03. Juli 2020 / 07:20 Uhr

96-Chef Martin Kind legt die Messlatte an: "Wir müssen JETZT hoch"

96-Chef Martin Kind legt die Messlatte an: "Wir müssen JETZT hoch"

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Das Ziel ist klar: 96-Chef Martin Kind will in der nächsten Saison aufsteigen. 
Das Ziel ist klar: 96-Chef Martin Kind will in der nächsten Saison aufsteigen.  © imago images/Noah Wedel
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Nach zwei Spielzeiten gelingt nur noch 12,7 Prozent der Bundesliga-Absteiger die Rückkehr ins Oberhaus. Die Zeit drängt, alle im Verein wünschen sich den Aufstieg. 96-Chef Martin Kind will „alle Entscheidungen an dem Ziel orientieren“.

Wenn der TV-Kommentator mal wieder in seine Statistikschublade greift und uns erklärt, dass dies der erste Einwurf von der rechten Seite hinter der Mittellinie am zweiten Wochenende nach einer Mondfinsternis ist, dann kann man sich nur bedanken für diesen wertvollen Hinweis.

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32,4 Jahre packen es im ersten Jahr

Es werden halt viele Daten gesammelt, nicht alle helfen wirklich weiter. 96 hat etwa jüngst bei der Niederlage in Aue mal wieder erfahren, dass auch mit 70 Prozent Ballbesitz allein nichts zu gewinnen ist.

Es gibt aber auch Fußballfakten, die sich die Macher in Hannover genau anschauen. Vor allem diese: Von allen Bundesliga-Absteigern kehrten 32,4 Prozent schon ein Jahr später zurück, also etwa jeder dritte Verein stieg umgehend wieder auf. 2017 gelang 96 auch die schnelle Rückkehr.

18 Profis, die bei Hannover 96 noch unter Vertrag stehen, absolvieren am 1. Juli einen Laktattest.

18 Profis, die bei Hannover 96 noch unter Vertrag stehen, absolvieren am 1. Juli einen Laktattest. Zur Galerie
18 Profis, die bei Hannover 96 noch unter Vertrag stehen, absolvieren am 1. Juli einen Laktattest. © Florian Petrow

Nach zwei Spielzeiten schaffen es dann noch 12,7 Prozent der Absteiger – aber nur noch 4,9 Prozent kehren im dritten Jahr ins Oberhaus zurück.

Das heißt, in den ersten beiden Jahren nach dem Absturz ist die Aufstiegschance am größten. Das erste Jahr hat 96 bereits verschenkt. Angepeilt war zwar der Aufstieg, heraus kam nach vielen Irrungen und Personalwechseln aber Platz sechs.

Für den 96-Chef ist mit Blick auf die Faktenlage vor der zweiten Saison in der 2. Liga klar: „Wir müssen jetzt hoch“, sagt Martin Kind und kündigt an: „Wir werden alle Entscheidungen an diesem Ziel orientieren.“


Die 96-Trainer seit 2002 - und ihr Punkteschnitt in der Liga (Stand: 15. April 2021)

Ralf Rangnick: 91 Spiele (40-22-29) - 142 Punkte (im Schnitt 1,56). Zur Galerie
Ralf Rangnick: 91 Spiele (40-22-29) - 142 Punkte (im Schnitt 1,56). ©

Aufstieg jetzt – das ist mutig, aber mit Blick auf die Vergangenheit auch fast alternativlos. Kind will unbedingt verhindern, dass 96 auf lange Sicht in der 2. Liga versauert.

Alle wünschen sich den Aufstieg

Nach dem Abstieg 1989 aus der 1. Liga kam der Klub für 13 lange Jahre nicht zurück in die Bundesliga. Der Klub legte zwischendurch sogar einen Umweg für zwei Jahre über die 3. Liga ein.

Alle bei Hannover 96 wünschen sich den Aufstieg und die Rückkehr in die Bundesliga, teilte der Verein mit. „Die Weichen dafür zu stellen ist die Aufgabe der nächsten Wochen und Monate.“

Bilder vom Spiel der 2. Bundesliga zwischen Hannover 96 und dem VfL Bochum

Zunge raus: Marvin Ducksch feiert seinen zweiten Treffer. Zur Galerie
Zunge raus: Marvin Ducksch feiert seinen zweiten Treffer. ©

Das ist nun der Auftrag an Trainer Kenan Kocak und Sportchef Gerhard Zuber. Kind stellt dazu die notwendigen Mittel bereit. 96 sei „handlungsfähig und handlungswillig“, sagt er.

Auch Scout Christophe Rempp mischt mit

Kocak und Zuber müssen die richtige Auswahl treffen, auch der französische Scout Christophe Rempp mischt mit. Der Coach ist zwar zu seiner Familie nach Mannheim gefahren, legt aber sein Telefon selten aus der Hand.

„Womöglich muss man den Urlaub auch mal unterbrechen, um einzelne Gespräche zu führen, Spieler persönlich kennenzulernen“, hat er unlängst angekündigt.

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Kocak will in der neuen Saison mehr als Platz sechs. „Zufriedenheit lähmt und ergibt Stillstand“, schrieb der Trainer bei Instagram. „Unser Anspruch muss die tägliche Intensität unserer Arbeit und die Entwicklung sein.“

Die Kunst ist es, die richtigen Entscheidungen zu treffen

Noch ist die Entwicklung des Spielermarkts in der Pandemie nicht endgültig abzuschätzen. Kind meint jedoch, das Angebot an auch für 96 bezahlbaren Spielern sei deutlich größer geworden.

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„Die Kunst ist es jetzt, aus dem größeren nationalen und internationalen Angebot die richtigen Entscheidungen zu treffen“, sagt der 96-Chef. „Daran müssen sich Zuber und Kocak messen lassen.“

Die Zusammenstellung des Kaders wird der Knackpunkt sein. Die Trefferquote bei den Transfers soll bei 80 Prozent liegen. Basis dafür ist keine Statistik, sondern Kinds Aufstiegsziel. Dafür gilt: Wenn nicht jetzt, wann dann?