09. April 2021 / 17:01 Uhr

Hannover 96 gegen Peiner Teams: Schon 1932 ging es vors Sportgericht

Hannover 96 gegen Peiner Teams: Schon 1932 ging es vors Sportgericht

Matthias Preß
Peiner Allgemeine Zeitung
Sven Kiontke hat sich den Ball gepackt. 96-Profi Karim Haggui scheint’s zu freuen.
Sven Kiontke hat sich den Ball gepackt. 96-Profi Karim Haggui scheint’s zu freuen. © Foto: Christian Bierwagen
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125 Jahre besteht der Verein Hannover 96, und öfter gab es Spiele gegen Teams aus dem Kreis Peine. Gegen die Profis zogen die Peiner den Kürzeren. Aber schon 1932 gab es ein vom Sportgericht angeordnetes Wiederholungsspiel. 

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Was würde Hannover-96-Boss Martin Kind heute machen, wenn sich nicht ehemalige „bürgerliche Schüler“ am 12. April 1896 in Hannover zum Kicken verabredet hätten? Um 16 Uhr trafen sie sich zu einem Match auf dem Spielplatz neben dem Schützenhaus – und gründeten anschließend den Hannoverschen Fußball-Club von 1896.

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In der jetzt 125-jährigen Geschichte des heutigen Zweitligisten gab es einige Begegnungen mit Fußballern aus Peine. In der Saison 1920/1921 traf der VfB Peine in der Südkreisliga erstmals auf 96 – und verlor beide Spiele. Und schon in einem der ältesten der heute noch vorliegenden Berichte ging es um eine Verhandlung vor dem Sportgericht:

96-Spiele gegen Peiner Teams

1986: Werner Müller und Jörg Berger Zur Galerie
1986: Werner Müller und Jörg Berger ©

Am letzten offiziellen Spieltag der Oberliga Südhannover-Braunschweig in der Saison 1931/32 hatte Hannover 96 am 31. Januar 1932 gegen Leu Braunschweig mit 1:2 verloren. Der Abstieg von 96 war nicht auszuschließen – es wäre der erste des Vereins in seiner Historie gewesen.



Gleich am nächsten Tag begann das juristische Tauziehen, wer die Liga verlassen müsste: Die Spvgg. Hannover 97 oder die 96er. Beide Vereine protestierten gegen die Gültigkeit eines verlorenen Spiels – die 97er gegen eine Niederlage gegen Leu Braunschweig und die 96er gegen die 2:3-Heimniederlage am 10. Januar 1932 gegen den VfB Peine.

„Um was die Proteste sich drehten, bleibt im Dunkel der Historie leider verborgen“, sagt Dirk Köster aus der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Hannover 96. Sicher ist nur, dass 96 vor dem Bezirkssportgericht seinen Protest gewann, und so musste der Tabellenzweite aus Peine wohl oder übel am 27. Februar 1932 noch einmal auf der Radrennbahn gegen 96 antreten und seinen Tabellenplatz, der zur Teilnahme an der Norddeutschen Meisterschaft berechtigte, verteidigen.

Braunschweiger profitieren vom 96-Sieg

Und die hannoverschen Kicker zeigten beim 5:0 im Wiederholungsspiel, dass sie unbedingt in der Oberliga bleiben wollten. 96 ließ dem Gegner kaum einmal Räume auf dem schwer zu bespielenden Rasen. „Der weich gewordene Platz war über Nacht knochenhart gefrorenen, und so war kaum Kombinationsfussball möglich“, heißt es in dem Spielbericht. Einzelaktionen prägten die Partie, und da war 96 deutlich engagierter. Die Peiner spielten mit mehrfachem Ersatz und waren auch nicht sonderlich motiviert. Eintracht Braunschweig zog durch diese Niederlage noch an den Peinern vorbei. Und der Abstieg der 96er in die Niederungen der Bezirksliga konnte noch verhindert werden.

Eine noch höhere Klatsche gab es für die Peiner am 16. Oktober 1938. Hannover 96 holte gegen den VfB Peine mit 12:1 (9:0) in der Gauliga Niedersachsen den zweithöchsten Pflichtspielsieg – der höchste war ein Sieg gegen RSV 1906 Hildesheim am 15. April 1934 mit 13:1 (7:1).

Als Tabellenvierter der Amateuroberliga durfte der VfB Peine im DFB-Pokal mitspielen und traf am 15. Juni 1955 auf den noch amtierenden Meister des Jahres 1954: Hannover 96. Die Peiner verloren vor 3000 Zuschauern mit 0:3. In den 60er- und 70er-Jahren traf der VfB öfter in der Landesliga auf die 96-Amateure.

VfB Peine verlor 1:10 im Schnee

Die 96-Profis gaben später einige Male Gastspiele im Kreis Peine:

Schnee auf dem Sportplatz – das war im Februar 1986 nicht unbedingt ein Grund, in Peine ein Spiel ausfallen zu lassen. Und so griff der neue VfB-Fußball-Obmann Detlef Burghardt zum Telefon, als er hörte, dass das Bundesligaspiel von Hannover 96 gegen Bayer Uerdingen abgesagt wurde. Deshalb tauchte 96-Trainer Jörg Berger mit seiner Mannschaft am Samstag, 22. Februar, in Peine auf. Vor 550 Zuschauern gewann 96 mit 10:1, die Hälfte der Tore des Bundesligisten erzielte Linksaußen Michael Gue, den Ehrentreffer schoss VfB-Libero Michael Görling per Foulelfmeter in der Schlussminute. VfB-Coach Werner Müller war zufrieden: „Meine Mannschaft hatte im ersten Spielabschnitt zu viel Respekt. Nach der Pause hat sie gezeigt, dass sie auch konditionell in guter Verfassung ist.“

Jan Simak traf in Adenstedt

Zweimal spielte Hannover 96 um die Jahrtausendwende bei der SG Adenstedt. Am 2. September 1999 zog sich der Bezirksklassen-Club beim 0:7 vor 1400 Zuschauern gut aus der Affaire. „Für meine Jungs war das ein konditioneller Reiz. Ich bin stolz, dass wir nicht zweistellig verloren haben“, sagte SGA-Trainer Willi Feer. Er war noch aus einem anderen Grund sehr erleichtert: Zwölf Jahre zuvor hatte er mit der Ilseder Gemeindeauswahl gegen Hannover 96 eine 0:12-Packung erlebt.

Mit 9:0 gewann Hannover 96 am 5. Oktober 2001 ein Testspiel bei der SG Adenstedt. 96-Trainer Ralf Rangnick wurde von seinem Assistenten Mirko Slomka vertreten, und der ließ vor rund tausend Zuschauern auch den tschechischen Ballzauberer Jan Simak spielen, der zum 6:0 für die Hannoveraner traf. SGA-Kapitän Ralf Lüders sollte sich im Spiel um ihn kümmern und stellte fest: „Der war fast immer einen Schritt schneller als ich.“

Horge pfiff in Leih-Klamotten

1500 Zuschauer sahen am 17. Februar 2004 im BBZ-Stadion in Peine den 2:0-Sieg von Hannover 96 gegen Dynamo Moskau. Es war ein Testspiel, an das sich zwei Peiner mit Sicherheit erinnern: Silviu Horge und Thomas Kaufhold. Kaufhold war vom Kreisverband als Schiedsrichter angesetzt worden, der Verband hatte aber darauf hingewiesen, dass dafür beim Spiel mit internationaler Beteiligung der DFB zuständig sei. So bekam Kaufhold wieder eine Absage – und als das Spiel angepfiffen werden sollte, war kein Schiri da. Der Zuschauer und auf Bezirksebene pfeifende Horge sprang ein, die Klamotten lieh ihm 96-Zeugwart Mille Gorgas. Eine Rudelbildung löste er mit diplomatischem Geschick. „Ich hatte ja gar keine Gelbe Karte dabei“, gestand er hinterher. Die zweite Halbzeit pfiff dann der schleunigst doch wieder hinbestellte Kaufhold. 96-Trainer Ralf Rangnick war hinterher mit den beiden Peiner Not-Schiris zufrieden. Mit dem Ergebnis auch. Per Mertesacker hatte das 1:0 erzielte, das 2:0 schoss Testspieler Peter Cvitkovics.

Zieler schenkte Kiontke seine Handschuhe

Am 21. Mai 2011 war Hannover 96 zu Gast auf dem Jahn-Platz mit einer illustren Besetzung: Torjäger Didier Ya Konan spielte mit, Ron-Robert Zieler und Lars Stindl, die später Nationalspieler wurden, und die 96-Ikonen Altin Lala und Steven Cherundolo. Grund für den Besuch war das 100-jährige Bestehen der MTV-Fußballabteilung. Die Jahner hatten eine tolle Veranstaltung organisiert. Offiziell 2796 Zuschauer verfolgten, wie sich die Peiner Auswahl eine Halbzeit lang wacker behauptete und nur 0:2 zurücklag. Torhüter Sven Kiontke, der in den ersten 45 Minuten im Peiner Tor stand, brachte die Profis mit Glanzparaden zur Verzweiflung. „Ich hatte damals einiges zu tun bekommen“, erinnert sich Kiontke. „Aber hinterher kam Zieler auf mich zu und schenkte mir seine Handschuhe. ’Gut gehalten’ sagt er.“ In der zweiten Halbzeit wechselte die Kreisauswahl komplett, und 96 siegte noch 15:0.

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Die Aufstellungen zu den genannten Spielen:

Hannover 96 – VfB Peine 5:0 (3:0) am 27. Februar 1932:

Hannover 96: Fesser, Pabers, Günther, Kunze, Bieritz, Böttcher, Groß, Brinkmann, Brechelt, Blume, Bröckerhoff.

*VfB Peine: * Werning, Ossenkopp, Füger, Kälin, Kipar, Unsinn, Büchel, Fischer, Gölsch, Grimpe, Mikla.

Tore: 1:0 Brinkmann, 2:0 Blume, 3:0 Groß, 4:0, 5:0 Bröckerhoff.

VfB Peine – Hannover 96 1:10 (0:7) am 22. Februar 1986:

VfB Peine: Keul (46. Marowsky), Görling, Grützmann (46. Hesse), Hadrys, Lippelt (46. Jakob), Querfurth (46. Jung), Marsch, Hansen, Müller, Konrad, Peisker.

Hannover 96: Raps, Suhrmann, Geschlecht, Vjetrovic (46. Cubano), Ronge, Baier, Giesel, Möller (46. Stöcking), Reich (60. Eidinger), Gerber (46. Belabi), Gue.

*Tore: * 0:1 Gue (4.), 0:2 Suhrmann (17.), 0:3 Giesel (22.), 0:4 Reich (24.), 0:5, 0:6, 0:7, 0:8 Gue (26., 28., 38., 68.), 0:9 Giesel (70.), 0:10 Geschlecht (83.), 1:10 Görling (FE 89.).

SG Adenstedt – Hannover 96 0:7 (0:3) am 2. September 1999:

*SG Adenstedt: * Hillegeist - Cubuk, Damian, Ahrens, Kroll, Friehe, Lüders, Frühling, Herrmann, Klingebiel, Vöste, Bartsch, Höppel, Peter, Schmitz, Winkler, Blume, Dangelat.

Hannover 96: Sievers, Müller - Linke, Reinhardt, Baschetti, Morinas, N`Diaye, Kobylanski, Milovanovic, Kehl, Stefulj, Cherundolo, Gärtner, Lindemann, Gerber, Messinese, Brezina.

*Tore: * Morinas (3.), Milovanovi (5.), Kehl (45.), Kobylanski (52., 83.), Gerber (75.), Cherundolo (81.).

SG Adenstedt – Hannover 96 0:9 (0:5) am 5. Oktober 2001:

SG Adenstedt: Gries, Benke - Damian, Winkler, Lüders, Ahrens, Frühling, Höppel, Schernich, Oynak, Neubauer, Kroll, Schwalenberg, Lazarowitz, Burhan, Brennecke, Lehmann.

Hannover 96: Sievers (46. Ochs) - Schäfer (46. Baschetti), Linke (46. Gorges), Molata (46. Rose), Stefulj - Nehrbauer, Däbritz, Mikolajczak (46. Backhaus) - N’Diaye, Simak (46. Schinner), Bounoua.

Tore: 0:1 (9.) N’Diaye, 0:2 (17.) Simak, 0:3 (25.) Molata, 0:4 (32.) Bounoua, 0:5 (40.) Simak, 0:6 (71.) N’Diaye, 0:7 (77.) Bounoua, 0:8 (83.) N’Diaye, 0:9 (86.) Gorges.

Peiner Kreisauswahl – Hannover 96 0:15 (0:2) am 21. Mai 2011:

*Peine: * 1. Halbzeit: Kiontke – Lohmann, Kallweit (30. Zararsiz), Urfa, Odabasi, Siedentop, Sgubisch, Criscione, Özyurt, Pehlivan, Aslan. 2. Halbzeit: Kaune – Wegener, Gehlhaar, Rieger, Daver, Friedrichs, Haider, Carpin, Kinno, Zararsiz (60. Aslan), Müller.

Hannover 96: 1. Halbzeit: Zieler – Cherundolo, Haggui, Chahed, Djakpa, Pinto, Stindl, Schlaudraff, Ya Konan, Aycicek, Akdari. 2. Halbzeit: Miller – Cherundolo, Eggimann, Pogatetz, Djakpa, Lala, Beasley, Stoppelkamp, Stindl, Ya Konan, Forssell.

Tore: Pinto, Cherundolo, Akdari, Eggimann, Pogatetz (2), Forssell, Stoppelkamp, Ya Konan (5), Beasley, Stindl.

Von Matthias Press

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