23. März 2020 / 09:17 Uhr

"Nicht nur an uns denken": 96-Coach Kenan Kocak verzichtet auf Teile seines Gehalts

"Nicht nur an uns denken": 96-Coach Kenan Kocak verzichtet auf Teile seines Gehalts

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Kenan Kocak geht bei Hannover 96 mit gutem Beispiel voran und verzichtet auf Teile seines Gehalts.
Kenan Kocak geht bei Hannover 96 mit gutem Beispiel voran und verzichtet auf Teile seines Gehalts. © Florian Petrow
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Gerhard Zuber, Sportlicher Leiter von Hannover 96, wird bei den Profis nachhaken, ob sie bereit sind, in der Corona-Krise auf Teile des Gehalts zu verzichten. Trainer Kenan Kocak geht bereits mit gutem Beispiel voran. Profichef Martin Kind spricht sich derweil für eine Gehaltsobergrenze aus.

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Corona macht die Vereine krank – wie bei der Bevölkerung wird es unterschiedliche Verläufe geben. Einige Klubs müssen auf die Intensivstation verlegt werden, ihnen droht die Insolvenz, wie Aues Präsident befürchtet: „Ich schließe nicht aus, dass einzelne Vereine, vielleicht sogar die meisten, kollabieren“, sagt Helge Leonhardt. Andere werden die Symptome spüren, aber „nicht in die Knie gehen“, wie Profichef Martin Kind für 96 feststellt.

"Das jetzige Fußball-Modell ist tot"

Dennoch muss 96 sowohl kurzfristig als auch langfristig auf die Corona-Krise reagieren. „Das jetzige Fußball-Modell ist tot“, stellt Kind drastisch fest, „wir werden uns noch über die Folgen wundern.“

Alsbald fehlen Einnahmen – ein Plan, die Verluste zu minimieren, ist das Gehaltsfasten der Profis. Klubs sind dabei auf den guten Willen der Profis angewiesen, die Verträge können nicht einseitig verändert werden. Spieler von Mainz, Gladbach und Karlsruhe sind dazu bereit.

Rückblick: Hannover 96 nach dem 25. Spieltag der letzten zehn Jahre

Jeder 96-Fan hat die Abstiegssaison 2019/20 zwangsweise noch in Erinnerung. Nach dem 25. Spieltag deutete sich der Abstieg bereits deutlich an. Nur 14 Punkte sammelte 96 bis zu diesem Zeitpunkt. Die schwachen Leistungen sprachen für sich. Bezeichnend war das Spiel des 25. Spieltags gegen Bayer Leverkusen, welches die Roten mit 2:3 verloren. Die kuriose Szene, als Genki Haraguchi den Ball in Richtung leeres Tor schob, dürfte jetzt noch für Lacher sorgen. Der Ball blieb aufgrund des heftigen Schneefalls kurz vor der Linie liegen. Zur Galerie
Jeder 96-Fan hat die Abstiegssaison 2019/20 zwangsweise noch in Erinnerung. Nach dem 25. Spieltag deutete sich der Abstieg bereits deutlich an. Nur 14 Punkte sammelte 96 bis zu diesem Zeitpunkt. Die schwachen Leistungen sprachen für sich. Bezeichnend war das Spiel des 25. Spieltags gegen Bayer Leverkusen, welches die Roten mit 2:3 verloren. Die kuriose Szene, als Genki Haraguchi den Ball in Richtung leeres Tor schob, dürfte jetzt noch für Lacher sorgen. Der Ball blieb aufgrund des heftigen Schneefalls kurz vor der Linie liegen. ©

Auch 96 versucht, Gehälter einzusparen. Trainer Kenan Kocak setzt dabei ein Zeichen und geht voran. „Es ist eine besondere Situation, da dürfen wir nicht nur an uns selbst denken“, sagt der 39-Jährige. „Jetzt ist solidarisches Handeln gefragt, gerade im Interesse unserer Mitarbeiter im Verein. Da trage ich gerne meinen Teil dazu bei und verzichte auf Teile meines Gehalts.“

Kind hofft auf ein Zeichen der Profis

Sportchef Gerhard Zuber fragt am Montag bei den Profis nach. „Zuber spricht mit dem Mannschaftsrat, ob sich die Spieler grundsätzlich vorstellen können, auf Gehalt zu verzichten“, erklärt Kind, „ich hoffe, dass dem so ist. Wir würden sie auch nicht überfordern, aber es sollte schon ein erkennbares Zeichen sein.“

Anders als Dortmunds Hans-Joachim Watzke, der auf ein Drittel des Gehalts verzichten will, aber noch über der Millionengrenze verdienen dürfte, bekommt Kind als 96-Geschäftsführer kein Gehalt. Er muss anderswo Geld einsparen.

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Doch auch, wenn die Profis keinen Beitrag leisten wollen, wird 96 die Krise überstehen. Für die nächste Saison werden jedoch neue Regeln festgelegt – durchsetzbar bei allen Spielern, die neu verpflichtet werden. „Ich bin für einen Salary Cap, eine Gehaltsobergrenze“, sagt Kind – und die soll bei 96 jetzt auch eingeführt werden.

„Wir werden definieren, in welchem Delta wir uns künftig bewegen“, sagt Kind, „ein U19-Spieler muss dabei anders bezahlt werden als ein fertiger Spieler. Es wird einen Mix geben.“ Ein sogenannter Unterschiedsspieler könne die maximale Summe kassieren.

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„Die Gehaltsobergrenze wird in der 2. Liga deutlich unter einer Million Euro pro Saison liegen“, wahrscheinlich bei etwa 700 000 Euro. Auch 10-Millionen-Ablösen wie für Jonathas sind künftig verboten, der Rekordflop hängt 96 immer noch nach. Wirtschaftlichkeit sei da „den sportlichen Zielen untergeordnet worden, das wird es nicht mehr geben“.

Dank Corona auf gesunde Füße?

Dabei räumt Kind auch eigene Fehler ein: „Ich hätte durchgreifen und das verhindern müssen, ich kritisiere mich damit selber.“ Für die bereits laufenden Verhandlungen mit neuen Spielern kennen Zuber und Kocak die Gehaltsvorgaben. „Wünsche darüber hinaus können wir nicht mehr erfüllen“, sagt Kind. Corona soll ja helfen, 96 auf gesunde Füße zu stellen.