05. März 2020 / 08:59 Uhr

Der Platzwart: No Guidetti, no Confetti

Der Platzwart: No Guidetti, no Confetti

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
John Guidetti jubelt nach seinem Treffer zum 1:0 gegen Holstein Kiel.
John Guidetti jubelt nach seinem Treffer zum 1:0 gegen Holstein Kiel. © Getty Images
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Hannover 96 hatte viele erfolgreiche Stürmer, doch keiner hatte bisher einen eigenen Torsong. John Guidetti, der gegen Kiel zum ersten Mal traf, durfte zu seinem Lied jubeln. An den Schweden kann man sich gewöhnen, meint der Platzwart.

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Es gibt nicht viele bei Hannover 96, die einen eigenen, persönlichen Fußball-Song haben. Mal abgesehen vom Profiboss und seinem „Kind of Change“, der bekanntesten Hörgeräte-Hymne der Welt. Für Felipe singen die Kollegen zum Ende des Abschlusstrainings immer „Wochenend’ und Krankenschein“, die alte A-Patella-Nummer. Der Platzwart hat sogar Benny Lauth, Mike Hanke und Chavdar Yankov besungen, die es aus unterschiedlichen und humanistischen Gründen nicht ins Stadion geschafft haben. Aber Torhymnen? Fehlanzeige. Obwohl die Spieler jede Woche Noten bekommen. Aber sie machen halt nichts draus.

Nicht mal zu einer Verwarnungs-, Foul- oder Revanchefoulhymne hat‘s gereicht, obwohl „Yellow“ (Coldplay), „Mir san die lustigen Holzhackerbuam“ (Bob Dylan) und „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ (Thon Stajner Scherben) sich angeboten hätten.

El Clasico ist jedes Jahr

Ganz anders John Alberto Fernando Andres Luigi Olof Guidetti. Guidetti ist nicht nur vornamentechnisch Kosmopolit. Gegen den 27-jährigen Wanderhünen aus Schweden und seine Vereinsliste wirkt Vorgänger Jonathas wie ein Fußball-Landei mit Flugangst. Seit dem Winter ist Guidetti in Hannover. Er spielte im Schnee gegen Regensburg und im Regen gegen Bielefeld – das ist ebenso verwirrend wie ernüchternd, wenn man die Jahre zuvor bei 25 Grad gegen Barcelona spielen durfte. Aber so kommt man schnell in der deutschen B-Liga an.

Dann, Montagabend, Schleswig-Holstein. John Guidetti träumt seit 40 Jahren von einem Spiel gegen Holstein Kiel. Was sind schon Feyenoord Rotterdam und Manchester City und Duelle gegen Messi und Sergio Ramos gegen ein Spiel gegen Kiel? Eine Rarität. Messi, Ronaldo, Ramos – haben die Kiel in der Bio? El Clasico – alle Jahre wieder. Aber auf Kiel muss man warten. Das letzte 96-Heimspiel gegen die ist 40 Jahre her.

Sommer, Sonne, Mückenspray

Damals, 12. November 1980, 12. Spieltag der 2. Bundesliga Nord, Hexenkessel Niedersachsenstadion, 2300 Zuschauer. Die Kulisse ist historische verbürgte Erinnerung und Mahnung zugleich. Dieter Schatzschneider trifft zum 1:0. Endstand 3:1 für Hannover.

Knapp 40 Jahre später, schon wieder 3:1 für Hannover, man kann mit Fug und Recht von einer Serie sprechen. Torschütze zum 1:0 dieses Mal nicht der hannöversche Weltenbummler Dieter Schatzschneider, sondern sein Nachfolger auf Leihbasis: 11. Minute, Traumtor von Guidetti, und Hannover weiß endlich, warum es bei seinen Vorgängervereinen immer hieß: No Guidetti, no Confetti. Dazu eine extra Torhymne, lässig-locker, typisch schwedisch, Sommer, Sonne, Mückenspray - man könnte sich dran gewöhnen.

„El Clasico“ auf norddeutsch

Durch den Sieg lauert Hannover 96 im gesicherten Verfolgerfeld mit Blick auf Platz 9, was in Hannover im Jahr 2020 unbedingt eine gute Nachricht ist. Wenn Hamburg nicht aufsteigt, Bremen absteigt, Hannover drin bleibt und Braunschweig ausnahmsweise eine Liga höher darf – dann haben wir im Unterhaus tatsächlich die beste 2. Liga aller Zeiten. Dann zeigen wir unserem John Guidetti mal, wie „El Clasico“ auf norddeutsch funktioniert. Jede Wette: Der will nie wieder weg!

Mehr 96-Lieder und die Saisonbilanz beim Platzwart live am 28. Mai und 5. Juni in der Fußballkneipe „Nordkurve“. Kartenvorverkauf am 15. März ab 11 Uhr vor Ort.

Wandervogel und Exzentriker: Die Karriere von 96-Stürmer John Guidetti in Bildern

Nachdem er fünf Jahre seiner Kindheit in Kenia verbracht hat, kehrte John Guidetti 2007 zu seinem schwedischen Heimatverein IF Brommapojkarna zurück - und debütierte mit zarten 15 Jahren in der ersten Mannschaft. Kurz darauf holte ihn Sevn-Göran Eriksson zu Manchester City. Von dort aus startete eine Leih-Odyssee für das Talent... Zur Galerie
Nachdem er fünf Jahre seiner Kindheit in Kenia verbracht hat, kehrte John Guidetti 2007 zu seinem schwedischen Heimatverein IF Brommapojkarna zurück - und debütierte mit zarten 15 Jahren in der ersten Mannschaft. Kurz darauf holte ihn Sevn-Göran Eriksson zu Manchester City. Von dort aus startete eine Leih-Odyssee für das Talent... ©
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Hannovers John Guidetti bejubelt sein Tor zum 1:0 gegen Holstein Kiel.  Zur Galerie
Hannovers John Guidetti bejubelt sein Tor zum 1:0 gegen Holstein Kiel.  ©

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