05. März 2019 / 07:57 Uhr

Hannover 96: Doll verzockt sich - Profis können mit Verantwortung nicht umgehen

Hannover 96: Doll verzockt sich - Profis können mit Verantwortung nicht umgehen

Tobias Manzke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Das Verhalten bei Standards durften die Hannover 96-Spieler selbst bestimmen. Was dabei rumkam: Drei Gegentreffer. Dolls Plan scheiterte.
Das Verhalten bei Standards durften die Hannover 96-Spieler selbst bestimmen. Was dabei rumkam: Drei Gegentreffer. Dolls Plan scheiterte. © imago/Montage
Anzeige

Mit der Zeit zeichnet sich ab, dass zum Plan von Trainer Thomas Doll auch gehörte, die Profis von Hannover 96 mehr in die Verantwortung zu nehmen. Sie sollten bei Standards selbst entscheiden, wie sie sich verhalten - eine krachend gescheiterte Idee.

Anzeige
Anzeige

Es war ein Offenbarungseid, wie sich die 96-Profis beim 1:5 in Stuttgart über 90 Minuten bei einem direkten Konkurrenten im Abstiegskampf präsentiert haben. Thomas Doll platzte anschließend der Kragen, der Trainer nagelte gnadenlos gegen den schlappen Auftritt seiner Mannschaft. „So ein mutloser, saft- und kraftloser Auftritt einer Bundesliga-Mannschaft. Das ist schon bitter. Jeder, der mit Hannover 96 zu tun hat, der kann sich nur schämen für den Auftritt“, sagte Doll.

Die Roten in Noten: Die 96-Einzelkritik zum Spiel gegen den VfB Stuttgart

Michael Esser: Er bleibt der Bundesliga-Torwart mit den meisten Paraden. Hätte Esser nicht so oft so stark gerettet, wäre die Niederlage noch höher ausgefallen. Einziger in der Mannschaft mit Bundesligaformat.  Note 2 Zur Galerie
Michael Esser: Er bleibt der Bundesliga-Torwart mit den meisten Paraden. Hätte Esser nicht so oft so stark gerettet, wäre die Niederlage noch höher ausgefallen. Einziger in der Mannschaft mit Bundesligaformat. Note 2 ©
Anzeige

Profis sollten ihr Verhalten selbst bestimmen

Jetzt wird ansatzweise klar, warum sich der Trainer so in Rage redete. In der vergangenen Trainingswoche wurde beschlossen, die Profis mehr in die Verantwortung zu nehmen und ihre Gedanken über mögliche Lösungen aus der schwierigen sportlichen Situation zu hören. Nach SPORTBUZZER-Informationen oblag zum Beispiel die Verteidigung der Standardsituationen in Stuttgart den Spielern.

Sie sollten sich besprechen, mit welcher Abwehrform sie sich am wohlsten fühlten, anstatt es vorgegeben zu bekommen: Mann- oder Raumdeckung oder mit welcher Spieleranzahl im eigenen Strafraum agiert werden sollte. Gefordert, sich einzubringen, waren alle, natürlich aber in erster Linie die Abwehrreihe inklusive Torhüter.

Das Ziel war, sich mit dem Gegner und dem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen – das Ergebnis war katastrophal: Drei der fünf Gegentore in Stuttgart fielen nach Standardsituationen.

Mehr zu Hannover 96

Kabaks Doppelpack symptomatisch

Beim 0:2 war Torschütze Ozan Kabak bei seinem Kopfball völlig frei in der Mitte. Und das, obwohl 96 mit sieben zu fünf Spielern die Überzahl im Strafraum hatte. Auch beim zweiten Treffer von Kabak kurz vor der Halbzeit stimmt die Zuordnung trotz Überzahl erneut überhaupt nicht. In der zweiten Halbzeit klärte Nicolai Müller den Ball nach einer Ecke schlampig auf Steven Zuber, der zum 1:4 traf.

"Bitter, wie wir uns in diesen Duell präsentieren"

Auf die Treffer angesprochen, sagte Doll nach Spielende geladen: „Es gibt eine klare Zuordnung. Das ist schon bitter, wie wir uns in diesen Duellen präsentieren. Es heißt ja nicht umsonst Mann gegen Mann und nicht Mann gegen Schüler ...“

Die pädagogische Maßnahme, die Spieler mehr mit in die Abläufe einzubinden, ist böse gescheitert. Das Team hat sich selbst vercoacht – und Doll sich bei seiner Maßnahme verzockt. Auch deshalb war der Trainer nach dem Spiel extrem angefasst und ließ seinen knallharten Worten freien Lauf.

Bilder vom Vormittagstraining von Hannover 96 (5. März):

Auch am Dienstag mussten die Spieler von Hannover 96 laufen.  Zur Galerie
Auch am Dienstag mussten die Spieler von Hannover 96 laufen.  ©
LESENSWERT

Von Spieler bis Doll: Es braucht Antworten

Fakt ist: Die 96-Profis sind den Beweis, ein Bundesliga-Team zu sein, erneut schuldig geblieben. Wer 1:5 bei einem direkten Abstiegskonkurrenten verliert und dabei keine erkennbare Körpersprache, keinen Willen und Biss zeigt, der muss auch deftige Worte des Trainers abkönnen. Verschont wurden die Profis lange genug.

Fakt ist aber auch: Die Gesamtverantwortung für den sportlichen Auftritt liegt bei Doll. Und der war in Stuttgart (mal wieder) unterirdisch. Unter dem neuen 96-Coach sind vier von fünf Spielen verloren gegangen. Insgesamt hat das Team 14 Gegentore kassiert (bei nur drei erzielten Toren). Die Abwehr kriegt Doll bisher nicht dicht, den Sturm nicht ins Rollen. Die Profis sind nach den klaren Worten von Doll in der Pflicht – nicht ihm gegenüber, aber dem Verein und den Fans. Und Doll ist in der Pflicht, nach seinen markigen Worten in dieser Woche endlich passende Antworten zu finden, wie 96 Spiele gewinnen kann.

ANZEIGE: 50% auf Trainingsset! Der Deal of the week im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN
Anzeige
Sport aus Hannover
Sport aus aller Welt