20. Mai 2020 / 12:45 Uhr

"90 Prozent Corona": Wenn 96-Sportdirektor Gerhard Zuber Chauffeure organisieren muss

"90 Prozent Corona": Wenn 96-Sportdirektor Gerhard Zuber Chauffeure organisieren muss

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Raus aus dem Bulli, rein ins Hotel - heißt es für die Profis von Hannover 96.
Raus aus dem Bulli, rein ins Hotel - heißt es für die Profis von Hannover 96. © Florian Petrow
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"Im Moment macht die Arbeit 90 Prozent Corona aus und 10 Prozent Fußball", sagt Gerhard Zuber. Am Dienstag etwa musste der Sportdirektor von Hannover 96 einen Shuttleservice für die Profis und den Staff organisieren, nachdem das Gesundheitsamt interveniert hatte.

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So eine Quarantäne ist kein Spaziergang. Hannover 96 musste sich nach den Vorgaben der Liga vor dem ersten Neustartspiel gegen Osnabrück eine Woche im Courtyard-Hotel einquartieren. Hotel – Stadion – Abstriche – Training. Viel mehr passiert bis Freitag nicht im Leben der Profis. Positive Nachricht am Dienstag: Alle Getesteten wurden negativ aufs Virus geprüft. Und: Seit Dienstag dürfen die Spieler aber nicht mehr in Badelatschen vom Hotel zum Stadion oder mit Fußballschuhen zum Trainingsplatz an der Mehrkampfanlage schlendern.

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"Es geht da vor allem um Restzweifel"

Das Gesundheitsamt hatte nach dem ersten Quarantänetag am Montag angemahnt, dass auf den öffentlichen Wegen ein Restrisiko für Ansteckungen bestehe. Fans hatten die Spieler zwar am ersten Tag weder mit Autogrammwünschen noch mit Selfies bedrängt. Aber die Ämter achten offenbar sehr genau auf die lückenlose Einhaltung der Quarantäneauflagen. Spaziergänge gehören demnach nicht in den Toleranzbereich. „Es geht da vor allem um Restzweifel“, erklärt Sportdirektor Gerhard Zuber.

Bilder vom Training von Hannover 96 (19. Mai)

Timo Hübers hat den Ball fest im Visier. Zur Galerie
Timo Hübers hat den Ball fest im Visier. ©

Deshalb bekamen die Spieler einen Shuttleservice verordnet. Zuber hatte aufs Gas treten müssen, um die Bullis und zwei Fahrer für die Spieler zu organisieren, als 96 bereits trainierte. Fitnesstrainer Timo Rosenberg chauffierte die erste Ladung mit den Chefs mit dem 96-Bulli 200 Meter um die Ecke zum Hotel zurück. Kapitän Bakalorz, Edgar Prib, Hendrik Weydandt und Jannes Horn kamen als Erste in den Chauffeurgenuss. Teammanager Fabio Morena brachte die zweite Gruppe um 16.10 Uhr sicher und bemaskt vor den Haupteingang des Hotels.

Region achtet auf Einhaltung der Regeln in Niedersachsen

„Das Amt gibt alles vor, wir müssen alles befolgen“, sagt Zuber pragmatisch. Die DFL macht die Vorgaben für den Verlauf der Restsaison, die Region Hannover achtet auf die Einhaltung der Regeln im Land Niedersachsen. Das betrifft die Tests ebenso wie die Maskenpflicht und die Einhaltung der Abstandsregeln.


Theoretisch könnte das Gesundheitsamt den Trainings- und den Spielbetrieb in der 2. Bundesliga untersagen. Dazu gibt es aber offenbar noch keinen Grund, zumal alle 96-Beteiligten aktuell nachweislich negativ getestet wurden.

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„Die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt ist sehr gut“, findet Zuber. Gut, aber anstrengend für jemanden, der sich lieber mit Transfer- als mit Gesundheitsfragen beschäftigt. „Im Moment macht die Arbeit 90 Prozent Corona aus und 10 Prozent Fußball“, sagt Zuber. „Leider Gottes hat der Tag nur 24 Stunden.“

Im Hotel selbst „können wir nicht viel machen“, erklärt der Sportdirektor. Am Montagabend sah sich eine Gruppe – auf Abstand – das 1:4 von Werder gegen Leverkusen an. „Einige spielen Playstation, andere haben sich ein Buch mitgebracht und lesen auf der Terrasse, andere nutzen die Zeit für mehr Pflege.“ Einen Vorteil hat die Unterkunft in Einzelzimmern für den Sportchef und alle Spieler mit kleinen Kindern daheim. Zuber: „Man kann endlich mal durchschlafen.“