13. Oktober 2020 / 07:12 Uhr

Schon 10 Millionen Euro Verlust: 96 hofft, dass wenigstens Osttribüne offen bleibt

Schon 10 Millionen Euro Verlust: 96 hofft, dass wenigstens Osttribüne offen bleibt

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96-Profichef Martin Kind rechnet nicht mit einer schnellen Rückkehr aller Zuschauer.
96-Profichef Martin Kind rechnet nicht mit einer schnellen Rückkehr aller Zuschauer. © Florian Petrow
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Die Corona-Pandemie wird ein tiefes Loch in den Haushalt von Hannover 96 reißen. Profichef Martin Kind rechnet mit einem Umsatzverlust von 10 Millionen Euro in dieser Saison, mit einer schnellen Rückkehr aller Zuschauer indes nicht. Die "wichtigste Stellschraube" sei derzeit die Osttribüne.

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An die Zahlen von den Bayern und Dortmund kommt Hannover 96 nicht annähernd heran, aber das ist in dem Fall auch besser so. Mit 100 Millionen Euro Einnahmeverlust rechnet Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge in dieser Saison, bei der Borussia werden es 70 bis 75 Millionen Euro sein.

Doch auch bei Hannover 96 sind die Corona-Symptome massiv zu spüren. „Wir werden einen Umsatzverlust von 10 Millionen Euro haben“, sagt 96-Profichef Martin Kind. Von in coronafreien Zeiten etwa 42 Millionen Euro sinkt der Zweitligaetat auf 32 Millionen Euro. In der Bundesliga setzte 96 etwa 85 Millionen Euro um.

Mehr über Hannover 96

Dabei geht 96 aktuell laut Kind „vom mittleren Szenario aus“. Kalkuliert wird da mit bis zu 10 000 Zuschauern. Noch dramatischer wäre der Verlust beim schlimmsten von 96 aufgestellten Szenario. In dem drohen erneut Geisterspiele, wie beim Lockdown zum Ende der vergangenen Saison.

"Corona-Tiefschlag wird uns sicher zwei Jahre beschäftigen"

Vom Wunschszenario, der Rückkehr aller Zuschauer, hat Kind sich bereits verabschiedet. „Da habe ich in diesem Jahr keine Hoffnung mehr, und ich denke nicht, dass es in der Rückrunde wesentlich anders sein wird.“

Kind befürchtet mit Blick auf die ansteigenden Infektionszahlen sogar, „dass sich die Probleme auch noch bis in die nächste Saison auswirken. Der Corona-Tiefschlag wird uns sicher zwei Jahre beschäftigen“, sagt der 96-Geschäftsführer.

Kurzfristig hängt die Zuschauerzahl von der lokalen Entwicklung der Infektionen ab. Zum nächsten Heimspiel gegen den Absteiger Düsseldorf dürfen 9800 Fans in die HDI-Arena. So viele hätten es auch beim Derby gegen Braunschweig sein können, es kamen aber nur 7300. Zu bedenken ist dabei allerdings: 96 verzichtete auf den freien Verkauf. Aus Sorge, Braunschweiger Fans könnten sich Tickets beschaffen. Gästefans dürfen grundsätzlich nicht ins Stadion gelassen werden.

Geisterspieler als "Worst Case"

Bilanztechnisch sind dabei nicht alle Zuschauer gleich. „Die wichtigste Stellschraube ist für uns die Osttribüne“, rechnet Kind vor. „Wir haben alle Logen verkauft“, auch die Business-Seats seien nachgefragt.

Die Zahlungen sind verbucht. Eine Loge für zehn Personen kostet zwischen 70 000 und 90 000 Euro pro Saison. Werden erneut Geisterspiele angeordnet, müsste 96 die hohen Einnahmen anteilig pro ausgefallenes Spiel erstatten. „Das wäre der Worst Case“ für den 96-Chef, „deshalb ist es für uns besonders wichtig, dass wenigstens 500 bis 1000 Zuschauer erlaubt bleiben. Das ist meine große Hoffnung.“ Denn dann bleiben die Osttribünengelder in der 96-Kasse und sichern neben TV- und Sponsoreneinnahmen den Haushalt ab.

Das ist der Spielplan von Hannover 96 in der Saison 2020/21 der 2. Bundesliga:

Hannover 96 spielt in der kommenden Zweitligasaison unter anderem gegen Fortuna Düsseldorf, den Hamburger SV und Eintracht Braunschweig.  Zur Galerie
Hannover 96 spielt in der kommenden Zweitligasaison unter anderem gegen Fortuna Düsseldorf, den Hamburger SV und Eintracht Braunschweig.  ©

Allein für die ambitionierte Mannschaft werden 20 Millionen Euro fällig. „Das Jahr ist sportlich und wirtschaftlich, aber auch bezogen auf die Zuschauer schwierig“, sagt Kind. Aber eben nicht nur für 96. Die DFL verzichtete we­gen Corona ausnahmsweise auf die Überprüfung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Alle 36 Vereine aus Liga eins und zwei haben die Li­zenz bekommen. „Das ist zwar keine Lotterie“, so weit will Kind nicht gehen, „aber es kann Überraschungen geben.“ Und zwar böse, in Form von Insolvenzen.

Auch Dieter Hecking, beim Derby in der HDI-Arena dabei, warnt im kicker: „Beim nächsten Lockdown würden viele Vereine durchgeschüttelt werden.“ Der Sportvorstand beim 96-Konkurrenten Nürnberg hofft: „Stand jetzt kommen wir mit einem blauen Auge durch die Saison.“ Das ist auch die vorsichtig optimistische Prognose von Kind für 96.