Fragen – wir suchen nach Antworten.

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Wie konnte 96 in Überzahl die wichtige Partie wegschenken?

„So ein Spiel darf man nie und nimmer aus der Hand geben“, schimpft Trainer Kenan Kocak. Der Hauptgrund ist die fehlende Einstellung der Mannschaft in der zweiten Hälfte. Es fehlen die Siegertypen, die Führungsspieler, die die Kollegen aus ihrer „Das machen wir schon irgendwie“-Lethargie reißen. Das ist ein wiederkehrendes Problem. Immer mal wieder mangelt es an Mentalität. Aus der Halbzeit kamen die 96-Spieler entspannt und locker – statt bissig und griffig. In der Düsseldorfer Kabine hatte es gerumst – mit Erfolg.

Die Stimmen zum Auswärtsspiel von Hannover 96 bei Fortuna Düsseldorf:

<b>Kenan Kocak, Trainer von Hannover 96:</b> Ein bitterer Tag. Wenn man so verteidigt wie wir heute, verdient man auch keinen Sieg. Wir haben es Fortuna zu einfach gemacht. Zur Galerie
Kenan Kocak, Trainer von Hannover 96: "Ein bitterer Tag. Wenn man so verteidigt wie wir heute, verdient man auch keinen Sieg. Wir haben es Fortuna zu einfach gemacht." ©

Warum lässt sich 96 so auskontern?

Weil sich die Spieler nicht an ihre Aufgaben und Positionen halten. Marcel Franke löst die Abwehrformation unnötig nach vorne auf, Kingsley Schindler stellt die Abwehrarbeit ein – wie Florent Muslija, der nicht mit nach hinten läuft, um Felix Klaus zu verfolgen, wie es sein Job wäre.

Individuelles Nachlassen führt zum mannschaftlichen Debakel. „Hinten musst du sicher stehen und geduldig auf deine Chance warten“, ärgerte sich 96-Kapitän Dominik Kaiser bei Sky. „Die Gegentore dürfen so nicht passieren.“


Ist der Aufstieg nun futsch?

Ja, sehr wahrscheinlich. Dabei hätte das der 96-Spieltag werden können. Die vor Hannover platzierten Klubs HSV, Bochum und Karlsruhe haben verloren. Der Abstand auf einen Aufstiegsplatz hätte auf sechs Punkte verkürzt werden können. So bleibt es bei neun Punkten Rückstand bei nur noch zwölf Spielen.

Realistisch ist es sinnlos, an den Aufstieg zu glauben. Selbst Kapitän Kaiser fällt es „extrem schwer, die Hoffnung hoch zu halten. Das war ein richtungsweisendes Spiel, wenn du es dann so verlierst, ist das extrem enttäuschend.“

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Kann 96 jetzt die Saison ausplätschern lassen?

Auf keinen Fall. Wichtig wäre, die Motivation zu behalten und zu versuchen, so hoch wie möglich in der Tabelle zu kommen. Der Tabellenplatz ist ein wichtiger Faktor für die Verteilung des TV-Geldes. Für den Neuaufbau zur nächsten Saison in der 2. Liga zählt jeder Euro.

Welche Sofortmaßnahmen plant Kocak?

„Es ist denkbar, dass es im nächsten Spiel Veränderungen gibt“, sagt der 96-Trainer. „Wir sind im Leistungssport, da gibt es keine Freifahrtscheine.“ Den freien Tag heute hat er nicht gestrichen, Kocak muss aber nun die Mannschaft in die Pflicht nehmen. Möglich wäre, auf Problemspieler wie Muslija und Schindler zu verzichten und auf junge Spieler wie Mick Gudra, Simon Stehle oder Moussa Doumbouya zu setzen. Für den verletzten Timo Hübers wird Simon Falette ins Team rücken.