19. März 2020 / 19:41 Uhr

"Wird uns noch enger zusammenbringen": 96-Kapitän  Bakalorz über die Zeit in Quarantäne

"Wird uns noch enger zusammenbringen": 96-Kapitän  Bakalorz über die Zeit in Quarantäne

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Marvin Bakalorz, Kapitän von Hannover 96, glaubt, dass die Zeit in der Quarantäne die Mannschaft noch enger zusammenrücken lässt.
Marvin Bakalorz, Kapitän von Hannover 96, glaubt, dass die Zeit in der Quarantäne die Mannschaft noch enger zusammenrücken lässt. © imago images/Christian Schroedter
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Seit einer Woche befinden sich die Profis von Hannover 96 in Quarantäne. Die Hälfte haben die Spieler geschafft. Der SPORTBUZZER hat bei Kapitän Marvin Bakalorz nachgefragt, wie es stimmungstechnisch um ihn und die Kollegen steht. Dabei macht der 30-Jährige zu Hause eine ganz private, neue Erfahrung.

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Marvin Bakalorz, wie können Sie die Laune der Truppe hochhalten? Wie sehr vermissen Sie Ihre Mannschaft – und welche Momente vermissen Sie besonders?

Natürlich vermisse ich es, mit den Jungs in der Kabine und auf dem Platz zu sein. Das Teamgefühl, das man beim Fußball im Spiel, in jedem Training und auch danach in der Kabine hat, fehlt und lässt sich auch durch nichts ersetzen. Trotzdem sind wir auch in der aktuellen Situation ständig miteinander verbunden. Wir haben unsere WhatsApp-Gruppe, durch die wir alle vernetzt sind. Da unterhalten wir uns täglich über alles Mögliche – nicht nur, aber natürlich auch über das Coronavirus und die Themen, die damit zusammenhängen. Von daher kann ich sagen, dass die Stimmung bisher noch ganz gut ist.

Und: Ich persönlich bin der Ansicht, dass diese Situation in der Quarantäne die Mannschaft noch enger zusammenbringen wird. Es ist eine außergewöhnliche Erfahrung, auf die wir sicherlich gern verzichtet hätten, aber ich glaube, all das wird uns weiterhelfen, wenn wir wieder zusammen auf dem Rasen stehen und irgendwann hoffentlich weitergespielt wird.

Marvin Bakalorz: Bilder seiner Karriere

Von Preußen Münster wechselte Marvin Bakalorz 2010 in die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund. Insgesamt drei Jahre blieb er im Ruhrgebiet. Zur Galerie
Von Preußen Münster wechselte Marvin Bakalorz 2010 in die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund. Insgesamt drei Jahre blieb er im Ruhrgebiet. ©

Machen Sie sich, wie viele Menschen gerade, Gedanken und Sorgen über die berufliche Zukunft und die Zukunft der Kollegen? Wie soll der Fußball nach der Krise aussehen und muss der Fußball etwas aus der Krise lernen?

Das ist eine sehr schwere Frage. Niemand kann in die Glaskugel gucken und weiß genau, wann wir wieder eine Art Normalität haben. Alles, was man jetzt dazu sagen würde, wären ja Spekulationen ins Blaue, das möchte mir nicht anmaßen. Was aber nach allem, was man so liest, wirklich wichtig sein wird, ist, dass wir uns darum bemühen, die laufende Saison zu Ende zu spielen.

Gedanken mache ich mir gerade über viele Dinge. In erster Linie sorge ich mich natürlich um meine Familie, die Leute in unserem Umfeld. Und es ist, glaube ich, so, dass ich aktuell alle in der Gesellschaft die Frage stellen: „Wie geht es weiter?“

Wir haben gerade eine Ausnahmesituation, die wir alle so noch nie erlebt haben. Die Kanzlerin hat ja davon gesprochen, dass es die größte Herausforderung seit dem Ende des zweiten Weltkriegs ist. Keiner weiß genau, was in ein paar Monaten sein wird. Eigentlich weiß man nicht mal genau, was in ein paar Tagen ist.

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Wenn die Saison zu Ende gespielt wird, welcher Modus ergibt aus Ihrer Sicht Sinn?

Dazu kann ich wirklich nichts sagen. Da gibt es bei den Verbänden Leute, die gerade dabei sind, Lösungen zu suchen.

Wo packen Sie Ihre Energie gerade hin?

Wir haben von unseren Fitnesstrainern ja einen ausführlichen Plan mit verschiedenen Übungen bekommen und müssen täglich unsere Einheiten absolvieren. Aber auch wenn das Training für die Zeit zu Hause wirklich super geplant ist, muss man natürlich festhalten, dass so ein Programm kein Training auf dem Platz ersetzen kann.

Netzreaktionen zur Vertragsverlängerung von Marvin Bakalorz

Reaktionen zur Vertragsverlängerung von Marvin Bakalorz. Zur Galerie
Reaktionen zur Vertragsverlängerung von Marvin Bakalorz. ©

Welche Seite von Ihnen lernen Sie gerade kennen, die Sie selbst noch nicht kannten?

Bei mir ist es ja so, dass ich gerade Vater geworden bin. Das allein ist ja schon etwas, das einen das Leben etwas anders sehen lässt. Jetzt in so einer Ausnahmesituation macht man sich dann natürlich nochmal mehr Gedanken, man hat viel Redebedarf, mit, aber auch mal außerhalb der Familie.

Ich telefoniere viel, spreche mit den Jungs aus der Mannschaft, aber auch mit ehemaligen Mitspielern, wie Florian Hübner, Felix Klaus und Olli Sorg, und natürlich ebenso mit Leuten, die nicht aus dem Fußball kommen.

Anmerkung: Der SPORTBUZZER schickte Marvin Bakalorz die Fragen schriftlich, der Kapitän antwortete schriftlich. Die Spieler sollen aus der Quarantäne nicht direkt mit unabhängigen Medienvertretern zu sprechen.