21. Mai 2020 / 16:06 Uhr

Vor 22 Jahren: 96 patzt zu oft, TeBe steht schon mit anderthalb Beinen in der 2. Liga

Vor 22 Jahren: 96 patzt zu oft, TeBe steht schon mit anderthalb Beinen in der 2. Liga

Ole Rottmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Kein guter Abend für Hannover 96: Jens Melzig hat soeben das 2:0 für Tennis Borussia Berlin erzielt, dabei bleibt es.
Kein guter Abend für Hannover 96: Jens Melzig hat soeben das 2:0 für Tennis Borussia Berlin erzielt, dabei bleibt es. © imago images/Rust
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Der 21. Mai 1998 hätte für die Fans von Hannover 96 ganz wunderbar werden können. Keine Arbeit, eine Bollerwagentour - und abends gewinnen die Roten bei Tennis Borussia Berlin und machen einen großen Schritt in Richtung Aufstieg in die 2. Bundesliga. Dieser Plan ging vor 22 Jahren nicht ganz auf.

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120:29 Tore, 28 Siege, fünf Unentschieden und nur eine Niederlage. Platz eins der Regionalliga Nord mit sieben Punkten Vorsprung vor Eintracht Braunschweig. Herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg also, Hannover 96? Von wegen!

Letzter Strohhalm Amateurmeisterschaft

Die beiden Regionalligastaffeln Nord und Nordost mussten sich in der Saison 1997/98 einen Aufstiegsplatz teilen – nur der Sieger des in Hin- und Rückspiel ausgetragenen Ausscheidungsduells der beiden Tabellenersten durfte hoch in Liga zwei, während der Unterlegene eine weitere Runde über die anschließende Amateurmeisterschaft drehen musste, dessen Sieger ebenfalls aufstieg.

Und als wäre dieser Modus nicht schon gemein genug gewesen, gab es im Nordosten mit Tennis Borussia Berlin auch noch ein Team, für das das Prädikat Übermannschaft vermutlich einmal kreiert worden ist. 92 Punkte, keine einzige Niederlage und stolze 86:7 Tore standen in der Bilanz der von Hermann Gerland trainierten Lila-Weißen aus der Bundeshauptstadt.

Bilder vom Hinspiel der Relegation zur 2. Bundesliga zwischen Tennis Borussia Berlin und Hannover 96 (21. Mai 1998)

Die Spieler von Hannover 96 und Tennis Borussia Berlin betreten den Rasen. Zur Galerie
Die Spieler von Hannover 96 und Tennis Borussia Berlin betreten den Rasen. ©

96 ging nicht gerade als Favorit in das (ungleiche) Duell, dessen erster Akt am 21. Mai 1998, dem Himmelfahrtstag, über die Bühne des Mommsenstadions ging. Kleiner Vorteil für die Niedersachsen: Während in das Rund im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf gerade einmal 11000 Menschen passten, sollten es drei Tage später und knapp 300 Kilometer westlich etwa fünfmal so viele werden. Doch dafür galt es nun für die Mannschaft von 96-Trainer Reinhold Fanz, sich eine ordentliche Ausgangsposition zu verschaffen.

Zusätzliche Brisanz kam dadurch auf, dass in Fahed Dermech, Dejan Raickovic und Kreso Kovacec drei Akteure in TeBes Startelf standen, die noch kurz zuvor das 96-Trikot getragen hatten. Überdies hatte Jens Melzig nur ein Jahr zuvor als Akteur von Energie Cottbus schon einmal mit dafür gesorgt, dass die Roten – obwohl Meister – nicht aufsteigen durften.

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Doch 96 zeigte im wichtigen Hinspiel kaum etwas von den Tugenden, die sie in der abgelaufenen Punktrunde so stark gemacht hatten. Die Offensive um Gerald Asamoah und Jürgen Degen hing zumeist in der Luft, und hinten leisteten sich auch die Erfahrenen oder sonst Souveränen so manchen Bock.

Am Ende stand eine 0:2-Niederlage durch Treffer von Francisco Copado (40. Minute nach unglücklicher Aktion von Jens Rasiejewski, der den Ball im Strafraum nicht wegbekam) sowie Melzig (78.). Die Berliner wähnten sich schon mit mindestens anderthalb Beinen im Profifußball, wie Kovacec im anschließenden TV-Interview unumwunden zugab. 96 hingegen drohte eine neuerliche Saison in der Drittklassigkeit – und damit der zu befürchtende Zerfall der ambitionierten jungen Mannschaft. Denn binnen 90 Minuten zwei Tore gegen ein Team aufzuholen, das in der Saison durchschnittlich gerade einmal etwa alle fünf Partien einen Gegentreffer hatte hinnehmen müssen, schien utopisch...