12. Juni 2019 / 14:46 Uhr

Edgar Prib im großen SPORTBUZZER-Interview: "Ich bin wie neu geboren"

Edgar Prib im großen SPORTBUZZER-Interview: "Ich bin wie neu geboren"

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Edgar Prib verlängert seinen Vertrag bei Hannover 96 bis 2021.
Edgar Prib verlängert seinen Vertrag bei Hannover 96 bis 2021. © imago/Nordphoto / Hannover 96
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96-Profi Edgar Prib hat seinen Vertrag unterschrieben, er bleibt in Hannover. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der Ex-Kapitän über die Zukunft von Hannover 96 und seine Rolle bei der Aufstiegsmission.

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Edgar Prib, wie gehen Sie die Sache nach dem Abstieg an?

Mit voller Energie. Ich bin gut erholt. Ich habe die letzten zwei Jahre wirklich durchtrainiert. Da gab es immer nur ein Thema: Knie, Knie, Knie. Jetzt bin ich aufgetankt, hatte endlich mal einen Urlaub, in dem ich am Strand liegen konnte. Ich muss nach meinem Trainingsplan jetzt noch drei Einheiten machen bis zum Trainingsstart, etwas Stabilisation, dann bin ich startklar für die Vorbereitung.

Mirko Slomka ist wieder da. Er hat Sie 2013 von Hannover überzeugt. Wie hat er Sie diesmal überzeugt?

Allein die Tatsache, dass er zurückkommt, hat mich überzeugt. Er hat eine gute Idee, was Fußball betrifft. Ich vertraue Herrn Slomka, dass neue Impulse von ihm kommen und er mit Jan Schlaudraff eine Mannschaft zusammenstellen wird, die schlagfertig ist.

Sie Siezen den Trainer?

Ich sage "Du, Trainer". Das gehört sich einfach so. Bei Thomas Doll habe ich sogar "Sie, Trainer" gesagt.

Edgar Prib: Bilder seiner Karriere

Edgar Prib im Jahr 2009: Portrait im Dress der SpVgg Greuther Fürth, bei der er seit der Jugend spielte. Zur Galerie
Edgar Prib im Jahr 2009: Portrait im Dress der SpVgg Greuther Fürth, bei der er seit der Jugend spielte. ©
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Was erwartet der Trainer von Ihnen?

Wir haben miteinander telefoniert und uns erstmal beide gefreut. Er wird jetzt genauso viel von mir erwarten wie damals. Vielleicht noch etwas mehr als Führungsspieler. Er wird von mir erwarten, dass ich voran marschiere, weil ich ein paar Jahre auf dem Buckel habe, Erfahrung habe, auch darin, was Aufstieg bedeutet. Er wird die Mannschaft richtig auf die Situation einstellen. Es werden Gegner kommen, die viel defensiv arbeiten. Und da brauchen wir offensive Lösungen, vor allem fußballerische Lösungen. Also: Andersherum ist die Erwartung auch groß (lacht).

Sie wurden 2017 Kapitän, haben sich anschließend verletzt. André Breitenreiter hatte damals gemeint, die Kapitänsbinde hätte Ihnen kein Glück gebracht. Wie sieht es jetzt aus, wenn Sie die Binde angeboten bekommen würden?

Ich habe mit den zwei Kreuzbandrissen komplett abgeschlossen. Ich merke auch nichts mehr, Gott sei Dank. Mit meinem Comeback, mit den Tränen, war alles verschwunden. Der Abstieg hat zwar wehgetan. Aber ich bin wie neu geboren. Ich sehe darin keine Belastung, weil ich reifer geworden bin. Da wird es wenige geben, die Ähnliches durchgemacht haben. Deswegen würde die Binde, falls das ein Thema werden sollte, kein Problem sein.

Zwei Aufstiege, zwei Abstiege stehen in Ihrer Vita? Oder sogar drei?

Offiziell drei, aber den letzten kann man nicht wirklich dazu zählen. Es ist ein Unterschied, ob Fürth oder 96 absteigt, allein von der Qualität her. Der erste Abstieg mit Hannover war schon hart, weil ich damals auch die Dinge mit in der Hand hatte. Diesmal hatte ich praktisch nichts selbst in der Hand. Als ich zurückkam, hat schon alles gebrannt. Dieser Abstieg war für mich persönlich nicht so schmerzhaft für mich wie der erste mit 96. Damals war ich mir sicher, es geht zurück in die Bundesliga, es kann nur zurückgehen. Anders war es nicht möglich mit dieser Truppe. Jetzt sieht jeder: Wir brauchen noch Transfers und ich bin mir sicher, da wird sich noch einiges tun. Aber dann spielt Hamburg in der Liga, Stuttgart wird oben dabei sein und vielleicht eine Überraschungsmannschaft.

Stuttgart, Hamburg, Nürnberg: So weit ist die 96-Konkurrenz bei der Kaderplanung

Während der 96-Knopf bei Entscheidungen noch hakt, ist die vermeintliche Aufstiegskonkurrenz schon weiter. Ein Überblick über die schärfsten 96-Konkurrenten der 2. Liga.
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Während der 96-Knopf bei Entscheidungen noch hakt, ist die vermeintliche Aufstiegskonkurrenz schon weiter. Ein Überblick über die schärfsten 96-Konkurrenten der 2. Liga. ©

Und Nürnberg?

Darüber möchte mit meiner Fürther Vergangenheit nicht so gerne reden (schmunzelt).

Kann es ein anderes Ziel als den Aufstieg mit Hannover 96 geben?

Natürlich. Ich kann mir auch vorstellen, dass man die nächste Saison als Übergang und zum Stabilisieren nimmt. Um dann noch besser aufgestellt zu sein, aber zukunftsorientiert und dann in der Saison danach den Aufstieg zu 100 Prozent anpeilt. Um dann wiederum so gut aufgestellt zu sein, in der Bundesliga eine gute Rolle spielen können. Auch für junge Spieler könnte es eine Chance sein, sich weiterzuentwickeln. Es könnte sein, dass es mit dem direkten Wiederaufstieg nicht so einfach wird.

Aber doch machbar?

Genau, nicht falsch verstehen: Ich will auf keinen Fall auf der Euphoriebremse stehen. Tue ich auch nicht. Egal was kommt: Wir arbeiten mit dem, was wir haben für den maximalen Erfolg und es kann zum Aufstieg führen. Wenn einige Jungs vielleicht schneller reifen. Zum Beispiel Henne Weydandt, bei dem es einem nicht so vorkommt, aber der ja auch erst in sein zweites Profijahr geht. Ich selbst habe damals drei Jahre gebraucht, um aufzusteigen.

Wie vergleichbar ist die Situation jetzt mit der nach dem Abstieg 2016?

Die ganze Mannschaft ist anders. Und wie gesagt ist jedem klar: Wir müssen in der Breite und der Qualität des Kaders etwas tun, um dann eine realistische Chance auf den Aufstieg zu haben. Aber das ist nicht mein Thema.

Bilder der gemeinsamen Zeit von Edgar Prib, Jan Schlaudraff und Mirko Slomka:

2013 wurde Edgar Prib als Neuzugang bei Hannover 96 vorgestellt. Zur Galerie
2013 wurde Edgar Prib als Neuzugang bei Hannover 96 vorgestellt. ©

War das kein Thema bei der Vertragsverlängerung mit Jan Schlaudraff?

Normalerweise gibt man die Verlängerung ja erst nach der Unterschrift bekannt. Aber wir haben letzte Woche gesagt, wir geben das jetzt schon vorher bekannt. Auch als Signal für andere Spieler, sich für die kommende Saison für 96 zu entscheiden. Jan und ich verstehen uns ja auch gut. Da herrscht großes Vertrauen.

Ist es nicht seltsam, dass man den Sportdirektor auch als Mitspieler schon erlebt hat?

Nein, weil ich das aus Fürth kenne. Etwas ähnliches habe ich mit Martin Meichelbeck erlebt. Er wurde Assistent des Managers und fing als Sportpsychologe an. Das ist ein normaler Weg im Fußball, nichts Wildes. Bei Jan habe ich es damals schon so gesehen, dass er im Geschäft bleiben wird. Es ist wie zu der Zeit, als der noch gespielt hat, nur mit ein bisschen mehr Distanz.

Gehörten Sie auch zur Pokerrunde mit Schlaudraff damals?

Ja, nach einiger Zeit schon (lacht).

Mussten Sie jetzt um Ihren Vertrag auch pokern?

Immer. Das gehört doch zum Geschäft. Aber das hat mein Berater gemacht. Es ist gut, dass ich nicht selbst mit Jan verhandele. Am Ende wären noch die Fetzen geflogen oder wir hätten uns geliebt ohne Ende. Er ist jetzt mein Chef, da braucht man Distanz. Das ist auch gesünder in dem Bereich.

Leine-Spaziergang mit Ball: Edgar Prib (rechts) und Sportbuzzer-Redakteur Dirk Tietenberg.
Leine-Spaziergang mit Ball: Edgar Prib (rechts) und Sportbuzzer-Redakteur Dirk Tietenberg. © Michael Wallmüller
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110 Spiele für 96, 110 Spiele für Fürth. Sind Sie Hannoveraner oder Fürther?

Fürth ist meine Heimat. Ich schaue immer mit einem Auge darauf, was die Jungs dort machen. Aber ich bin jetzt sechs Jahre in Hannover, jetzt kommt mein siebtes Jahr, mit der Sieben auf dem Rücken. Ich freue mich jedenfalls auf die Vorbereitung.

Welcher Trainer macht die härteste Vorbereitung?

Bei Hannover 96 oder alle Trainer?

Alle Trainer.

Bruno Labbadia. Ich war 18 Jahre jung, wollte eigentlich noch für Klausuren lernen. Keine Chance. Ich habe drei Sätze gelesen und bin eingeschlafen. Dabei hatte ich so viele Übungsordner dabei. Aber Mirko Slomka kommt nah dran. Ich kann mich an einen Slomka-Zirkel im Training erinnern in Österreich, bei gefühlt 100 Grad Hitze, ohne Erbarmen. Danach habe ich gesagt: Das war mit das härteste, was ich je gemacht habe. Auch die Vorbereitung unter Daniel Stendel war extrem hart damals.

Mit welchen Mitteln wollen Sie aufsteigen?

Die Umschaltmomente werden wichtig sein. Du musst die Unordnung des Gegners bei Ballbesitz einfach sofort ausnutzen. Das muss unsere Mentalität sein: Durch mehr Tempo und gute Chancen in jedem Spiel kann es nicht sein, dass wir ein Spiel verlieren. Das kann nicht sein. Das werde ich den Jungs eintrichtern: Es kann nicht sein, dass wir ein Spiel verlieren werden. Das ist mein Plan, das wird auch der Plan von Mirko Slomka sein – er hat ja bei seiner Vorstellung schon ein paar Dinge dazu gesagt.

So genießen die Spieler von Hannover 96 ihre freie Zeit:

96-Spieler im Urlaub. Zur Galerie
96-Spieler im Urlaub. ©

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