26. Oktober 2020 / 07:01 Uhr

"Bin hungrig auf mehr": Florent Muslija bestätigt Bauchgefühl von 96-Coach Kocak

"Bin hungrig auf mehr": Florent Muslija bestätigt Bauchgefühl von 96-Coach Kocak

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ihn hätten gegen Düsseldorf wohl die wenigsten in der Startelf erwartet: Florent Muslija (rechts, beim Jubel mit Niklas Hult).
Ihn hätten gegen Düsseldorf wohl die wenigsten in der Startelf erwartet: Florent Muslija (rechts, beim Jubel mit Niklas Hult). © imago images/Sven Simon
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Dass Florent Muslija gegen Fortuna Düsseldorf in der Startelf stehen würde, hätten wohl die wenigstens Fans von Hannover 96 erwartet. Trainer Kocak hatte da so ein Bauchgefühl - und das sollte ihn nicht täuschen. Der 21-Jährige erzielte den Führungstreffer und erntete nicht nur dafür das Lob der Kollegen.

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Linton Maina würde nicht von Anfang an spielen können, das war klar. Den 21-Jährigen hatte in der vergangenen Woche eine Grippe geschwächt. Es musste also Ersatz her für die Raute, das Konstrukt im Mittelfeld. Dass die Wahl aber auf Florent Muslija fallen würde, war nun eher nicht zu erwarten. „Ich hatte ein gutes Bauchgefühl“, erklärte Kenan Kocak. Das dürfte jedenfalls angenehmer gewesen sein als das vieler Zuschauer, die sich vermutlich fragten: Wie um Himmels willen kommt Kocak denn auf Muslija?

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Im Nachhinein könnte Kocak antworten, dass er ja eben darum der Trainer sei. Er sagte aber, er habe die Personalie mit seinen Assistenten diskutiert und sich für ihn entschieden: „Es freut mich ungemein für ihn, nicht nur wegen des Treffers, sondern für die Art und Weise, wie er gespielt hat.“

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Auch Muslija fand sich gut. „Ich bin zufrieden mit mir. Ich habe das Vertrauen des Trainers bekommen und bin hungrig auf mehr.“ Damit hat die lange Geschichte eines hochtalentierten Spielers, der so viele Einsatzchancen nicht nutzen konnte, zumindest mal ein Zwischen-Happy-End.

Einer der besten Fußballer, aber...

Vor zwei Jahren war Muslija für knapp 2 Millionen Euro Ablöse aus Karlsruhe verpflichtet worden, aber nie über den Status des Ersatzspielers hinausgekommen. Kocak hat die spielerischen Möglichkeiten zwar immer ge­schätzt, Muslija ist einer der besten Fußballer im Team, aber wenn der Coach ihn aufstellte, enttäuschte Muslija meist. Die Fehler wiederholten sich dabei. Er zeigte gute Ansätze, verpasste aber meist den richtigen Zeitpunkt zum Abspiel oder Torschuss.

„Er hatte sicher keine einfache Zeit“, weiß Dominik Kaiser. „Aber wir haben einen ausgeglichenen Kader. Auf allen Positionen ist es ziemlich eng. Da ist es normal, dass die Jungs auch mal auf der Bank sitzen.“

Der 96-Kapitän lobt Muslija aber auch: „Im Training zeigt er Tag für Tag, dass er enorme Qualitäten hat, gerade im Spiel nach vorn, er hat einen guten Ab­schluss. Heute hat er uns mit dem 1:0 auf die Siegerstraße gebracht. Deshalb: gute Leistung von ihm, mehr aber auch nicht.“

Luft nach oben im Defensivverhalten

Für Muslija selbst war es schon ein bisschen mehr wert, beim Torjubel schien der monatelange Frust von ihm abzufallen. Nach dem Ende der vergangenen Saison hat 96 darüber nachgedacht, den 22-Jährigen auszuleihen oder sogar zu verkaufen. Er blieb und kratzt nun weiter an der Startelf, weiß jedoch: „Ich kann noch das eine oder andere besser machen“, vor allem im Defensivverhalten.

Kollege Marvin Ducksch machte Muslija jedenfalls ein „großes Kompliment. Er hat nach langer Zeit mal wieder von An­fang an gespielt – und dann so eine Performance. Das hat uns sehr geholfen.“ Kapitän Kaiser hofft auch, „dass Flo uns in den nächsten Wochen und Monaten weiterhilft“. Muslija scheint jetzt in die 96-Geometrie zu passen – wie Maina. Umso besser für 96, wenn sie sich gegenseitig pushen.