05. Februar 2018 / 19:56 Uhr

Hannover 96, DFL, 50+1: Eine Analyse rund um den ruhenden Antrag Martin Kinds

Hannover 96, DFL, 50+1: Eine Analyse rund um den ruhenden Antrag Martin Kinds

Carsten Bergmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Martin Kind hat sich zu den eingereichten Anträgen auf Satzungsänderung geäußert.
Martin Kind lässt seinen Antrag zur Ausnahmeregelung ruhen. © imago/Heuberger
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Martin Kind lässt seinen Antrag auf Erteilung einer Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel ruhen. Dafür wird der 96-Präsident seine Gründe haben. Eine Analyse von Madsack Hannover Sportchef Carsten Bergmann.

Diese Wendung kommt überraschend und eröffnet Raum für Spekulationen. Martin Kind lässt seinen Antrag auf Erteilung einer Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel ruhen. Jener Martin Kind, der bis zuletzt betont hatte, notfalls eisern bis zur letzten Gerichtsinstanz kämpfen zu wollen. Welche Taktik verfolgt der 96-Boss?

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​Anpassung verschlafen

Klar ist: Die Deutsche Fußball Liga hat es in den vergangenen Jahren nicht geschafft, ein System für die Proficlubs zu schaffen, das modernen Anforderungen gerecht wird. Seit Ende der 90er-Jahre gibt es diese umstrittene Investorenklausel – aus hehren Motiven damals. Während sich Markt und Profifußball seither elementar verändert haben, hat der Verband eine Anpassung verschlafen. Schlimm, dass erst durch den Antrag von Kind deutlich wurde, wie sehr es an einer Modernisierung bedarf und die DFL im Vergangenen wirtschaftet.

Rückzieher von Kind wird Gründe haben

Kind selbst, stets mit dem Brustton der Überzeugung auf Fragen zu seinem Antrag antwortend, hat dennoch seinen Plan, die Ausnahmegenehmigung zu erstreiten, nicht durchgezogen. Und das wird seinen Grund haben. Waren es Zweifel an der Tauglichkeit? Offiziell hat sich grundsätzlich an der 96-Meinung nichts geändert. Martin Kind habe den Verein die geforderten 20 Jahre ununterbrochen und erheblich gefördert. In DFL-Kreisen aber wuchs das Misstrauen, die prominenten Stimmen, die für den Erhalt der Klausel plädierten, wurden mehr und sie wurden lauter. Bedeutet das nun das Ende für die kindschen Pläne?

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​Beide Seiten wahren Gesicht

Sicher nicht. Beide Seiten gewinnen durch das Ruhenlassen Zeit. Die DFL, um die Reformen so zu formulieren, dass Martin Kind zustimmen wird. Klar ist: Macht Kind seine Drohung wahr und zieht vor Gerichte, kippt 50+1 mit großer Wahrscheinlichkeit – und die Deutsche Fußball Liga hätte überhaupt keine Handlungsmöglichkeit mehr.

Alles läuft also auf eine Gesichtswahrung aller Beteiligten hinaus. Martin Kind, dessen Antrag nicht abgelehnt wird und er so mit Verlängerung zwar nicht alle, aber einen Großteil seiner Ziele erreicht. Die DFL, die sich als Reformerin und gleichzeitig Bewahrerin der Traditionen und der deutschen Fußballkultur titulieren darf.

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Mitgliederversammlung als Stolperstein?

Bleibt abzuwarten, ob der Prozess bis zur nächsten Mitgliederversammlung von Hannover 96 abgeschlossen sein wird, die wohl im April angesetzt ist. Letztlich könnte diese turnusmäßige Veranstaltung noch zum schmerzhaften Stolperstein werden. Im vergangenen Jahr scheiterte ein Änderungsantrag, der die 50+1-Klausel in der Vereinssatzung festgeschrieben hätte, nur knapp an der Zwei-Drittel-Mehrheit. Kind und DFL werden sicher alles daran setzen, vorher eine Lösung zu finden.

Klug wäre es nun aber auch, den Gesprächsfaden zu Andersdenkenden wieder aufzunehmen. Die Spaltung von Fans und Verein, der die Mannschaft belastende Stimmungsboykott – dieser Tag heute könnte also auch als Anlass dienen, wieder miteinander zu reden und mögliche Optionen zu kreieren, die Hannover 96 ganzheitlich ein Stück weit zufriedener stellt. Sozusagen eine Modernisierung auf allen Ebenen…