02. Dezember 2020 / 12:19 Uhr

Der Platzwart: Von den zweitklassigsten HSVs aller Zeiten und gebrannten Mandeln

Der Platzwart: Von den zweitklassigsten HSVs aller Zeiten und gebrannten Mandeln

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Was haben die beiden Torhüter Sven Ulreich (links) und Michael Esser gemeinsam? Den Traum von gebrannten Mandeln, glaubt der Platzwart.
Was haben die beiden Torhüter Sven Ulreich (links) und Michael Esser gemeinsam? Den Traum von gebrannten Mandeln, glaubt der Platzwart. © imago images/Jan Huebner
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HSV gegen HSV - dem kann sich natürlich auch der Platzwart nicht entziehen. Doof nur, dass es am nächsten Spieltag "Rot gegen Elend" heißt. Wie gebrannte Mandeln ihren Teil dazu beigetragen haben und welche App Martin Kind neuerdings fleißig nutzt, klärt er auch gleich noch auf.

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Spieltag neun in Bundesliga zwei, ein Sonntag. In Heidenheim und Hannover bereiten sich die beiden zweitklassigsten HSVs aller Zeiten auf das große Spiel in einer Woche vor. Es ist die 24. Minute, in Heidenheim hat der eine HSV, nennen wir ihn den blauen HSV, gerade das 2:0 erzielt und kann die Gedanken langsam Richtung Derby lenken, in das man trotz zuletzt zwei Punkten aus drei Spielen als klarer Favorit geht. Zumal man in Heidenheim hochgerechnet 9:0 gewinnen wird, wenn das so weitergeht.

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Zur gleichen Zeit in Hannover. Der andere HSV, nennen wir ihn den roten HSV, versucht gegen Holstein Kiel auch ein 9:0, die Chancen sind voll da, aber auch Marvin Ducksch ist voll da, deshalb 0:0 im Nordklassiker. Hinten ist alles easy, da steht ja Simon Falette, hat verlässlich schlechte Laune und sieht auch so aus, die Kieler halten Abstand. Torwart Esser träumt von sechs Punkten aus zwei Spielen und einer Tüte gebrannter Mandeln.

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Kurz darauf, Heidenheims Sommerzugang Kühlwetter hat die Ehrentreffer zum 2:2 gegen den blauen HSV erzielt und Ducksch in Hannover noch mal versemmelt, gehen die beiden HSVs gut gelaunt in die Pause. Beide werden nächste Woche natürlich als Sieger ins Derby gehen. Martin Kind sitzt in N16 und plant mit der ZUber-App Weihnachtseinkäufe.

Es folgt eine wundersame Halbzeit in zwei Stadien, eine Art Kevin allein zu Haus mit Fußball. Wer in Hannover in der 55. Minute austreten geht und sich danach unter zweimaligem Absingen von „Mach hoch die Tür, die Tor mach weit“ die Hände wäscht, verpasst drei Tore, große Augen auf beiden Seiten und den vierminütigen Wandel Hannovers vom Aufstiegskandidaten zum Zweitligainventar – wenn’s gut läuft.

Ab der 60. Minute werden Martin Kind von seiner ZUber-App in der Rubrik „Weil Sie Kenan Kocak gekauft haben“ 14 neue Übungsleiter vorgeschlagen, unter anderem Torsten Lieberknecht, Steffen Freund und als Black-Week-Presale Manuel Baum. Unter der Rubrik „Nochmals kaufen“ tauchen Mirko Slomka, André Breitenreiter, Daniel Stendel und ein gewisser Peter Neururer auf. Alle gebraucht, entsprechend preisattraktiv. Kind macht sich Notizen.

Schlussphase in Heidenheim. HSV-Torhüter Sven Ulreich träumt von drei Punkten gegen Hannover und gebrannten Mandeln. Aus der Ferne hört er jemanden seinen Namen rufen, es ist ein Mitspieler, der ihm den Abstoß zurückgespielt hat. Als Ulreich aufwacht, springt ihm der Ball vom Fuß und genau da hin, wo ein Gegenspieler steht. Von da an ist Kühlwetter in Hamburg.

Eine Galerie zum Schmunzeln und für Nostalgiker: Das sind die größten Kuriositäten aus der Geschichte von Hannover 96!

Der Schnee stoppt den Ball vor der Linie, Gelb-Rot binnen weniger Sekunden aufgrund des Torjubels, ein Trainer ohne Lizenz oder ein verbotenes Reißverschluss-Trikot? Das alles gab es wohl nur bei Hannover 96. Im Laufe der Jahrzehnte haben die Roten für Lacher, Kopfschütteln oder Kuriositäten gesorgt. Wir haben die besten Momente herausgesucht und zusammengestellt.  Zur Galerie
Der Schnee stoppt den Ball vor der Linie, Gelb-Rot binnen weniger Sekunden aufgrund des Torjubels, ein Trainer ohne Lizenz oder ein verbotenes Reißverschluss-Trikot? Das alles gab es wohl nur bei Hannover 96. Im Laufe der Jahrzehnte haben die Roten für Lacher, Kopfschütteln oder Kuriositäten gesorgt. Wir haben die besten Momente herausgesucht und zusammengestellt.  ©

In Hannover ist ab der 70. Un­ter­zahl, nicht nur beim Torverhältnis. Simon Falette, Pokalheld und immerhin guineischer Nationalspieler, kann so nicht arbeiten: Gegentore, Gegenspieler, Konter, Kieler, Kocak statt Kovac – irgendwann ist auch mal Schluss.

Die gute Nachricht: Die beiden HSVs haben es am neunten Spieltag in jeden Saisonrückblick geschafft. Die schlechte: Am nächsten Spieltag heißt es Rot gegen Elend. 96-Coach Kenan Kocak spricht nach der Niederlage von einem „gebrauchten Tag“, Martin Kind wird – eine Spezialität von ihm – hellhörig. Gebraucht? Er hätte zufällig gebrauchte Trainer bei der Hand. Dazu einen neuen gebrauchten Manager? Martin Kind hätte auch da eine Idee. Er kennt jemanden mit Vertrag, unbegrenzt.

Zwei Tage später, die Zeitung fragt die „Frage des Tages“: Was braucht der Verein jetzt am dringendsten? Einen neuen Trainer? Neue Spieler? Einen neuen Clubchef? 49,4 Prozent sagen: 96 ist nicht mehr zu helfen. Stichwahl knapp gewonnen, Martin Kind ist erleichtert.