23. Juli 2020 / 07:21 Uhr

Funkstille in der Personalie Zieler: Wie kommt 96 aus der Nummer wieder heraus?

Funkstille in der Personalie Zieler: Wie kommt 96 aus der Nummer wieder heraus?

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ron-Robert Zieler sieht Vaterfreuden entgegen - aber auch einer ungewissen Zukunft bei Hannover 96.
Ron-Robert Zieler sieht Vaterfreuden entgegen - aber auch einer ungewissen Zukunft bei Hannover 96. © imago images/Noah Wedel
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Der Vertrag von Ron-Robert Zieler läuft noch drei Jahre, doch Hannover 96 will offenbar eine neue Nummer eins holen. Aktuell herrscht Funkstille zwischen Verein und Torhüter, was auch daran liegt, dass dieser Vaterfreuden entgegensieht. Dennoch stellt sich die Frage, wie die Parteien aus der Nummer wieder herauskommen.

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Zwischen Hannover 96 und Ron-Robert Zieler herrscht Funkstille. Nicht (nur) wegen der geplanten Demission, sondern weil Zieler und seine Anna Nachwuchs erwarten. Am Donnerstag ist errechneter Geburtstermin. Das ist Stress genug, darum hat von den 96-Entscheidern keiner in den vergangenen Tagen mit dem 31-Jährigen gesprochen.

Geplanter Wechsel bringt zunächst einmal: Unruhe

Auch nicht über den möglichen Torwarthammer: Der Weltmeister kann – und soll – 96 verlassen, die Suche nach einer neuen Nummer eins läuft. Heißer Kandidat auf die Nachfolge ist Vorgänger Michael Esser (32). Klingt skurril – aber was bringt dieser Wechsel?

Zunächst mal einiges an Unruhe: Die Torwartrochade ist Zündstoff, die Art und Weise auch der internen Kommunikation mindestens unglücklich. Im Winter hatten Sportdirektor Gerhard Zuber und Coach Kenan Kocak das Torwartrennen außerdem eigentlich beendet – zu Zielers Gunsten. Esser hatte den verlorengegangenen Stammplatz nicht erobern können, wurde ablösefrei nach Hoffenheim abgegeben. Da spielte er dann keine Rolle, weil die angeschlagene Nummer eins Oliver Baumann frühzeitig aus der Verletzungspause zurückkehrte.

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Ein halbes Jahr später steht bei 96 der Rollentausch bevor; und diesmal ist Zieler der Leidtragende. Esser ist einer von mehreren Kandidaten, aber aktuell der heißeste. Der 32-Jährige sagte gerade den Erstligisten Köln (als Nummer zwei) und Union Berlin (als Stammkraft) ab. Für die Rückkehr nach Hannover? Fakt ist: 96 hat schon mal vorgefühlt beim Torwart, ob er sich die Rückkehr grundsätzlich vorstellen könne. Ein weiterer Kandidat ist Bremens Griechen-Torwart Stefanos Kapino (26). Egal wer kommt: Zielers Demission scheint besiegelt.

Die interne Beurteilung ist deutlich: Zieler habe zu wenig Punkte festgehalten. Vorm letzten Saisonspiel gegen Bochum trafen sich Kocak und Zieler zum Gespräch: Zieler sprach über unglückliche Situationen und darüber, dass er sich steigern wolle.

Ron-Robert Zieler: Bilder seiner Karriere

Seine ersten fußballerischen Schritte machte der junge Ron-Robert Zieler in Köln. Zunächst beim damaligen SCB Preußen (heute SCB Viktoria) Köln, später in der Jugend des 1. FC Köln. Zur Galerie
Seine ersten fußballerischen Schritte machte der junge Ron-Robert Zieler in Köln. Zunächst beim damaligen SCB Preußen (heute SCB Viktoria) Köln, später in der Jugend des 1. FC Köln. © imago/

Und Kocak sprach damals zum ersten Mal darüber, dass für die neue Saison eine neue Konkurrenzsituation infrage komme – oder vielleicht eine neue Nummer eins geholt werde. Da war alles noch hypothetisch. Seitdem gab’s keine Gespräche mehr über das Sportliche – oder dass Hannover nicht mehr mit Zieler plane.

Zieler ist mit seiner Erfahrung und 96-Historie zwar einer, der für den Klub und seine Überzeugungen einsteht. Bei den Wortführern im Kader droht aber ohnehin ein Kahlschlag, und Zieler ist eben auch ein Mehrverdiener.

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Jürgen Rynio: 1979 bis 1986 (204 Spiele) Zur Galerie
Jürgen Rynio: 1979 bis 1986 (204 Spiele) ©

Ob 96 Geld einsparen könnte bei seinem Abschied, ist aber mindestens fraglich. Das klappt nur, wenn sich ein neuer Klub findet – ansonsten kommt nur eine Vertragsauflösung mit Abfindungszahlung infrage. Das wäre nicht günstig. Zuber habe schon beim 1. FC Köln angefragt, ob Zieler dort nicht als Nummer zwei unterkommen könne, berichtet der „Express“. Doch Horst Heldt winkte ab.

Mit Zieler hat darüber oder über andere Transferpläne noch niemand gesprochen. Der Torwart will Hannover auch gar nicht verlassen – egal, ob Esser kommt oder ein anderer Konkurrent bei 96 anheuert. Eine vertrackte Lage bei drei weiteren Vertragsjahren. Doch auch wenn Esser und Zieler sich menschlich verstehen - irgendwie undenkbar, dass 96 noch mal mit beiden in eine Saison geht. Hannover hat im Tor eine Baustelle aufgemacht, die kaum zu schließen ist ...