09. April 2020 / 11:17 Uhr

Mit 300 Leuten in der HDI-Arena: 96-Geisterspiele schon im Mai werden realistischer

Mit 300 Leuten in der HDI-Arena: 96-Geisterspiele schon im Mai werden realistischer

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Genki Haraguchi (links) und Dominik Kaiser sprinten über den Platz.
Genki Haraguchi (links) und Dominik Kaiser sprinten über den Platz. © Florian Petrow
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"Der Shitstorm ist ausgeblieben": Aus der vagen Hoffnung der DFL auf Geisterspiele schon im Mai könnte Realität erden. Die Profis von Hannover 96 gewöhnen sich beim Training in der HDI-Arena schon an die Atmosphäre, die Planungen fürs Drumherum werden konkreter.

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Die Mannschaft arbeitet immerhin wieder. Die Spieler von Hannover 96 haben am Montag den Dienst aufgenommen, mit der entsprechenden Vorsicht. Sie dürfen sogar im Stadion trainieren – so können sie sich gleich schon mal auf die Geisterspiele vorbereiten.

Wird aus der Hoffnung Realität?

Aus der nur ganz vagen Hoffnung, Anfang Mai wieder zu spielen, ist ein realistisches Szenario geworden. Es wird immer wahrscheinlicher, dass der bei der DFL von den 36 Profiklubs be­schlos­se­ne Plan umgesetzt werden kann: Am ersten oder zweiten Mai-Wochenende soll es losgehen. Für 96 hieße das – mit einem Heimspiel gegen Dynamo Dresden.

Dem Profifußball – und damit auch 96 – kommt zu pass, dass immer öfter und lauter über Lockerungen der strengen Verhaltensregeln diskutiert wird. Für die Zeit nach Ostern werden dazu Entscheidungen erwartet. Die Klubs hatten dabei offenbar mit deutlich schärferer Kritik an ihren Spielplänen gerechnet. „Der Shitstorm ist ausgeblieben“, erkannte auch 96-Profichef Martin Kind, „die Reaktionen aus der Gesellschaft waren moderat.“

Bilder vom Training von Hannover 96 (8. April)

Linton Maina streichelt den Ball. Zur Galerie
Linton Maina streichelt den Ball. ©

Entscheidenden Anteil hat dabei für den 96-Boss der DFL-Chef Christian Seifert. Kind, nicht erst seit der 50+1-Debatte mit dem Verband über Kreuz, lobt die Führung: „Ich war ja ein großer Kritiker, aber die DFL hat in der Krise gewonnen. Seifert hat das gut gemanagt.“

Wie hoch fällt die vierte Rate vom TV-Geld aus?

Nach Ostern erwartet Kind nun die Ansage, ob und wie viel TV-Geld fließt. Die vierte Rate für diese Saison steht aus. Sky und DAZN sollten die fälligen Millionen im April der DFL überweisen, die sie dann im Mai auf die Klubs weiterverteilt. Für 96 wären das 5 Millionen Euro.

Wahrscheinlich wird aber weniger fließen, auch die Pay-TV-Sender haben finanzielle Probleme. Seifert hat das Mandat, darüber zu verhandeln. „Er kann al­lein entscheiden“, sagt Kind, „und zum Preis X von der vertraglichen Regelung ab­wei­chen.“

Mehr über Hannover 96

Wichtig ist nur, dass überhaupt was aufs Konto kommt. 96 droht zwar keine Insolvenz, 13 Klubs aber sehr wohl. Kind hält deshalb sogar staatliche Hilfe für möglich. „Um zu überleben, könnten am Ende auch Fußballklubs gezwungen sein, Staatshilfe zu beantragen.“ Vorstellbar seien für ihn etwa Staatsbürgschaften für Kredite aus dem Hilfsprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Konkrete Zahlen für die Geisterspiele

Der Profifußball wähnt sich jedenfalls auf dem Weg zurück. Das zeigt sich auch an der konkreten Planung der Geisterspiele. Seifert sprach in einem „Zeit“-Interview von 300 Erwerbstätigen, die dabei an ihre Arbeitsplätze in den Stadien zurückkehren könnten.

Jede Mannschaft darf von acht Trainern, Betreuern und Ärzten begleitet werden. Es sollen nur vier Balljungen um den Platz verteilt werden. 36 Personen sollen die TV-Übertragung gewährleisten. Wichtig ist auch: 70 Ordner sollen vor den Stadien Fan-Treffen verhindern.