14. Februar 2021 / 19:03 Uhr

Keine Chance für 96: 17-jährige Torwarthoffnung folgt dem Lockruf aus Dortmund

Keine Chance für 96: 17-jährige Torwarthoffnung folgt dem Lockruf aus Dortmund

Dirk Tietenberg und Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Der 17-jährige Marian Kirsch (links), hier im Trikot der deutschen Nationalmannschaft, verlässt 96 in Richtung Dortmund.
Der 17-jährige Marian Kirsch (links), hier im Trikot der deutschen Nationalmannschaft, verlässt 96 in Richtung Dortmund. © privat
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2022 sollte Marian Kirsch in die Profimannschaft von Hannover 96 aufrücken, die Perspektive für das hoffnungsvolle 17-jährige Torwarttalent war vorgezeichnet. Doch der Junioren-Nationalkeeper folgte dem Lockruf von Borussia Dortmund - sehr zum Ärger von Profiboss Martin Kind.

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Hannover und deine Torhüter. Das nächste Talent wächst seit 2013 bei 96 heran. Marian Kirsch kam damals von der SV Arnum, ist seit Freitag 17 Jahre alt, 1,94 Meter lang und einer der besten Torhüter Deutschlands. Ein Angebot der Bayern-Akademie soll die Familie vor zwei Jahren abgelehnt haben. Jetzt pflückt sich Borussia Dortmund den Kirsch.

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96-Boss Martin Kind bestätigt: „Er geht nach Dortmund.“ Ablösefrei, wie üblich, wenn Ausbildungsverträge auslaufen. 96 wollte mit ihm verlängern, bot eine Karrierezukunft und Geld. Vergeblich. Denn das Dortmunder Leistungszentrum mit Chef Lars Ricken versprach Kirsch eine schwarz-gelbe Perspektive und viel mehr Geld.

Diese Eigengewächse konnten sich bei Hannover 96 nicht durchsetzen - und das machen sie heute

<b>Fynn Arkenberg (Abwehr, fünf Profieinsätze für 96):</b> Seine Karriere startete der Verteidiger beim TSV Havelse. Von dort aus ging es 2011 in die Jugend von Hannover 96, in der Arkenberg die U17 und die U19 durchlief. Im Jahr 2016 dann der bisherige Höhepunkt seiner Karriere: Gegen die TSG Hoffenheim und gegen den FC Bayern München wurde der damals 20-Jährige zu den Profis berufen. Insgesamt absolvierte er fünf Partien für die erste und 69 Partien für die zweite Mannschaft der Roten, bis er Hannover 96 in Richtung Halle verließ. Zur Galerie
Fynn Arkenberg (Abwehr, fünf Profieinsätze für 96): Seine Karriere startete der Verteidiger beim TSV Havelse. Von dort aus ging es 2011 in die Jugend von Hannover 96, in der Arkenberg die U17 und die U19 durchlief. Im Jahr 2016 dann der bisherige Höhepunkt seiner Karriere: Gegen die TSG Hoffenheim und gegen den FC Bayern München wurde der damals 20-Jährige zu den Profis berufen. Insgesamt absolvierte er fünf Partien für die erste und 69 Partien für die zweite Mannschaft der Roten, bis er Hannover 96 in Richtung Halle verließ. ©

Dortmund bezahlt Kirsch wie einen Profi

„Es ist mehr als ärgerlich, dass wir ihn nicht halten konnten“, sagte Kind. „Wir waren dran und wollten den Vertrag mit ihm verlängern.“ Angeblich 5000 Euro pro Monat sollte Kirsch ab Sommer in Hannover verdienen. Aber 96 hatte keine Chance: Dortmund soll sogar das Dreifache zahlen.



Der BVB wuchert mit Gehältern für Hochbegabte. Als der Starstürmer Youssoufa Moukoko 15 Jahre alt war, soll er 350 000 Euro verdient haben. Als Moukoko zwölf Jahre jung war, warb halb Deutschland um den Stürmer. Auch hier zahlte der BVB am meisten, angeblich 180 000 Euro pro Saison – dasselbe, das Kirsch ab der kommenden Saison mit 17 Jahren verdienen soll. Talente wie Kirsch verdienen in Dortmund im Jahr in etwa so viel wie der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil. Die Investition in Moukoko zahlt sich gewiss für Dortmund aus. Aber wie sieht es bei Kirsch aus?

"Wir haben ihm den Karriereweg aufgezeigt"

96 kämpfte um Kirsch. Neben NLZ-Leiter Michael Tarnat saßen der Profimanager Gerhard Zuber und Profitorwarttrainer Rolf Moßmann am Verhandlungstisch. „Wir haben ihm den Karriereweg aufgezeigt“, sagt Tarnat. Den Profiplan zeichneten Zuber und Moßmann vor: Ein Jahr in der 96-Jugend, gelegentlich Training mit den Profis und 2022 schon der Aufstieg in die Profimannschaft. Es soll Kirsch nicht ums Geld gegangen sein, erklärt Tarnat.

„Bei uns hätte er seinen Weg machen können.“ Der Dortmunder Weg? Die Profis sind unzufrieden mit ihren Torhütern, werden mehrere Millionen Euro ausgeben, um in der kommenden Saison einen Keeper zu kaufen. „Wenn die Dortmunder einen Torwart holen, dann nehmen sie einen aus dem oberen Regal, keinen Jugendtorwart“, glaubt Tarnat.

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Immerhin: Sturmjuwel Tresoldi bleibt in Hannover

So enttäuscht 96 über den Verlust des Torwarts im Sommer ist: Der Kapitän geht von Bord, aber der Rest des Jahrgangs 2004 bleibt zusammen. „Darüber freuen wir uns, ein guter Jahrgang“, sagt Tarnat, „auch bei den Jungs waren andere Vereine dran.“ Zum Beispiel an Nicolo Tresoldi (16). Dortmund wollte den Stürmer mitschnappen, aber Tresoldi bleibt.