09. Dezember 2021 / 08:38 Uhr

"Danke, Mr. Zimmermann!" 96-Abräumer Gael Ondoua über den Trainerwechsel, Corona und Weihnachten

"Danke, Mr. Zimmermann!" 96-Abräumer Gael Ondoua über den Trainerwechsel, Corona und Weihnachten

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Der Abräumer: Gaël Ondoua hält das 96-Mittelfeld dicht, gegen den Hamburger SV gewann er die meisten Zweikämpfe für 96. 
Der Abräumer: Gaël Ondoua hält das 96-Mittelfeld dicht, gegen den Hamburger SV gewann er die meisten Zweikämpfe für 96.  © Witters
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Gaël Ondoua (26) eroberte beim 1:0 gegen den Hamburger SV trotz seiner Wadenprobleme die meisten Bälle. Dafür lobte ihn Trainer Christoph Da­brows­ki. Zweikampfstärke, Laufstärke, Positionsspiel – alles habe Hannover 96 geholfen. Dabei interpretiert Ondoua seine Sechserposition neu. Wa­rum, erklärt der Mittelfeldspieler im Interview.

Gael Ondoua. Was macht Ihre Verletzung in der Wade?

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Es geht besser, ich arbeite viel mit dem Physio, und ich hoffe, dass ich in Ingolstadt spielen kann. Die Probleme sind zwei Tage vor dem Spiel gegen Hamburg gekommen. Aber ich wollte dem Team unbedingt helfen.

Was ist mit dem Team passiert nach dem Trainerwechsel?

Es ist überall so: Kommt ein neuer Trainer, fragst du dich immer, was er vorhat. Aber viele Spieler kennen ihn, einige haben unter ihm gespielt. Deshalb war es von Anfang an familiär.

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Martin Hansen: 2,3 Zur Galerie
Martin Hansen: 2,3 ©

Gibt Dabrowski dem Team mehr Energie oder Power?

Eines ist doch überall so: Kommt ein neuer Trainer, will jeder sich noch einmal be­son­ders zeigen, gibt vielleicht auch unbewusst noch ein bisschen mehr als vorher. Ganz einfach, weil sich jeder Spieler eine Frage stellt: Baut der neue Trainer auf mich? Werde ich spielen? Das gilt auch für die bisherigen Stammspieler.


Dabrowski hat auf Ihrer Position im zentralen Mittelfeld gespielt. Hilft Ihnen das?

Das finde ich gut. Wir haben auch darüber gesprochen. Vor dem Hamburg-Spiel war es eine Strategie, den Ball weiter vorne zu erobern, um vielleicht aus der Situation ein Tor erzielen. Er hat zu mir gesagt: Fühl dich frei und ge­nieß es. Enjoy! Feel free! Gib dein Bestes.

Jan Zimmermann hat Sie nach Hannover geholt. Ist das schwierig für Sie?

Das ist Teil des Fußballs. Trainerkarrieren verlaufen an­ders als Spielerkarrieren. Trainer sind immer die Ersten, über die gesprochen wird. Jan Zimmermann hat sich gemeinsam mit Marcus Mann darum bemüht, dass ich jetzt hier bin. Dafür möchte ich an dieser Stelle sagen: Danke! Danke, Mister Zimmermann! Weil er darum gekämpft hat, dass ich Teil dieses Teams sein darf. Ich wünsche ihm nur das Beste.

Beim nächsten Gegner Ingolstadt wurde gerade auch ein Trainer entlassen. Ist das gut oder schlecht für 96?

Das spielt nicht die entscheidende Rolle. Kämpfen werden die sowieso. Das einzig Wichtige für mich ist kämpfen und drei Punkte holen. Was zählt, sind die Punkte und der Platz in der Tabelle. Wir müssen noch mehr ma­chen als gegen Hamburg. Wen interessiert es nachher, wer dort Trainer war?

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In Ingolstadt machen Sie für 96 Ihr erstes Geisterspiel. Was denken Sie?

Das ist schwierig. Ich erinnere mich an Spiele in der Schweiz. Du rufst: „Lauf links!“, und der Gegner ruft „Geh rechts!“. Das ist wie ein Echo, und du weißt gar nicht mehr, wer was gerufen hat. Das ist auf jeden Fall ein an­de­res Spiel.

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Wie bewerten Sie den deutschen Fußball?

Er hat mehr Intensität. Selbst wenn es die 2. Liga ist, der Fußball ist physischer, intensiver und schneller. Ein Beispiel ist Hamburg mit den schnellen und starken Flügelspielern. Oder in unserer Mannschaft: Linton, Maxi oder Lawrence Ennali, als er reinkam? Als er auf dem Platz einen Sprint angesetzt hat, habe ich gesagt: Wow! Und dieses Tempo macht die 2. Bundesliga aus. Das ist stärker als in vielen ersten Ligen in Europa. Wenn ich einen Ball erobert habe, kommt sofort der nächste Gegner. Ich muss unglaublich schnelle Entscheidungen treffen.

Ihre Familie ist vor einigen Wochen nach Hannover gekommen. Was bedeutet das?

Ich fühle mich freier. Ich kann mich besser auf dem Platz konzentrieren, weil ich weiß, ich kann nach Hause gehen, da ist jemand, mit dem ich meine Themen teilen kann. Meine Frau Maria und meine Tochter Manuela helfen mir, und damit helfen sie auch dem ganzen Team.

Wie findet Ihre Familie Hannover?

Als sie kam, habe ich erst mal einen Spaziergang um den Maschsee gemacht. Jede Stadt hat etwas Besonderes. Wir fühlen uns hier sehr wohl.

Wo verbringen Sie Weihnachten?

Ich bin christlich-orthodox. Das eigentliche Weihnachtsfest ist für uns im Januar. Dass ich an dem Tag trainieren muss, bin ich schon ge­wohnt. Das ist mein Job. Vielleicht verbringe ich vorher den Weihnachtsurlaub da­heim in Moskau.

Was denken Sie über die Corona-Situation derzeit?

Es betrifft alle Kontinente und Länder. Die Situation ist belastend für alle. Wir sollten die Möglichkeit zur Impfung nutzen, akzeptieren, was Re­gie­run­gen und Wissenschaftler sagen. Wir können unsere wunderschöne Welt retten. Ich habe auch Freunde, die sich nicht impfen lassen mögen. Aber am Ende werden wir impfen müssen. Weil wir unsere Nachbarn, unsere Großeltern und Eltern vor Krankheit schützen wollen.