17. März 2020 / 07:22 Uhr

Die Reise soll weitergehen: Neustart für Hannover 96 gegen den Karlsruher SC?

Die Reise soll weitergehen: Neustart für Hannover 96 gegen den Karlsruher SC?

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Bekommen die Spieler von Hannover 96 am 4. April gegen den Karlsruher SC wirklich wieder die Gelegenheit zum Jubeln?
Bekommen die Spieler von Hannover 96 am 4. April gegen den Karlsruher SC wirklich wieder die Gelegenheit zum Jubeln? © imago images/Sven Simon
Anzeige

Die Vertreter der 36 Profivereine in Deutschland sind sich einig: Die Saison 2019/20 soll zu Ende gespielt werden. Das ist das Ergebnis der Mitgliederversammlung der DFL. Weitergehen könnte es theoretisch am ersten April-Wochenende, für Hannover 96 hielte der Spielplan ein Heimspiel gegen den Karlsruher SC bereit.

Anzeige
Anzeige

Allzu häufig ist es in den vergangenen Jahren nicht vorgekommen, dass der DFL als Verband der 36 Profiklubs und Hannover 96 sich einig waren. Aber die aktuelle Dimension ist größer als die 50+1-Frage. Es geht um die Existenz vieler Fußballklubs. 96-Chef Martin Kind hatte gefordert, dass die Saison in der ersten und zweiten Liga „zu Ende gespielt wird, egal, wie lange es dauert, das wäre die Antwort auf die Krise.“ Genau diese Antwort kam am Montag aus Frankfurt in der Mitgliederversammlung der 36 Profiklubs.

Einstimmige Entscheidung

Die Entscheidung fällten alle 36 Mitglieder einstimmig. Die Liga gewinnt Zeit, um die Saison im April fortsetzen zu können, das erste 96-Spiel wäre dann wieder am 4. April gegen Karlsruhe. Noch ist die Fortsetzung eine gemeinsame Willensbekundung, kein fixer Termin.

Ob alle Klubs einer Meinung bleiben werden oder sich in Vereinsinteressen verfangen, das wird sich später zeigen. Fest steht: Ohne weitere Spiele hat der Profifußball kein Produkt – wie ein Supermarkt ohne Ware. In dieser Situation nimmt die DFL sogar Geisterspiele in Kauf. Das sei „die einzige Überlebenschance“, sagte DFL-Chef Christian Seifert.

Mehr über Hannover 96

96-Chef Kind fühlte sich bestätigt: „Wir begrüßen die Entscheidung, dass die Saison zu Ende gespielt werden soll. Das verschafft dringend notwendige Planungssicherheit. Wir werden auf Basis dieser Grundlage unsere Planungsrechnungen überarbeiten.“

Lizenzunterlagen abgegeben

Die erste Rechnung gab 96 am Montag schon ab: Die Lizenzunterlagen für die 2. und die 3. Liga. Abgabetermin war am Montag, aber auch diese Unterlagen dürften irgendwann überarbeitet werden müssen. Der Abgabetermin für die Lizenz der ersten Liga ist übrigens erst im April.

Die Szenarien hat 96 durchgespielt. „Auch im Falle einer Worst-Case-Betrachtung wird Hannover 96 in dieser Saison voll wirtschaftlich handlungsfähig bleiben. Wir werden diese Krise überstehen“, sagt Kind.

Mehr anzeigen

Für 96 hatte Geschäftsführer Björn Bremer an der DFL-Mitgliederversammlung von 11.30 Uhr bis in den Nachmittag teilgenommen. Ihm fiel auf, wie viele Parkplätze am Vormittag am Frankfurter Flughafen frei waren vor der Sitzung im Sheraton Hotel. Die Atmosphäre – gespenstisch. In Zukunft, auch darauf einigten sich die DFL-Mitglieder, treffen sich die Vertreter bei einer Videokonferenz nach dem Vorbild der EU.

Eine gemeinsame Absichtserklärung

Im Tourismusverkehr ist kaum etwas los, während Bremer mit Karl-Heinz Rummenigge oder Horst Heldt beratschlagte, wohin die Reise des bezahlten deutschen Fußballs gehen soll. Bremer gehört dabei zu den erfahrensten Konferenzteilnehmern.

Die Reise soll weitergehen, aber ohne festes Ziel: mit einer Aussetzung bis vorerst zum 2. April, einer Sitzung 30. März und der Absichtserklärung, die Saison beider Ligen – wie vom 96-Chef vorgeschlagen – zu Ende zu spielen.

Die restlichen Spiele von Hannover 96 in der Saison 2019/20 in der 2. Bundesliga

Die Heim- und Auswärtsspiele von Hannover 96 in der Saison 2019/20 im Überblick. Zur Galerie
Die Heim- und Auswärtsspiele von Hannover 96 in der Saison 2019/20 im Überblick. ©

Ob alle Klubs aus der ersten und zweiten Liga die Coronakrise überleben werden, kann die DFL nicht garantieren. Viel hängt auch davon ab, ob die Uefa heute die EM verschiebt. Davon gehen die deutschen Klubs aber aus, damit wäre Zeit, die Saison bis in den Sommer zu Ende zu spielen. Noch könnte sich die Fifa dagegen sperren mit der geplanten Klub-WM 2021.

Ein Ansatz von Stärke

Alles hängt mit allem zusammen. Das macht Entscheidungen schwierig. Aber am Montag, so zumindest der Eindruck der Beteiligten, zeigte die DFL als Vertreter der Erst- und Zweitigaklubs einen Ansatz von Stärke.

Profifußball ist ohnehin mehr als ein Spiel elf gegen elf. Seifert machte noch einmal die Existenzfrage für 56 000 Mitarbeiter rund um den Profi-Fußballzirkus klar. Bei Hannover 96 arbeiten davon allen knapp über 1000. Alle sind davon abhängig, dass der Ball bald wieder rollt.

Ob das schon im April klappt?

Die aktuellen TOP-THEMEN
Sport aus Hannover
Sport aus aller Welt