18. Mai 2020 / 08:23 Uhr

Von der Couch ins Courtyard: Profis von Hannover 96 sind wieder in Quarantäne

Von der Couch ins Courtyard: Profis von Hannover 96 sind wieder in Quarantäne

Dirk Tietenberg und Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Fitness-Coach Dennis Fischer
 (kleines Foto) war am Sonntagabend der Zweite aus dem 96-Tross, der im Courtyard zur Quarantäne eincheckte – vor ihm war Jannes Horn schon da. Der Rest der Mannschaft folgte.
Fitness-Coach Dennis Fischer (kleines Foto) war am Sonntagabend der Zweite aus dem 96-Tross, der im Courtyard zur Quarantäne eincheckte – vor ihm war Jannes Horn schon da. Der Rest der Mannschaft folgte.
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Während die Konkurrenz in der 2. Bundesliga am Wochenende schon um Punkte kämpfte, schaute Hannover 96 zu - und wechselte am Sonntagabend von der Coach in Corona-Quarantäne ins Courtyard. Corona-Beauftragter Axel Partenheimer testet "draußen" die Frauen, Partner und Kinder der Profis.

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Als die 2. Bundesliga ihre Geisterspielpremiere feierte, saßen die Profis von Hannover 96 noch auf der Couch im Abseits. Dynamo Dresden, der für den Sonntag vorgesehene Gegner, steckt bis zum 23. Mai noch komplett in Corona-Quarantäne fest.

"Der Fußball war attraktiver, als von vielen befürchtet"

Martin Kind nutzte die 96-freie Zeit und hat sich „sehr bewusst die Spiele angesehen“. Gerade nach den vielen Diskussionen der Corona-Krise hatte der 96-Profichef „einen sehr positiven Eindruck, das gesamte Konzept der DFL hat gut funktioniert“. Auch sportlich war Kind zufrieden. „Der Fußball war attraktiver, als von vielen befürchtet.“ Sein Urteil zum Geisterfußball in Corona-Zeiten: „Damit kann man leben.“

Für die 96-Profis hat sich am Sonntag das Leben stark verändert. Die Mannschaft zog am Abend von der Couch ins Courtyard am Maschsee. Eine Kleingruppe um John Guidetti und Linton Maina hatte zuvor mit Fitness-Coach Dennis Fischer auf den Außenplätzen trainiert.

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Die Profis holen die verpflichtende Hotelquarantäne vorm ersten Spiel nach, die die anderen Teams schon hinter sich haben. Sportchef Gerhard Zuber kaserniert sich mit ein, Physio Jens Vergers ebenfalls.

Bloß kein zweiter Fall Pizarro

Der Corona-Beauftragte Axel Partenheimer bleibt jedoch in Freiheit. Der 96-Doktor testet zurzeit die Frauen, Partner und Kinder der Profis. Die Familienabstriche sollen verhindern, dass sich bei Hannover 96 ein „Fall Claudio Pizarro“ wiederholt. Der Werder-Stürmer musste aus der mannschafts- in häusliche Quarantäne wechseln, weil seine Tochter positiv getestet wurde. Pizarro selbst ist nicht infiziert.

Die Erfahrung der ersten Zwangsquarantäne nach den Infektionen der Verteidiger Timo Hübers und Jannes Horn habe die Spieler sensibel gemacht, hoffen die Verantwortlichen bei 96. Auffällig jedenfalls beim Corona-Fußball – die Verteidiger halten die Abstandsregeln auch im eigenen Strafraum strikt ein – nicht unbedingt zum sportlichen Vorteil. Gewöhnungsbedürftig auch die Ersatzspieler und Betreuer auf der Bank, die trotz großen Abstands Masken tragen – im Unterschied zum vor ihnen herumturnenden Trainer.

Oder TV-Reporter, die allein auf der Tribüne stehen, aber maskiert in die Kamera analysieren. „Viele Entscheidungen sind in Symbolik für die Öffentlichkeit begründet“, meint Kind. „Da kann nach den ersten Erfahrungen sicher an einigen Punkten nachgesteuert werden.“

So werden die Heimspiele von Hannover 96 in Zeiten von Corona laufen

Geisterspiele in der HDI-Arena. Der SPORTBUZZER erläutert, wie sie ablaufen. Zur Galerie
Geisterspiele in der HDI-Arena. Der SPORTBUZZER erläutert, wie sie ablaufen. ©

Kind warnt aber auch, „es war nur der Anfang, es geht darum, weitere acht Spieltage zu Ende zu bringen“. Gelingt das, könnten zu Beginn der neuen Saison sogar wieder Fans auf den Tribünen zugelassen werden. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hält das für möglich – wie auch der sächsische Kollege Michael Kretschmer. „Nach der Sommerpause müssen wir klären, ob Stadion auch mit weniger Abstand geht, weil die Infektionsrate so niedrig ist und es eine Kontaktnachverfolgungs-App gibt, falls doch ein Infizierter dort war“, erklärte Weil der Bild am Sonntag.

„Das finde ich gut“, lobt Kind den Weil-Vorschlag, „ich würde es begrüßen, wenn wir in der neuen Saison mit Zuschauern spielen könnten, in welcher Form auch immer.“ Bisher rechnete die Liga bis Jahresende mit Geisterspielen. „Abstand halten, Anreise, Kontrollen – das wäre alles organisierbar“, sagt Kind. Nicht zuletzt wäre es wichtig für den Haushalt, weiß der 96-Boss. „Eine halbe Zuschauereinnahme ist besser als gar keine Einnahme.“