03. Februar 2021 / 16:10 Uhr

Anfeuern ohne Erlaubnis: BTSV-Fans sprechen vor dem Derby gegen 96 im Stadion zum Team 

Anfeuern ohne Erlaubnis: BTSV-Fans sprechen vor dem Derby gegen 96 im Stadion zum Team 

Alexander Flohr
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Anfeuern im Stadion: Rund 200 Braunschweiger Anhänger versammelten sich vor der Südkurve, um zur Mannschaft zu sprechen. 
Anfeuern im Stadion: Rund 200 Braunschweiger Anhänger versammelten sich vor der Südkurve, um zur Mannschaft zu sprechen.  © privat (Video)
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Komisches Bild dieser Tage: Knapp 200 Anhänger von Eintracht Braunschweig haben sich im BTSV-Stadion an der Hamburger Straße versammelt und zu einem Teil ihrer Mannschaft gesprochen. Dabei ging es, natürlich, um das anstehende Derby am Samstag (13 Uhr) gegen Hannover 96. Das Kuriose: Der Verein wusste angeblich nichts von der Aktion und rief auch nicht die Polizei.

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Die Angst vor einer weiteren Derbyniederlage scheint in Braunschweig groß zu sein: Wenige Tage vor dem Rückspiel gegen Hannover 96 haben knapp 200 Fans der Eintracht ihre abstiegsgefährdete Mannschaft noch einmal eindringlich auf die Bedeutung der Partie aufmerksam gemacht.

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Wie auch immer das möglich ist oder von wem auch immer es möglich gemacht wurde, nahmen sie nach dem Training der Profis am Dienstag vor "ihrer" Kurve Aufstellung. Dicht an dicht, über Haushalte brauchte man nicht zu reden. Immerhin einige trugen Mundschutz. Das ist auf einem Video zu sehen, das dem SPORTBUZZER vorliegt - und am Dienstagabend im Internet kursierte. Das entsprechende YouTube-Video wurde mittlerweile gelöscht.

Hannover 96 gegen Eintracht Braunschweig: Die Geschichte des Derbys in Bildern

Wenn man Hannoveraner und Braunschweiger nach den Derbys ihrer Fußballvereine fragt, dann lautet die Antwort meist: Es gibt nur eines! Gemeint ist das Niedersachsen-Derby, Hannover 96 gegen Eintracht Braunschweig. Treffen diese Vereine aufeinander, dann brennt es auf und neben dem Platz. Wir werfen einen Blick auf die bewegte Geschichte dieses großen Fußballderbys. Zur Galerie
Wenn man Hannoveraner und Braunschweiger nach den Derbys ihrer Fußballvereine fragt, dann lautet die Antwort meist: "Es gibt nur eines!" Gemeint ist das Niedersachsen-Derby, Hannover 96 gegen Eintracht Braunschweig. Treffen diese Vereine aufeinander, dann brennt es auf und neben dem Platz. Wir werfen einen Blick auf die bewegte Geschichte dieses großen Fußballderbys. ©

Eintracht-Präsident äußert sich

Der Verein selbst wurde von der Aktion im eigenen Stadion überrascht. Wie der Klub in einer Stellungnahme mitteilte, hatten die Braunschweiger im Vorfeld keine Kenntnis.

Eintracht-Präsident Christoph Bratmann dazu: "Ein Niedersachsen-Derby ohne Fans im Stadion konnten und wollten wir uns vor Corona alle nicht vorstellen. Leider ist in diesen Zeiten vieles anders und aktuell steht der Gesundheitsschutz richtigerweise über allem! Deshalb können wir zwar nachvollziehen, dass einige unserer Fans den Wunsch haben, nah am Geschehen und an der Mannschaft zu sein, unser dringender Appell ist aber: bitte vermeidet Ansammlungen vor dem Stadion und anderswo und haltet euch an die gültigen Regeln! Vor diesem Hintergrund weisen wir ausdrücklich darauf hin, dass die Aktion eines Teils der aktiven Fanszene weder vom Verein initiiert wurde und wir im Vorfeld auch keine Kenntnis hatten! Aktuell gilt ganz einfach das Motto 'Räumlich getrennt - im Herzen vereint!' Je besser wir das beherzigen, desto schneller sehen wir uns wieder in unserem Eintracht-Stadion."


Lange nicht gehörte Fangesänge

Die Fans gingen im Stadion selbst weniger zimperlich um. Zwischen Mannschaft und den Anhängern, die sich im Innenraum im Halbkreis aufgereiht hatten, stand ein Anpeitscher, der der Mannschaft deutlich machte, was die Fans am Samstag erwarten: "Leidenschaft, Emotionen und alles raushauen." Zusammen skandierten sie Eintracht-Gesänge, aber auch "Tod und Hass dem HSV" und "Hannover verrecke".

Polizei wurde nicht alarmiert

Die Braunschweiger Polizei ist übrigens erst in Folge des Videos auf die Geschehnisse aufmerksam geworden. Wie die Polizei Braunschweig mitteilte, nahm der Verein "während der Entstehung der Videoaufnahme" keinen Kontakt zu den Beamten auf. Aufgrund der schlechten Bildqualität des Videos sei es kaum möglich, einzelne Personen zu identifizieren, um entsprechende Bußgeldverfahren wegen der Nicht-Beachtung von Mindestabständen oder des Nicht-Tragens einer Mund-Nasen-Bedeckung einzuleiten.

Wie genau die Eintracht-Anhänger auf das Klubgelände gelangt sind, ist nicht klar. Die Polizei dazu schriftlich in einer Stellungnahme: "Inwiefern die Personen das Gelände des Eintracht-Stadions verbotenerweise betreten haben, kann durch die Polizei aufgrund des Videos nicht festgestellt werden." Von weiteren, erfolgreichen Ermittlungen kann in diesem Fall also nicht ausgegangen werden.

Die Maßnahmen für das Derby am Samstag sind allerdings getroffen. Dann werden Zuschauer im Stadion - wie gewohnt - nicht erlaubt sein. "Die Polizei wird mit angemessenen Kräften in Braunschweig präsent sein, um Ansammlungen von Personen konsequent entgegenzuwirken", so ein Sprecher der Braunschweiger Polizei.

Motivation sieht für 96-Fanabteilung anders aus

Justus Faust, der zusammen mit Michael Thiele die 96-Fanabteilung leitet, kann nur den Kopf schütteln: „Ich weiß nicht, was sich die Braunschweiger davon erhofft haben. Motiviert werden sie die Spieler mit ihrer Aktion nicht haben. Es schien eher so, als wenn sie Angst gehabt hätten.“