23. Dezember 2020 / 22:41 Uhr

Viel zu ungefährlich: 96 scheidet nach 0:3 gegen souveräne Bremer verdient aus

Viel zu ungefährlich: 96 scheidet nach 0:3 gegen souveräne Bremer verdient aus

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Spricht für sich, der Frust in Rot, eine geballte Faust in Weiß und Mintgrün.
Spricht für sich, der Frust in Rot, eine geballte Faust in Weiß und Mintgrün. © Florian Petrow
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Am Abend vor Heiligabend war Hannover 96 viel zu harmlos, um den Bundesligisten Werder Bremen auch nur ansatzweise ärgern zu können. 0:3 (0:2) hieß es nach wenig spannenden 90 Minuten, für das Team von Kenan Kocak ist der DFB-Pokal damit nach der 2. Runde beendet.

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Leere Gesichter und Tribünen, Dauerregen und so viele dramatische Wendungen wie bei einem Krippenspiel - oh, du enttäuschendes Weihnachtsspiel. Der erhoffte Pokalknaller fiel am Abend vor Heiligabend ins Wasser. Zu überlegen spielten selbst biedere Bremer, zu chancenlos blieb 96. Das 0:3 setzte den Schlusspunkt unter ein Jahr, in dem mal wieder vieles Stückwerk blieb in Hannover.

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Vielleicht lags’ ja auch am Weihnachtsbaum, den die Werder-Spieler auf dem Trikot trugen - aber nicht nur den hatten sie den 96-Kollegen voraus. Schon vor dem Spiel kam die schlechte Nachricht für Trainer Kenan Kocak, dass Michael Esser nicht seinen Stammplatz im Tor einnehmen konnte. Die Leistenprobleme konnten nicht rechtzeitig behoben werden. Vertreter Michael Ratajczak hat die Niederlage aber nicht zu verantworten. Eher schon das dusselige Verhalten an der linken Abwehrseite. Die Stammkraft Niklas Hult fiel ja ebenfalls erneut aus, Simon Falette ersetzte ihn wie zuletzt in Regensburg. Vor dem Ex-Frankfurter besetzte Valmir Sulejmani das linke Mittelfeld.

Bilder vom Spiel der 2. Runde des DFB-Pokals zwischen Hannover 96 und Werder Bremen

Hannovers Hendrik Weydandt (Mitte) springt höher als Christian Groß (links) und Niklas Moisander. Zur Galerie
Hannovers Hendrik Weydandt (Mitte) springt höher als Christian Groß (links) und Niklas Moisander. ©

Auch den 96ern sollte vorher bekannt gewesen sein, dass der Bremer Verteidiger Theodor Gebre Selassie eben auf jener Seite zu einem der gefährlichsten Bremer Angreifer wird. Wenn sie es nicht gewusst haben, sollten sie es in der 27. Minute bemerkt haben. Nach einer Flanke von Ludwig Augustinsson kam Sulejmani zu spät - Gebre Selassie verzog per Direktabnahme knapp.

Doppelschlag dimmt Hoffnungen herunter

Drei Minuten später das gleiche Muster - Flanke Augustinsson, diesmal macht es klingeling, Gebre Selassie schoss den Ball direkt ins Tor (30.). Sulejmani kam auch da wieder zu spät. Nur zwei Minuten später ließ Niklas Moisander nacheinander Hendrik Weydandt, Dominik Kaiser und dann auch noch Marcel Franke stehen, passte auf Joshua Sargent, der frei durchlaufen und aus acht Metern einschieben konnte (32.). Ein Doppelschlag von Werder, der die 96-Hoffnungen schon stark herunter dimmte.


Kocak wechselte zur Halbzeit Jaka Bijol aus, für ihn kam Kingsley Schindler. Der Slowene konnte erneut nicht ansatzweise zeigen, warum er als Ersatz für Waldemar Anton und als sogenannter Unterschiedsspieler geholt wurde. Langsam und fehlerhaft in seinem Tun - die 96-Probleme sind auch in den missglückten Transfers wie bei Bijol begründet. 

Nachdem Ratajczak gegen den frei vor ihm auftauchenden Tahith Chong noch das 0:3 verhindert hatte (48.), bäumte sich 96 mal kurz auf. Oh Wunder - die Mannschaft hatte sogar eine Torchance. Nach einer Ecke und dem Kopfball von Weydandt schubste Timo Hübers den Ball knapp am Pfosten vorbei (51.).

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Nach einer Stunde dann aber der nächste Schlag, der den Pokal-K.o. perfekt machte. Chong setzte sich gegen Falette durch und flankte, Jean-Manuel Mbom drückte den Ball über die Linie (60.). Gutes Abwehrverhalten sieht anders aus.

Kocak wechselte noch durch - am Gesamtbild änderte das nichts mehr. 96 machte nicht den Eindruck eines harmonisches Miteinanders, bei dem jeder weiß, was er zu tun hat. Das sportlich erneut mäßige Jahr endet so irgendwie passend und mit einer deutlichen Abfuhr gegen ein Bundesligateam mit vielen Schwächen.

Die bittere Wahrheit für die Verantwortlichen: 96 hat noch viel mehr Probleme. Besonders auffällig ist, wie schwer es der Mannschaft fällt, Torchancen herauszuspielen. Wie das 2021 besser werden soll, lässt sich nicht erkennen.