28. September 2021 / 08:06 Uhr

Das Fan-Phänomen bei Hannover 96: Wie lange gilt der Sympathiebonus noch? 

Das Fan-Phänomen bei Hannover 96: Wie lange gilt der Sympathiebonus noch? 

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Gnädig: Die 96-Fans haben viel Geduld mit der Mannschaft.
Gnädig: Die 96-Fans haben viel Geduld mit der Mannschaft. © Florian Petrow
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Trotz der 1:2-Heimniederlage gegen den SV Sandhausen wurde die Mannschaft von Hannover 96 bis zum Schluss angefeuert. Die Fans verzeihen aktuell Fehler. Doch welche Gründe gibt es für diese Entwicklung und welche Fehler sollte 96 lieber schnell abstellen? Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick. 

Keine Pfiffe der Wut, stattdessen Stille der Enttäuschung. Keine Buhrufe für den Torwart, der das 0:2 verursacht hatte, stattdessen „Zieler, Zieler“-Gesänge. Das große 96 verlor aus mehreren Gründen mit 1:2 gegen das kleine Sandhausen. Trotzdem: Die 10 900 Fans feuerten die Mannschaft bis zum Schlusspfiff an. Hannover verzeiht Fehler. Allerdings sollte 96 die Fehler möglichst bald abstellen. Wer weiß schon, wie lange der Sympathiebonus gilt?

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Grund 1, Trainer:

Die Fans schätzen die Art Fußball, die Jan Zimmermann lehrt. 96 spielt zielstrebiger nach vorne und hat entsprechend mehr Torchancen als früher. Er stellt verständlich auf und wechselt nachvollziehbar aus. Nach dem erneuten Um­bruch im August schafft es 96, Rückschläge wegzustecken. Die Mannschaft versuchte gegen Sandhausen bis zum Schluss alles, um den Ausgleich zu erzielen.

Das sind die Reaktionen nach dem Heimspiel von Hannover 96 gegen Sandhausen

96-Trainer Jan Zimmermann: Beim zweiten Tor weiß er selber, dass er das anders lösen muss. Ron (Zieler) spielt bisher eine super Saison, jetzt hat er mal einen Fehler gemacht. Das stecken wir weg. nächste Woche wird er wieder eine gute Leistung zeigen. Verloren haben wir, weil wir zwei dumme Tore bekommen haben.  Zur Galerie
96-Trainer Jan Zimmermann: Beim zweiten Tor weiß er selber, dass er das anders lösen muss. Ron (Zieler) spielt bisher eine super Saison, jetzt hat er mal einen Fehler gemacht. Das stecken wir weg. nächste Woche wird er wieder eine gute Leistung zeigen. Verloren haben wir, weil wir zwei dumme Tore bekommen haben.  ©

Die Nehmerqualitäten hat der neue Trainer der Mannschaft eingepflanzt. In den Analysen weicht er nicht blumig aus, sondern trifft kritische Feststellungen und versprüht einen selbstbewussten Optimismus. Jüngstes Versprechen: „Wir haben Jungs, die diese Qualität ha­ben, Tore zu schießen. Die werden sie machen.“ Die Fans glauben es ihm.

Grund 2, Pech:

Gegen Sandhausen hätte 96 zwei Elfer für sich bekommen können, einen bekommen müssen. Ein Foul an Maximilian Beier war augenscheinlich auf der Strafraumlinie – also Foulelfmeter. Es gab Freistoß. Nach einem Foul verlor Sebastian Ernst im Strafraum seinen Schuh – weder Schiedsrichter Patrick Alt noch der Videokeller er­kann­ten die Szene. Die Fans schon. Hier gab es Buhrufe – aber gegen den Schiedsrichter.

Grund 3, Herz:

Der Zimmermann-Stil macht die Spieler sympathisch. Maximilian Beier sprintete als 18-Jähriger in die Herzen der Fans. Sie feierten „Maaaaxi Beier“. Linton Maina gewann Hannovers Zuneigung durch erfrischende Tempodribblings zurück. Beiden gelingt nicht alles. Aber ihr Einsatz fördert die Geduld der Fans.

Grund 4, Typen:

Hannover liebte stets tapfere Zweikämpfer wie Altin Lala oder Sergio Pinto. Die Innenverteidiger Marcel Franke und Julian Börner werden entsprechend beklatscht – selbst, wenn sie einen Ball auf die Tribüne jagen. Einen mannschaftsdienlichen Mittelfeldtypen wie Sebastian Ernst hat 96 auch schon länger nicht gehabt. Ernst aus Neustadt ist einer aus der Region – mit dem Potenzial zum Publikumsliebling und Kapitän der Zukunft.


Mehr über Hannover 96

Fehler 1, Tore:

96 erzielt zu wenig Treffer, Lukas Hinterseer hat in drei Spielen kein Tor geschossen. Aber: Er zieht die Kollegen mit und hat auch das Traumtor von Do­mi­nik Kaiser wieder vorbereitet. Die 96-Trefferquote null bei 19 Torchancen ist schlecht. Ma­na­ger Marcus Mann analysierte: „Wir ha­ben nicht ge­won­nen, weil wir das 1:0 nicht gemacht ha­ben.“ Oder zu­min­dest das 2:2.

Fehler 2, Standards:

96 kassierte wieder einen Treffer nach einem Standard. Die eigenen Ecken verschenkte Sebastian Kerk – mit meist zu kurzen Eckbällen oder einem Freistoß in die Mauer. „Daran müssen wir arbeiten“, sagt Mann.

Fehler 3, Zieler:

Den waghalsigen Ballverlust haben die Fans ihm nach dem Schlusspfiff verziehen. Auch hier ist Zimmermanns Aussage bemerkenswert: „Nächste Wo­che wird er wieder eine gute Leistung zeigen.“ Wird, nicht will.