18. Juni 2020 / 15:01 Uhr

Hannover 96: Bakalorz gründet mit Hummels und Stindl neues Profi-Netzwerk

Hannover 96: Bakalorz gründet mit Hummels und Stindl neues Profi-Netzwerk

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Miteinander, nicht über- oder gegeneinander: Das ist das Credo von 96-Kapitän Marvin Bakalorz (von links), Lars Stindl und Mats Hummels.
Miteinander, nicht über- oder gegeneinander: Das ist das Credo von 96-Kapitän Marvin Bakalorz (von links), Lars Stindl und Mats Hummels. © Florian Petrow
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Gehaltsverzicht, Protest gegen Rassismus, Gesundheitsfragen – die Profifußballer fühlten sich in den vergangenen Wochen häufig übergangen. Der Kapitän von Hannover 96 gehört mit seinem früheren Mitspieler Mats Hummels und weitere 21 Fußballern aus den drei Männerprofiligen und der Frauen-Bundesliga zu den Mitbegründern einer Interessensvertretung – als dritte Macht im deutschen Fußball. Bakalorz geht dabei vor allem darum, „ unter uns Fußballern ein Netzwerk zu schaffen“.

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Der Kapitän von Hannover 96 gehört zu den 23 Fußballern, die Profi-Interessen vertreten und gehört werden wollen, darunter auch der frühere 96-Europaheld Lars Stindl (Mönchengladbach). Gestern erklärte Bakalorz auf SPORTBUZZER-Nachfrage ein Ziel der neuen Interessensvertretung.

„Das Bündnis ist dazu da, um unter uns Fußballern ein Netzwerk zu schaffen. Es ist eine Plattform, auf der wir uns ligaübergreifend bis runter zur Regionalliga zu den unterschiedlichsten Dingen austauschen können. Dabei geht es darum, Meinungen und Ideen zu sammeln und zusammen mit der DFL oder den Vereinen zu besprechen."

Bilder zum Spiel der 2. Bundesliga zwischen Hannover 96 und dem FC St. Pauli:

Hannovers Edgar Prib (li.) im Zweikampf mit St. Paulis Rico Benatelli.  Zur Galerie
Hannovers Edgar Prib (li.) im Zweikampf mit St. Paulis Rico Benatelli.  ©

Von der Spielergewerkschaft VDV fühlten sich die Spieler offenbar nicht mehr stark genug vertreten. Deren Vizepräsident Carsten Ramelow, früher Profi in Leverkusen und Nationalspieler, äußerte sich eher zurückhaltend.

Miteinander, nicht über- oder gegeneinander

„Wichtig ist aber jetzt, dass wir den Schwung mitnehmen und sich möglichst alle Spieler in der VDV vereinigen. Denn die Erfahrungen aus dem Ausland zeigen ganz klar, dass ein solcher Prozess nur erfolgreich sein kann, wenn er in geordneten Bahnen durch die Spielergewerkschaft durchgeführt wird.“

Miteinander, nicht über- oder gegeneinander, das soll das Credo der neuen Initiative sein. Bakalorz‘ früherer Dortmunder Mitspieler Mats Hummels ist einer der führenden Kräfte der neuen Initiative – neben Neven Subotic (Union Berlin) oder Sven Bender (Leverkusen). Das Fachmagazin „Kicker“ beschrieb die neue Initiative als „dritte Macht“ im deutschen Fußball.

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"Es gibt drei Player in der Bundesliga", sagt Augsburgs Torhüter Andreas Luthe, "die DFL als Dachorganisation, die Vereine und die Spieler. Die Maßnahmen werden aber nur von zwei Playern beschlossen. Wir als Spieler sind ganz, ganz hinten in der Kette und haben dafür zu sorgen, dass Fußball gespielt wird."

"... also sollten wir auch einen Platz am Tisch bekommen"

Und die Umstände haben nicht allen Profis gepasst. Thema Gesundheit. „Wir halten die Knochen hin, also sollten wir auch einen Platz am Tisch haben, wenn die Entscheidungen getroffen werden“, zitiert der Kicker den Düsseldorf-Verteidiger Kaan Ayhan. Sven Bender wies auf die „enorme Belastung“ der englischen Wochen und der Geisterspiele hin. Dazu kam das Infektionsrisiko.

Weiteres Thema war das Bild der Öffentlichkeit beim Thema Gehaltsverzicht. Auch zu solchen Themen will sich die Initiative positionieren. Mobbing und Rassismus, öffentliche Kampagnen für ein Miteinander, dafür wirbt auch Bender.

„Es darf in der Gesellschaft keinen Platz irgendeiner Diskriminierung geben.“ Noch ist offen, wie groß der Zulauf der neuen „Spielergewerkschaft“ wird. Davon und von der zukünftigen Form wird abhängen, wie mächtig die neue dritte Macht im Fußball werden soll.