09. September 2020 / 07:11 Uhr

Korb, Albornoz & Co.: Gleich sechs Ex-Profis von Hannover 96 derzeit ohne Job

Korb, Albornoz & Co.: Gleich sechs Ex-Profis von Hannover 96 derzeit ohne Job

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Tourist statt Profi: Julian Korb in London (links). Linksverteidiger Miiko Albornoz versucht sich derweil beim Heimtraining fit zu halten.
Tourist statt Profi: Julian Korb in London (links). Linksverteidiger Miiko Albornoz versucht sich derweil beim Heimtraining fit zu halten. © Instagram
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Die fetten Jahre sind vorbei, nicht einmal Champions-League-Spieler und Südamerikameister kommen in diesen Tagen unter. Mit Felipe, Matthias Ostrzolek, Miiko Albornoz, Sebastian Jung, Julian Korb und Dennis Aogo stehen gleich sechs frühere Profis von Hannover 96 derzeit ohne Job da.

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Julian Korb ist wie immer modisch gekleidet. Er lächelt smart in die Kamera, hinter ihm beleuchtet die Tower Bridge die Themse. Neuer Job in London? Bei Arsenal? Chelsea? Crystal Palace oder Watford? Fehlanzeige bisher. Korb macht nur Urlaub.

Der 28 Jahre alte Fußballprofi spielte einst mit Borussia Mönchengladbach in der Champions League, Lionel Messi war dort sein Gegner. Für 3 Millionen Euro wechselte er zu Hannover 96, weil Gladbach ihn auf die Bank gesetzt hatte. Korb erfüllte in Hannover seinen Dreijahresvertrag als rechter Verteidiger – mehr war es ehrlicherweise nicht in seinen 68 Spielen.

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Zugänge: Jaka Bijol (mit Kaufoption ausgeliehen von ZSKA Moskau) ©

Als Flop sollte man Korb nicht bezeichnen, dazu spielte er zu häufig. Aber eben nicht gut genug, um als Klub sein Saisongehalt (eine Million Euro) weiter tragen zu können. In einer Zeit, in der die Corona-Krise die Klubs dazu zwingt, ihre Kader zu verkleinern, ist selbst für Korb kein Platz mehr.

Genug Türen werden Korb offen stehen

Ihm fehlte das gewisse Etwas, das den Unterschied auf seiner Position ausmacht. Er wirkte zu schnell zu zufrieden. Er spielte immer mit. Aber der Grund dafür, dass er spielte, war lediglich: 96 hatte keinen Besseren.

Korb wird mit seiner Ballsicherheit einen Klub finden. Er ist erfahren, mit 28 nicht zu alt und talentiert genug, durch Türen zu gehen, die sich in der schwierigen Transferphase selbst bei größeren Klubs auftun.

Eine Tür nahm Marc Stendera, mit 24 Jahren noch viel zu jung fürs Abstellgleis. Stendera kam in Ingolstadt unter. 3. Liga statt Star in der Bundesliga. Der frühere Juniorennationalspieler und hochbegabte Mittelfeldspieler erwischte die falsche Zeit, um sich nach einem Karriereknick neu zu sortieren. Aber Ingolstadt ist für Stendera eine Chance. Eine kleine. Besser als gar keine.

War 96 die letzte Abfahrt?

96 scheint für viele Profis der vergangenen Saison die letzte Abfahrt gewesen zu sein. Was wiederum als Indiz dafür taugt, dass sich der Klub vor einem Jahr mit Auslaufmodellen eingekleidet hatte.

Eines dieser Modelle war der Last-minute-Einkauf Dennis Aogo (33). Unter Trainer Kenan Kocak fand 96 den früheren Nationalspieler ab, nun be­en­de­te Aogo seine aktive Karriere. Als Privatmann zeigt er sich beim Workout vor dem Klinikbett seiner Frau Ina, die am 6. September das zweite gemeinsame Kind Princeton True auf die Welt brachte.

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„No Excuses!“ („Keine Ausreden“) schrieb Aogo auf seiner persönlichen Werbeplattform im Portal Instagram. Den Aogos geht es auch ohne Fußball gut. Dieses Bild vermittelt die Familie besonders offensiv. Ob dies mit der Realität übereinstimmt, ist eine andere Frage.

Korb, Aogo, außerdem Miiko Albornoz (29), Sebastian Jung (30), Felipe (33) und Matthias Ostrzolek (30): Allen ist gemeinsam, dass ihre Karriere nach der vergangenen Saison bei 96 entweder endet oder stoppt. Es gibt nicht einmal Gerüchte, wie sonst üblich, wenn ein Profispieler ablösefrei zu ha­ben ist.

Albornoz wie Korb ein Sonderfall

Ostrzolek galt als Musterprofi im Training, aber in Sprints war er stets zweiter Sieger, sein durchtrainierter Körper schien ihn beim Fußballspiel regelrecht zu stören. Oder Felipe: Das Verletzungspech klebte immer an ihm.

Miiko Albornoz? Nicht einmal der frühere chilenische Südamerikameister findet einen neuen Arbeitgeber. Albornoz ist wie Korb ein Sonderfall: Er wird unterkommen, aber nicht, ohne seine Gehaltsansprüche deutlich herunterschrauben. Albornoz wird nicht mehr so verdienen können wie eine Führungskraft. Die war er bei 96 auch nie, das Geld dafür bekam er trotzdem.

Jeder trägt seinen Makel mit sich herum

Der spielerisch stärkste vereinslose Profi in der Aufzählung ist sicher Sebastian Jung. Der Körper spielte dem rechten Verteidiger immer wieder Streiche – ohne diese Zwischenfälle hätte 96 ihn vor einem Jahr gar nicht bekommen. Aber auch in Hannover brachte er es wegen muskulärer Problemen nur auf zehn Spiele.

So trägt nun jeder einen Makel mit sich herum. Die Bilder, die jene Spieler in die Welt schicken, bezeugen ihre Reiselust, ihr Babyglück, ihre Fitness-Besessenheit. Alles sieht fast so aus wie früher. Nur die Action-Bilder – mit Ball am Fuß, dem Stollen im Schienbeinschoner des Gegners, dem Jubel nach einem Tor –, die fehlen. Bis auf Weiteres.