03. April 2020 / 10:25 Uhr

"Zeigt mir, wie manch einer tickt": Ex-96-Trainer Doll schießt gegen Schlaudraff

"Zeigt mir, wie manch einer tickt": Ex-96-Trainer Doll schießt gegen Schlaudraff

Sportredaktion Hannover
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Hannovers früherer Trainer Thomas Doll kritisiert den ehemaligen Assistenten der Sportlichen Leitung und späteren 96-Sportdirektor Jan Schlaudraff (eingeklinkt) scharf.
Hannovers früherer Trainer Thomas Doll kritisiert den ehemaligen Assistenten der Sportlichen Leitung und späteren 96-Sportdirektor Jan Schlaudraff (eingeklinkt) scharf. © imago images/Nordphoto/Florian Petrow
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Der ehemalige Trainer von Hannover 96, Thomas Doll, hat den späteren Sportdirektor Jan Schlaudraff angegriffen. Sich nicht vernünftig verabschiedet  zu haben, zeige ihm, "wie so manch einer in diesem Geschäft tickt", kritisiert der zum Saisonende 2018/19 bei den Roten entlassene Doll.

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Von Erfolg ist die Zeit von Thomas Doll als Trainer bei Hannover 96 nicht geprägt gewesen. Der frühere Nationalspieler hatte Ende Januar des vergangenen Jahres das Amt von André Breitenreiter übernommen, konnte den Abstieg in die 2. Bundesliga allerdings nicht verhindern. Das bedeutete trotz gültigen Vertrags das Aus an der Leine.

Doll legt nach - jetzt gegen Schlaudraff

Es war nicht die Tatsache der Entlassung an sich, sondern die Art und Weise der (Nicht-)Kommunikation, die Doll missfiel: Martin Kind habe seit dem Abstieg nicht mit seinem Trainerteam und ihm gesprochen, klagte der Geschasste Ende Juli in der Sportbild. "Ich habe aus der Presse erfahren, dass ich nicht mehr Trainer bin."

In einem Spox-Interview hat der 53-Jährige nun nachgelegt - und dabei besonders den mittlerweile ebenfalls entlassenen Jan Schlaudraff ins Visier genommen.

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Das, was Doll am Ende in Hannover erlebt habe, sei "ziemlich einzigartig" gewesen - "im negativen Sinne". Nichts spräche gegen einen Neuanfang, "das ist vollkommen okay", zumal er die Mission Klassenerhalt nicht zu einem erfolgreichen Ende geführt habe. "Aber dass weder Jan Schlaudraff noch Martin Kind es auf die Reihe bekommen haben, sich bei mir zu melden und mich über meine Entlassung zu informieren, finde ich merkwürdig."

Es habe "etwas mit Respekt und Demut zu tun, sich am Ende einer Saison wie Erwachsene zusammenzusetzen und die Zukunft zu besprechen. Man muss ja keinen Wein zusammen trinken." Die Art und Weise des Abschieds hat Doll sehr geärgert. "Gerade von Herrn Schlaudraff hätte ich erwartet, dass er zum Hörer greift und meine Nummer wählt."

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Ralf Rangnick (Juli 2001-März 2004): Wo wäre Hannover 96 wohl heute ohne ihn? In überragender Manier stiegen die Roten im Jahr 2002 mit Rangnick nach 13-jähriger Abstinenz wieder in die Eliteliga auf. Im ersten Bundesliga-Jahr feierte Rangnick in Hannover noch den Klassenerhalt - in der dritten Saison seiner Amtszeit war dann Schluss für den Mann aus Backnang. Eine 0:1-Pleite am Gladbacher Bökelberg bedeutete das Ende für Rangnick.   ©

Warum Jan Schlaudraff? Der langjährige Spieler der Roten war Anfang Juli als neuer Sportdirektor vorgestellt worden - bereits seit April, also noch in der Zeit von Doll bei 96, fungierte er nach dem Aus von Horst Heldt als Assistent der Sportlichen Leitung. Schlaudraff habe "praktisch einen Freifahrtschein" bekommen. "Er war bei allen Mannschaftssitzungen und Trainingseinheiten dabei."

"Ich bin zum Glück anders"

Sich dann nicht vernünftig zu verabschieden, "zeigt mir, wie so manch einer in diesem Geschäft tickt", kritisiert Doll. "Ich bin zum Glück anders. Mir war es bei all meinen Vereinen immer wichtig, im Guten auseinander zu gehen."

Über sein schnelles Aus bei seiner nächsten Station bei APOEL Nikosia will Doll noch nicht sprechen - erst, "wenn ein wenig Gras über die Sache gewachsen ist". Die Entlassung habe jedenfalls keine sportlichen Gründe gehabt. Es sei zudem ein Zeichen, dass beim zyprischen Spitzenklub nach ihm "schon wieder dreimal der Trainer gewechselt" wurde.