15. Januar 2021 / 08:35 Uhr

"Hannover ein klarer Erstligist": Ex-96-Profi Franz Gerber rettet den Oberligisten Rot-Weiß Erfurt

"Hannover ein klarer Erstligist": Ex-96-Profi Franz Gerber rettet den Oberligisten Rot-Weiß Erfurt

Jonas Freier
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Hier kommt der Retter: Franz Gerber fährt in Erfurt vor. 1999 war er 96-Manager unter
 Prä­sident Martin Kind (kleines Bild). 
Hier kommt der Retter: Franz Gerber fährt in Erfurt vor. 1999 war er 96-Manager unter Prä­sident Martin Kind (kleines Bild).  © imago images
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Er war Stürmer – und geht immer noch in die Offensive. Auch mit 67 Jahren. Franz Gerber hat den insolventen Oberligisten Rot-Weiß Erfurt gerettet – und will den Traditionsklub in absehbarer Zeit zurück in den Profifußball führen.

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"Die Konstellation in Erfurt kenne ich aus meiner Zeit bei Hannover 96, St. Pauli und Jahn Regensburg. Dort war man auch am Ende abgestiegen und in der Insolvenz. Ich denke, den Vereinen geht es heute sehr gut. Das wollen wir auch mit RWE erreichen“, sagt Gerber selbstbewusst.

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Der ehemalige Bundesliga-Profi sieht sich „als Teamplayer“. Er sei nicht „als der große Diktator“ gekommen, „das würde schiefgehen“. Gerber ist Kopf einer Investorengruppe. „Zwei Leute unterstützen mich, die wollen nicht in den Vordergrund treten“, sagt er und nennt keine Namen.

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Gekonnt: Kingsley Schindler nimmt den Ball in der Luft an. Zur Galerie
Gekonnt: Kingsley Schindler nimmt den Ball in der Luft an. ©

"Verein hat guten Namen in Fußball-Deutschland“

Für die laufende Oberliga-Saison hat Gerber mit einem Etat zwischen 500 000 und 600 000 Euro geplant. Rot-Weiß Erfurt gehöre „mindestens in die 3. Liga“, sagt Gerber, „der Verein hat einen guten Namen in Fußball-Deutschland“. In die Saison war Erfurt mit drei Niederlagen gestartet, lag aber zum Zeitpunkt der Corona-Unterbrechung auf Platz drei: „Es wäre schade, wenn es nicht mehr weitergeht, wir hatten einen sehr guten Lauf.“

Der Klub wolle sich in dieser Saison „erst mal konsolidieren und Strukturen schaffen“ – und in den Folgejahren „unbedingt in die 4. und dann in die 3. Liga“ aufsteigen. Aber: „Man darf nicht denken, hier kommt der Investor, und jetzt regnet’s Geld. Wir wollen mit sportlicher Kompetenz, mit Nachhaltigkeit etwas aufbauen.“


"Könntest was bewegen, wenn du es gut machst"

Corona hat das erst mal ge­stoppt. Wenn wieder gespielt werden darf, will der gebürtige Münchner Gerber nach Erfurt ziehen. „Ja, natürlich. Wir sind angetreten, Rot-Weiß am Leben zu erhalten und nicht gleich wieder zuzumachen. Dafür muss ich vor Ort sein“, erklärt er.

Gerber ist nicht nur Investor, sondern auch Geschäftsführer und Manager. Spieler und Geschäftsstelle sind in Kurzarbeit, „sonst wäre das finanziell gar nicht machbar“. Trotzdem will er sich von Corona nicht ausbremsen lassen. „Erfurt ist Landeshauptstadt, hat 200 000 Einwohner, ein hübsches Stadion – da könntest du was bewegen, wenn du es gut machst.“ Die Saison stehe der Klub durch – auch ohne Zuschauereinnahmen. Das Defizit werde von den Investoren ausgeglichen.

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"96 darf eigentlich nie in der 2. Liga spielen"

Spannend ist für Gerber auch die Partie zwischen seinen Ex-Klubs 96 und St. Pauli am Samstag (13 Uhr). In Hannover war er Spieler, Trainer und Manager und stieg in die Bundesliga auf (1985) – und wieder ab (1986). Gerber führte 96 aus der Regionalliga 1998 zurück in die 2. Liga und war 2002 auch am Aufstieg in die Bundesliga beteiligt.

„Hannover 96 darf eigentlich nie in der 2. Liga spielen, das ist ein klarer Erstligist. Wenn du die Möglichkeiten siehst, dann müsstest du eigentlich unter den ersten zehn der ersten Liga stehen.“ 96 müsse zusehen, „dass man schnell in die 1. Liga zurückkehrt, sonst verlierst du mehr und mehr an Boden“.

Am Samstag schlagen zwei Herzen in seiner Brust

Für St. Pauli erzielte Gerber in 159 Spielen 108 Tore und ist damit erfolgreichster Torschütze des Kiezklubs seit Gründung der Bundesliga. Deshalb schlagen am Samstag „zwei Herzen in meiner Brust“. Er wünsche 96 den Aufstieg, „aber St. Pauli darf nicht absteigen und braucht die Punkte auch. Es sieht ja sehr bedrohlich aus.“ Gerber kennt sich aus: „Ein Abstieg wäre bitter, denn du kannst ja nicht mit Sicherheit sagen, dass du gleich wieder aufsteigst. Das denken ja viele – siehe 96.“

Der Ex-Stürmer glaubt, „dass 96 gewinnen wird“. Aber: „Ich würde mir ein Unentschieden wünschen. Damit jeder weiter von seinen Zielen träumen kann.“

Zuletzt war Gerber als Berater beim Regionalligisten FC Gießen tätig. Davor hatte er als Interimscoach beim BSV Rehden und bei Jahn Regensburg sowie als Nationaltrainer und Berater des Verbandspräsidenten auf Madagaskar gearbeitet. Nun hat er die Ausfahrt Erfurt genommen.