11. Dezember 2019 / 10:16 Uhr

Der Platzwart: 96-Trainer Kenan Copperfield, der Magier aus Mannheim

Der Platzwart: 96-Trainer Kenan Copperfield, der Magier aus Mannheim

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Wie Zauberei: 96-Trainer Kenan Kocak ähnelt dem Magier David Copperfield.
Wie Zauberei: 96-Trainer Kenan Kocak ähnelt dem Magier David Copperfield. © imago images / UPI Photo / Jan Huebner
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„Ich bin kein Copperfield“, hatte 96-Coach Kocak gesagt. Ein bisschen Copperfield ist er aber schon, immerhin ist es dem „Magier aus Mannheim“ gelungen, elf Kaninchen in passable Fußballer zu verwandeln. Der Platzwart erklärt die Zaubertricks von Kenan Copperfield.

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Von Rangnick bis Kocak: So viele Punkte holten die 96-Trainer in ihren ersten drei Pflichtspielen

<b>Ralf Rangnick</b>: Zur Saison 2001/2002 übernahm Ralf Rangnick das Traineramt bei Hannover 96. Die Roten spielten damals ebenfalls in der zweiten Bundesliga. In den ersten drei Ligaspielen unter Rangnick holte 96 insgesamt fünf Punkte. Am ersten Spieltag spielte Hannover 1:1 bei Union Berlin, am zweiten Spieltag folgte ein deutlicher 3:0-Heimsieg gegen Alemannia Aachen und am dritten Spieltag holte 96 ein Remis (1:1) bei der SpVgg Unterhaching.  Zur Galerie
Ralf Rangnick: Zur Saison 2001/2002 übernahm Ralf Rangnick das Traineramt bei Hannover 96. Die Roten spielten damals ebenfalls in der zweiten Bundesliga. In den ersten drei Ligaspielen unter Rangnick holte 96 insgesamt fünf Punkte. Am ersten Spieltag spielte Hannover 1:1 bei Union Berlin, am zweiten Spieltag folgte ein deutlicher 3:0-Heimsieg gegen Alemannia Aachen und am dritten Spieltag holte 96 ein Remis (1:1) bei der SpVgg Unterhaching.  ©
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Fan-Meinung zur Verpflichtung von Kenan Kocak als 96-Trainer. ©

Hannoveraner haben sich im Moment genug, an das sie sich gewöhnen müssen. Neuer Oberbürgermeister, Formularstau in städtischen Behörden, das Ihme-Zentrum gehört jetzt dem Besitzer von Jürgen Klinsmann, und die Hälfte der Weihnachtsbeleuchtung kommt in diesem Jahr von blinkenden Baustellenbaken auf den Straßen der Stadt.

Da ist es gut, wenn man eine verlässliche Größe wie Hannover 96 hat. Den Verein, den man mit ligaübergreifender Konstanz seit Jahren in keiner oberen Tabellenhälfte suchen muss und der ebenso verlässlich ab und zu ein Spiel gewinnt und das nächste auf jeden Fall nicht. Und nun das: Zwei Spiele hintereinander gewonnen, richtig gewonnen, mit drei Punkten und allem Pipapo. Eine Stadt hält den Atem an. Seit 2017 ist das nicht mehr passiert, die Wette „Hannover 96 nach Sieg kein weiterer Sieg“ ist längst in allen Wettbüros ausgesetzt worden.

Die Großillusion „geplatzter Knoten“

Neunzig Minuten dachte man am Samstag, es sei alles wie immer, Rückstand durch ein unbeabsichtigtes Traumtor, Marvin Bakalorz, der ein eigenes Tor durch ein Eigentor wieder ausbügelt, und dann mit einem 2:2 gegen Aue im Regen nach Hause gehen. Doch dann kommt Genki Haraguchi und trifft in neunzig plus irgendwas ins Tor. Ins gegnerische Tor. Ohne Abseits, Foul, Videobeweis und ohne dass der Ball in einer Pfütze auf der Linie liegen bleibt. Haraguchi, der Matchwinner. Sechs Punkte in sieben Tagen. Noch dazu in einem Heimspiel, für die Roten in dieser Saison in etwa so attraktiv wie Magen-Darm-Grippe. Damit musst du als 96-Fan erst mal klarkommen.

„Ich bin kein Copperfield“, hatte Kenan Kocak vor dem Spiel gesagt. Das hatte zwar auch niemand behauptet, aber trotzdem gut zu wissen. Ein bisschen Copperfield ist Kocak aber schon, immerhin ist es dem „Magier aus Mannheim“ vor dem Aue-Spiel gelungen, elf Kaninchen in passable Fußballer zu verwandeln und den alten Bakalorz wieder aus dem Hut zu zaubern. Wenn nicht alles täuscht, war in den letzten 15 Spielminuten die Großillusion „geplatzter Knoten“ zu sehen.

Magic Martin, der Altmeister des Verschwindenlassens

Wer weiß, vielleicht hat Kenan Copperfield noch mehr Tricks auf Lager. Zauberkollege Martin Kind hat bei Kocak schon mal angefragt, ob der auch Kartentricks kann. Zum Beispiel 49 000 verkaufte Eintrittskarten für das übernächste Heimspiel gegen Wiesbaden. Dabei kann Magic Martin selbst ein bisschen zaubern, er kann aber nur einen Trick: Dinge verschwinden lassen. Jüngstes Beispiel: das 96-Spiel gegen Darmstadt. Offiziell waren über 22 000 Fans im Stadion, aber nur 10 000 zu sehen – einfach weggezaubert von Magic Martin, dem Altmeister des Verschwindenlassens.

Kind kann Transferüberschüsse, Spielkultur und einstellige Tabellenplätze schneller unsichtbar machen, als Copperfield Simsalabim sagen kann. Leider tauchen die Dinge bei Martin Kind selten wieder auf. Ausnahmen: Peter Neururer und Mirko Slomka. Hat Kind beide nach langer Zeit zurückgezaubert, man könnte auch sagen: zurückgezaudert. Gemeinsam mit Dirk Roßmann bildet Kind das Zauberduo „Spärlich Brothers“.

Freitag, Bochum, nächstes Auswärtsspiel. Auswärts kann 96. Aber kann dieses 96 auch drei Siege am Stück? Das wäre historisch, einen Punktehattrick hat es seit dem 1:0 im Aufstiegsjahr gegen Stuttgart nicht mehr gegeben. Hat jemand Aufstieg gesagt? Seit Belit Onay Oberbürgermeister von Hannover ist, hat 96 nicht mehr verloren. Zufall? Sollte Onay durchhalten, spielt 96 im Jahr 2021 statt gegen Bochum in der Champions League gegen Barcelona. Spätestens dann wird Kenan Blocksberg das von Magic Martin weggezauberte Publikum wieder sichtbar gemacht haben – hex, hex!