27. April 2020 / 14:32 Uhr

"Würde zu früh kommen": Nach dem Spitzenreiter verzichten auch die 96-Frauen auf Aufstieg

"Würde zu früh kommen": Nach dem Spitzenreiter verzichten auch die 96-Frauen auf Aufstieg

Christoph Hage
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Frauen Hannover 96 verzichten auf die Möglichkeit, weiter in die 2. Bundesliga durchzumarschieren.
Die Frauen Hannover 96 verzichten auf die Möglichkeit, weiter in die 2. Bundesliga durchzumarschieren. © imago images / Nordphoto
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Wie Spitzenreiter SV Henstedt-Ulzburg verzichten auch die Fußballerinnen von Hannover 96 auf den Aufstieg von der Regionalliga Nord in die 2. Bundesliga. Er käme zu früh, sowohl die Mannschaft als auch die gesamte Abteilung sei noch nicht bereit dazu. "Das würde vielleicht einiges kaputtmachen würde."

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Es hört sich an wie eine Diskussion aus einer anderen Zeit, einer anderen Welt. Surreal irgendwie. Mit jedem Tag, an dem der Ball nicht rollt, werden die Erinnerungen schwächer, ist die Rückkehr auf den Platz ganz weit weg. Und doch bereiten sich die Fußballer genau darauf vor, zerbrechen sich den Kopf und schaffen Fakten. Auch wenn niemand weiß, wie, wann und unter welchen Umständen sie infolge der Covid-19-Pandemie wieder ihrem Hobby, ihrer Leidenschaft nachgehen können. Irgendwann wird es so weit sein.

96 lässt die Tür bewusst wieder zufallen

Fakt ist: Die Frauen von Hannover 96 werden auf den möglichen Aufstieg in die eingleisige 2. Bundesliga verzichten. Genau wie der elf Punkte über ihnen stehende Tabellenführer der Regionalliga Nord, der SV Henstedt-Ulzburg. Erst dadurch hatte sich für 96 die Tür überhaupt erst aufgemacht.

Der DFB hatte Ende März angefragt, ob sie in die Bresche springen wollen. 96 verneinte, hatte schon die Meldefrist am 15. März verstreichen lassen. Fakt ist: Diese Dinge werden unabhängig davon diskutiert, welche Folgen Corona für den Spielbetrieb hat. Fakt ist: Die Nord-Staffel wird auch in diesem Jahr keinen Vertreter in die Aufstiegsrunde der fünf Regionalligen, aus der sich drei Teams für die 2. Liga qualifizieren, entsenden.

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„Wir sind derzeit nicht so aufgestellt, dass wir die Kosten tragen könnten, wenn wir uns über die Aufstiegsspiele qualifizieren sollten“, sagte Henstedts Trainer Christian Jürss bereits Mitte März den Kieler Nachrichten. „Das sind finanziell andere Dimensionen als jetzt. Die Fahrten gehen bis tief in den Süden Deutschlands. Es kommen Übernachtungen hinzu, unter anderem steigen auch die Kosten für die Schiedsrichter.“ 96 zog nun nach, verbreitete die Entscheidung über die sozialen Medien.

"Bei uns arbeiten eindeutig zu viele Männer"

Der Sprung in das Unterhaus käme zu früh, sagt 96-Trainer Lars Gänsicke. „Erst mal muss man sagen, dass wir uns sportlich gar nicht qualifiziert haben und nun nicht als Fahrstuhlmannschaft enden wollen.“ Die Team sei in den vergangenen Jahren sportlich schneller gewachsen als in­fra­struk­tu­rell.

„Wir haben uns jetzt auf die Fahnen geschrieben, uns so aufzustellen, dass wir in der 2. Liga mithalten können.“ Und zwar im Trainerteam, in puncto Manpower, im Social-Media-Bereich, in der Video- und Leistungsdiagnostik. Und: „Wir müssen und wollen die Frauenquote erhöhen“, sagt Gänsicke. „Ich meine, wir sind eine Frauenfußball-Abteilung und bei uns arbeiten eindeutig zu viele Männer.“

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Gehrdens Sascha Romaus sieht das Spiel vor lauter Bällen nicht. Zur Galerie
Gehrdens Sascha Romaus sieht das Spiel vor lauter Bällen nicht. ©

Die Entscheidung, die 96-Party um ein Jahr zu verschieben, sei die vernünftigste Lösung, sagt auch 96-Keeperin Katharina Matthus. „Wir sind so eine junge Truppe, sind jahrelang nur aufgestiegen, das muss sich jetzt erst mal alles finden. Die 2. Liga würde vielleicht einiges kaputtma­chen, der Aufstieg würde zu früh kommen.“

Bezirksliga-Zeit liegt nicht lange zurück

Vor vier Jahren spielten die 96-Frauen noch in der Bezirksliga. Drei Meisterschaften später könnten sie als Zweiter an der Aufstiegsrunde gegen RB Leipzig (Nordost), SC Freiburg II (Süd), 1. FFC Niederkirchen (Südwest) und, wenn die Erstvertretung nicht aus der Bundesliga absteigt, 1. FC Köln II (West) um drei Plätze in der 2. Bundesliga kämpfen. Könnten – werden sie aber nicht.

Dass es auch in dieser Spielzeit keine Meldung aus dem Norden für die 2. Bundesliga geben wird, kann Dagmar Thißen „absolut nachvollziehen. Es ist eine schwierige Angelegenheit, die Anforderungen zu erfüllen“, sagt die NFV-Spielleiterin der Frauen-Regionalliga Nord. Wie es für die Liga weitergeht steht indes in den Sternen. „Da ist vom Präsidium noch überhaupt nichts auf den Weg gebracht worden“, sagt Thißen. Das ist die Realität.