05. Mai 2020 / 08:15 Uhr

"Gehaltssummenobergrenze" bei 96? Profichef Martin Kind will den Deckel drauf machen 

"Gehaltssummenobergrenze" bei 96? Profichef Martin Kind will den Deckel drauf machen 

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Martin Kind schwebt für den gesamten Profifußball eine Gehaltssummenobergrenze vor.
Martin Kind schwebt für den gesamten Profifußball eine Gehaltssummenobergrenze vor. © imago images/Zink
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Gehaltsobergrenzen sind in der Bundesliga längst kein Tabuthema mehr. Martin Kind hat dafür schon einen Plan: Der Boss von Hannover 96 stellt eine Gehaltssummenobergrenze zur Diskussion - und kündigt an, dass es bei 96 noch mehr Einschnitte in die Gehälter auch in bestehenden Vertragen gibt.

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Der neue Fußballmarkt nach Corona – wie wird er aufgestellt sein? Wird der Wahnsinn der Ablösesummen jenseits der 100 Millionen Euro beendet? Werden die Profis nicht mehr viele Millionen scheffeln? Der Salary Cap, also eine Deckelung der Spielergehälter, „ist natürlich ein spannendes Thema“, meint etwa Fredi Bobic. Die Einführung „würde mir die Arbeit sehr erleichtern“, sagt der Sportchef von Eintracht Frankfurt.

"Unabhängig von dem Verdienst einzelner Spieler"

Nicht nur Bobic, vermutlich alle Klubchefs hoffen auf eine Begrenzung der Gehälter. Christian Seifert, der oberste Manager der Deutschen Fußball-Liga, hat das bereits in der FAZ zur Diskussion gestellt. „Offensichtlich hat die Bundesliga durch Spielergehälter, Ablösesummen und auch einige Bilder, die sie selbst produziert hat, Stichwort goldene Steaks, damit teilweise ein Bild von sich erzeugt, das ein Teil der Menschen nicht akzeptieren kann.“

Seifert hofft auf die Möglichkeit, dass eine Gehaltsobergrenze eingeführt wird. Der Profichef von Hannover 96 hat dazu auch bereits klare Vorstellungen, die er umsetzen will. „Wir sollten von einer Gehaltssummenobergrenze reden“, sagt Martin Kind. „Das ist dann unabhängig von dem Verdienst einzelner Spieler.“

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Kind will „eine maximale Lohnsumme bezogen auf den Umsatz festlegen“. Das heißt für 96 bei einem Gesamthaushalt von künftig wohl nur noch 34 Millionen Euro: Es könnten davon 50 Prozent in die Mannschaft gesteckt werden, also 17 Millionen Euro. „Mehr darf dann nicht ausgegeben werden“, fordert Kind – und müsste sich dann auch daran halten. Mannschaften, die deutlich höhere Umsätze erwirtschaften wie Bayern München, könnten entsprechend höhere Gehälter zahlen.

Bei 96 sollen „Spitzenspieler weiter anders bewertet und bezahlt werden als Nachwuchsspieler“, da wird Kind einem Gehaltsgefälle zustimmen. Unterschiedsspieler, wie die besten der Besten neuerdings genannt werden, wären die Topverdiener – aber auch da will Kind Grenzen ziehen. Eine Million – wie zurzeit noch – soll kein Profi mehr pro Saison bei 96 kassieren, 700 000 Euro wären wohl immer noch zu hoch gegriffen. Spieler wie Jonathas haben in der Bundesliga mehr als zwei Millionen pro Jahr erhalten. Fragt sich, wofür?

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Jonathas wechselte 2017 für neun Millionen Euro in die Landeshauptstadt. Damit ist er der teuerste Neuzugang, den Hannover 96 je verpflichtet hat. ©

Es wird künftig noch mehr Einschnitte in die Gehälter geben, auch in bereits bestehenden Verträgen. Aktuell haben die 96-Spieler einem etwa 10-prozentigen Gehaltsverzicht für die Monate April, Mai und Juni zugestimmt. Mit dem Geld wird das Kurzarbeitergeld der 96-Mitarbeiter aufgestockt. Wahrscheinlich aber wird mindestens bis zum Jahresende ohne Zuschauer gespielt. Dadurch fallen Einnahmen weg, der 96-Umsatz wird dramatisch einbrechen.

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Das bedeutet, 96 muss die Kosten senken, auch bei den Spielern, deren Verträge noch weiterlaufen. „Wenn klar ist, auf welcher Basis wir kalkulieren, werden wir an das Thema heranmüssen“, kündigt Kind an. 96 wird versuchen, die bestehenden Verträge zu verändern.

Wer vorher 60 000 Euro im Monat kassiert hat, wird vielleicht 40 000 bekommen – was aber immer noch viel Geld ist für einen durchschnittlichen Zweitligafußballer. Das wird auch bei fast allen Vereinen so sein – dieser Gehaltsdeckel kommt aus purer Corona-Not drauf.