15. November 2021 / 13:36 Uhr

50+1 und die DFL: Uli Hoeneß würde bei Kind und Hannover 96 was "riskieren"

50+1 und die DFL: Uli Hoeneß würde bei Kind und Hannover 96 was "riskieren"

Andreas Willeke und Jonas Freier
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß (eingeklinkt) würde Hannover gern wieder in der Bundesliga sehen - und dafür beispielsweise bei 96-Boss Kind in puncto 50+1 was riskieren.
Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß (eingeklinkt) würde Hannover gern wieder in der Bundesliga sehen - und dafür beispielsweise bei 96-Boss Kind in puncto 50+1 was "riskieren". © Christian Behrens/IMAGO/Future Image
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Uli Hoeneß sieht in einer Abschaffung der 50+1-Regel die Chance, die Bundesliga attraktiver zu machen. Mit Blick auf den Standort Hannover und 96 sagt der Ehrenpräsident der Bayern: Wenn Martin Kind finanzstarke Investoren auftue, "würde ich das riskieren".

Das Thema ist groß. Es geht mindestens um die Zukunft des deutschen Fußballs. Darunter machen es Gegner und Befürworter der Zulassung von Investoren ja nicht. Das Kartellamt ist dabei ein neuer Mitspieler, es hatte den Ball der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zurückgespielt. Eine Stellungnahme des Dachverbands der 36 Profiklubs war angefordert worden, beigelegt eine vorläufige Beurteilung der Behörde. Danach sei „die 50+1-Regel in ihrer Gesamtheit aufgrund einer Zusammenschau mit der sogenannten Förderausnahme kartellrechtswidrig“. Einfacher ausgedrückt: 50+1 sei im Prinzip in Ordnung, aber nicht, wenn es Ausnahmen gebe wie für Leverkusen (Bayer AG), Wolfsburg (Volkswagen) und Hoffenheim (Dietmar Hopp).

Die Alternative hieß also: entweder den drei Klubs die Ausnahmegenehmigung entziehen – oder 50+1 fällt. Die DFL bat um Fristverlängerung, ließ sich Zeit mit der Antwort – weil sie offenbar keine hat. In dem nun abgesandten Schreiben ans Kartellamt plädiert die DFL einerseits für einen Bestandsschutz für Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim. Andererseits soll 50+1 erhalten bleiben.

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Das Entweder-Oder, das das Kartellamt angemahnt hatte, soll mit einem „Weiter so“ übergangen werden. Spannend wird nun sein, ob sich das Kartellamt damit abspeisen lässt. Da die DFL-Spitze ahnt, dass es auch anders kommen könnte, wünscht sich der Verband „lösungsorientierte Gespräche“ mit der Behörde.

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Ein Bestandsschutz für die drei Ausnahmeklubs ist für die DFL der einfachste Weg, um 50+1 zu retten. Die nur im deutschen Fußball gültige Regel soll den Einfluss externer Investoren begrenzen. Sie besagt, dass ein Mutterverein immer die Mehrheit der Stimmenanteile besitzen muss, wenn der Profibetrieb in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert ist. Wie in Hannover. 96-Chef Martin Kind, Geschäftsführer der Profifirma, will das Schreiben der DFL „nicht kommentieren“. Er hat dem Kartellamt jedoch eine eigene Beurteilung zukommen lassen.

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Kind wird mit dem DFL-Schreiben nicht einverstanden sein, weil er 50+1 für rechtlich nicht haltbar einschätzt. Aufsichtsratschef Ralf Nestler vom 96-Mutterverein ist ebenfalls nicht mit der DFL-Stellungnahme einverstanden, allerdings von der anderen Seite. „Die Aus­nah­me­rege­lungen für ein­zelne Klubs müssen mit einer ange­mes­senen Über­gangs­frist zur Her­stel­lung der sport­li­chen Fair­ness besei­tigt werden“, sagt Nestler.

Uli Hoeneß hat auch eine Vision. Bayerns Ehrenpräsident sieht in der Abschaffung der Regel eine Chance, die Bundesliga attraktiver zu machen. „Ich wäre dafür, dass das fällt“, sagte der 69-Jährige im Podcast „11 Leben – die Welt von Uli Hoeneß“. Im Moment gebe es zu viele kleine Städte in der 1. Liga. „Hannover, Nürnberg, Hamburg, Düsseldorf, Bremen – wenn die wieder da spielen würden, wäre die Bundesliga wieder eine andere.“ Hoeneß: „Sie haben mehr Zuschauereinnahmen, große Stadien, ganz andere Werbepartner.“


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Am 96-Beispiel erklärte Hoeneß sogar: „Wenn der Herr Kind meint, er hat vier, fünf Milliardäre, die bereit sind, jeweils ein paar Hundert Millionen Euro reinzustecken, damit er richtig investieren kann, würde ich das riskieren.“ Vereine wie 96 könnten so „Gelder reinholen“. Auf normalem Wege sei dies kaum noch möglich. Was aber überhaupt künftig möglich sein wird, dass muss jetzt das Kartellamt entscheiden.