25. November 2020 / 16:16 Uhr

Nur ein Schuss ins Schwarze: 96 muss sich neu definieren - als "Der Aufbaugegner."?

Nur ein Schuss ins Schwarze: 96 muss sich neu definieren - als "Der Aufbaugegner."?

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Autsch! Kenan Kocak leidet nicht nur wegen eines Hexenschusses Schmerzen.
Autsch! Kenan Kocak leidet nicht nur wegen eines Hexenschusses Schmerzen. © imago images/osnapix
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Hannover Hexundneunzig: In Würzburg gab es eigentlich nur einen Schuss, der ins Schwarze traf - und das war im Hotel in den Rücken von Trainer Kenan Kocak. Es läuft nicht bei den Roten, deshalb schlägt der Platzwart vor: 96 muss sich neu definieren. Warum nicht als "Der Aufbaugegner." Gutes tun?

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Eine katholische Pfarrgemeinde möchte ihren Weihnachtsgottesdienst im 96-Stadion feiern. Das ist konsequent. Fußballstadien sind traditionell Orte der Einkehr und des stillen Gebets, gerne auch ab der 90. Minute, wenn der Heimmannschaft noch ein Tor zum Klassenerhalt fehlt. Im Niedersachsenstadion wurde schon sehr viel gebetet, auch wenn sich die Kombination „Bet & win“ nicht immer erfüllte. Hannover 96, schon immer eine sportliche Nahtoderfahrung.

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Fromme Wünsche sind dennoch eine Spezialität bei den Roten, man denke nur an den Aufstiegswunsch. Nach dem achten Spieltag können wir darüber wieder lachen, aber zwischenzeitlich soll es Menschen gegeben haben, die tatsächlich an einen Aufstieg von 96 geglaubt haben. In die 1. Bundesliga. In dieser Saison. Mit dieser Mannschaft. Es soll sogar Gründe gegeben haben.

Mehr über Hannover 96

Klar, gegen Würzburg kann man schon mal verlieren: Tabellenletzter, ein Punkt, dafür aber drei Trainer nach sieben Spieltagen – das ist rekordverdächtig! Der Stadionname klingt wie „Fire-Alarm-Arena“ und ist Programm, vor allem für Felix Magath, der mit Würzburg als „Head of Global Soccer Flyeralarm“ mindestens in den Europapokal will. Da steht Hannover 96 nur im Weg.

Am Sonntag hatte sich der Doppel-Felix für das Spiel der zweiten Flyeralarm-Truppe Admira Wacker in Österreich entschieden. Die verlor 0:3, während die Würzburger ihren ersten und einzigen Sieg in dieser Saison einfuhren.

Seit Sonntag wissen wir: Wenn Würzburg ein Hexenkessel ist, dann ist Hannover Hannover Hexundneunzig. Trainer Kocak mit Hexenschuss – der einzige Schuss, der an dem Tag ins Schwarze traf – im Hotel. Das erinnert an 2013, Leistungsträger Steve Cherundolo meldet sich krank, Diagnose Hexenschuss, auch Hannover Rück genannt.

Jetzt erwischt es Hoffnungsträger Kocak, beim Kofferpacken (!). Spontane Muskelverhärtung, nahezu bewegungsunfähig, noch ahnt niemand, dass er damit an diesem Tag beispielhaft sein wird.

Eine Galerie zum Schmunzeln und für Nostalgiker: Das sind die größten Kuriositäten aus der Geschichte von Hannover 96!

Der Schnee stoppt den Ball vor der Linie, Gelb-Rot binnen weniger Sekunden aufgrund des Torjubels, ein Trainer ohne Lizenz oder ein verbotenes Reißverschluss-Trikot? Das alles gab es wohl nur bei Hannover 96. Im Laufe der Jahrzehnte haben die Roten für Lacher, Kopfschütteln oder Kuriositäten gesorgt. Wir haben die besten Momente herausgesucht und zusammengestellt.  Zur Galerie
Der Schnee stoppt den Ball vor der Linie, Gelb-Rot binnen weniger Sekunden aufgrund des Torjubels, ein Trainer ohne Lizenz oder ein verbotenes Reißverschluss-Trikot? Das alles gab es wohl nur bei Hannover 96. Im Laufe der Jahrzehnte haben die Roten für Lacher, Kopfschütteln oder Kuriositäten gesorgt. Wir haben die besten Momente herausgesucht und zusammengestellt.  ©

An der Seitenlinie coacht stattdessen Co-Trainer Asif Saric, den Reporter Jörg Dahlmann in der 1. Halbzeit konsequent für dessen Kollegen Lars Barlemann hält. Das letzte Mal, dass Saric ein Spiel coachte, verlor 96 die Partie 0:4 in Heidenheim. Danach kam Kocak.

Jetzt 1:2 in Würzburg. Kommt wieder Kocak? Oder lautet die Frage ein Jahr später: Kommt Kocak wieder? Es heißt, ab der 60. Minute sei der Sky-Livestream zu Kenan Kocak ins Hotel abgerissen. Künstliche Intelligenz, so langsam scheint’s zu funktionieren.

Elfter Platz, zehn Punkte – Hannover 96 muss sich neu definieren. Aus dem Aufstiegsaspiranten wird ein etablierter Zweitligist an der Seite von Zweitliga-Dino Hamburger SV. Die Unterschiedsspieler, die vor der Saison geholt worden waren, sind zwar immer noch Unterschiedsspieler, aber der Unterschied ist anders als erhofft.

Wie wäre es als „Der Aufbaugegner.“? Zehn Spiele nicht gewonnen, die wenigsten Tore, die meisten Gegentore? Hannover 96 hilft. Holstein Kiel hat seit vier Spielen nicht mehr gewonnen.