29. April 2021 / 08:32 Uhr

96-Boss Kind über die Trennung von Kocak: "Unglaublich viel Vertrauen gegeben"

96-Boss Kind über die Trennung von Kocak: "Unglaublich viel Vertrauen gegeben"

Andreas Willeke und Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96-Boss Martin Kind hat an seinem 77. Geburtstag eine wichtige Entscheidung getroffen: die Trennung von Trainer Kenan Kocak zum Saisonende.
96-Boss Martin Kind hat an seinem 77. Geburtstag eine wichtige Entscheidung getroffen: die Trennung von Trainer Kenan Kocak zum Saisonende. © Florian Petrow
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"Das Spiel gegen Sandhausen war ein eindeutiges Signal, die sportliche Entwicklung war leider nicht zufriedenstellend", sagt 96-Boss Martin Kind zur Trennung von Trainer Kocak zum Saisonende. Er habe ihm "unglaublich viel Vertrauen geben", doch aus dem Wunsch nach Kontinuität wird wieder nichts.

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Es ist vorbei, aber das lässt sich Kenan Kocak nicht anmerken, als er um 13.54 Uhr zum Trainingsplatz geht. Der 40-Jährige gibt sich wie immer, sogar entspannt und freundlich. Er scheint seinen Nachschlag zu genießen. „Natürlich bin ich auch erleichtert, es gibt jetzt Klarheit für alle Beteiligten“, sagte er nach dem Training.

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Seit Mittwochmittag ist die vorzeitige Trennung offiziell und von Hannover 96 bestätigt. „Eine faire Lösung“ nennt Kind die Scheidung. Das ist es meist dann, wenn beide Seiten Abstriche machen müssen. Bei 96 ist es vermutlich der Verzicht auf eine sofortige Trennung, die möglich und vielleicht auch sinnvoll gewesen wäre.

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96 ist aktuell auf Platz 13 abgerutscht, weit entfernt von allen Zielen und Ansprüchen. Kind hat über die gemeinsamen Monate „Kocak unglaublich viel Vertrauen gegeben“ – und ist schwer enttäuscht worden. Der sportliche Abwärtstrend hielt seit dem Derbysieg gegen Braunschweig im Februar an.

Mannschaftsrat sprach beim Boss vor

Das 2:4 am vergangenen Sonntag war ein weiterer Tiefpunkt. „Das Spiel gegen Sandhausen war ein eindeutiges Signal“ für Kind, dass es nicht mehr weitergeht mit dem Trainer. „Die sportliche Entwicklung war leider nicht zufriedenstellend.“

Zudem gab es auch innerbetriebliche Probleme, der Mannschaftsrat war zu einem Gespräch bei Kind. „Wir haben uns umfassend ausgetauscht“, bestätigt der 96-Boss. Zu vermuten ist, dass es nicht nur Positives über den Trainer zu besprechen gab.

Die finanziellen Details der Trennung wurden mit Kocaks Berater geregelt. Darüber wurde Stillschweigen vereinbart. Kind telefonierte am Mittwochvormittag mit Kocak. Der Coach kam mit Rolf Moßmann mit dem Dienst-Mercedes aus Mannheim, der Torwarttrainer saß am Steuer.

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Am 28. April 2021 hat Hannover 96 die Trennung von Kenan Kocak zum Saisonende verkündet. Rund zwei Wochen später (10. Mai) haben die Roten Jan Zimmermann als neuen Trainer vorgestellt. Der Coach kommt vom Regionalligisten TSV Havelse. Zur Galerie
Am 28. April 2021 hat Hannover 96 die Trennung von Kenan Kocak zum Saisonende verkündet. Rund zwei Wochen später (10. Mai) haben die Roten Jan Zimmermann als neuen Trainer vorgestellt. Der Coach kommt vom Regionalligisten TSV Havelse. © imago/

Kinds Wunsch, mit Kocak auf der Trainerposition Kontinuität zu bekommen, hat sich nicht erfüllt. Ein Drittel von der vereinbarten Vertragslaufzeit wird Kocak nur erfüllen. Das gemeinsame Ziel sei es aber nun, „die Saison versöhnlich abzuschließen“.

Eine Trennung am Geburtstag, das ist auch für den 96-Chef neu. Die vielen Glückwünsche haben ihm ein wenig über die anstrengenden Gesprächen auf vielen Ebenen hinweggeholfen. „Ich fühle mich jünger, aber objektiv bin ich 77“, sagt Kind

Er sieht sich auch mit Blick auf sein Alter „verpflichtet, für Stabilität in der Zukunft von 96 zu sorgen“. Aber nicht alles an einem Tag. Wenn es schon sportlich nicht läuft, mit seinen Enkeln konnte er einen versöhnlichen Ausklang des Geburtstags genießen.