02. November 2020 / 07:25 Uhr

"Keine Zweikämpfe geführt": Michael Esser muss sich wie im 96-Abstiegsjahr fühlen

"Keine Zweikämpfe geführt": Michael Esser muss sich wie im 96-Abstiegsjahr fühlen

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Beim 1:4 in Fürth könnten bei 96-Schlussmann Michael Esser Erinnerungen wach geworden sein...
Beim 1:4 in Fürth könnten bei 96-Schlussmann Michael Esser Erinnerungen wach geworden sein... © imago images/Zink
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Es ist ein Nachmittag zum Vergessen gewesen für 96 und Michael Esser. Der Torhüter der Roten durfte sich beim 1:4 in Fürth so wie in der Abstiegssaison 2018/19 fühlen, als er regelmäßig Schlimmeres verhindert hatte. "Wir sind heute in keine Zweikämpfe gekommen beziehungsweise haben gar keine geführt", monierte er.

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Paul Seguin brachte es auf den Punkt. Fürths Mittelfeldspieler beklagte sich nach dem 4:1 noch, dass Hannover 96 froh sein konnte, nicht 7 oder 8 Treffer gefangen zu haben. Da lag er richtig: Weder auf Verteidiger Simon Falette noch Timo Hübers war bei 96 wie gewohnt Verlass gewesen, außerdem unterliefen Jaka Bijol Ballverluste, die zwei Fürther Treffer hätten zur Folge haben müssen. Nur einer stand ständig im Weg: Michael Esser, der Torwart und beste Mann bei 96.

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Esser hatte schon in der ersten Hälfte mit drei Paraden innerhalb von drei Minuten verhindert, dass Hannover früher klar zu­rück­lag. Zweimal scheiterte Branimir Hrgota (13. und 16. Minute), dann hatte Esser seine Faust dazwischen (18.). „Bravo Bruno!“ rief Besucher Dieter Schatzschneider von der Tribüne aus. Sonst gab es für Schatzschneider nicht viel zu applaudieren.

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„Wir sind heute in keine Zweikämpfe gekommen beziehungsweise haben gar keine geführt“, sagte Esser. Eine entlarvende Analyse des Schlussmanns, der selbst am besten sieht, was auf ihn zukommt.

Vor Michael Esser herrschte das Chaos

Esser erwischte als Einziger einen guten Tag. Wobei sich Kocak schon fragte, wie bitter es sei, „wenn unser Torwart der beste Mann ist“. Vor Esser hingegen herrschte das Chaos. Die Außenverteidiger ließen sich von ihren Fürther Gegenspielern mehrfach mit Ansage überrumpeln, vor allem Sei Muroya bekam Probleme auf der für ihn ungewohnten linken Abwehrseite. Hübers, früh bandagiert am rechten Knie nach einem Zweikampf, ging weniger griffig als sonst zur Sache.


Sein Partner Falette bekam immer dann Probleme, wenn er den Ball bereits erobert hatte. Diese Abwehr machte Sorgen, die bereits ausgestanden schienen. So musste sich Esser häufiger auszeichnen, als ihm lieb war. „Die Fürther haben sich, glaube ich, ganz gut auf uns vorbereitet“, sagte der Torwart.

Befreiungsschläge bedeuteten Ballverluste

Umgekehrt galt dies für die 96-Defensive nicht, die nie klarkam mit dem frühen und intensiven Druck, den Fürth durchs frühe Angreifen ausübte. Die Be­frei­ungs­schlä­ge bedeuteten gleichzeitig Ballverluste. Und schon zog Fürth wieder den nächsten An­griff auf.

„Die Fürther hätten noch deutlicher gewinnen können“, gab Esser dann auch zu. Es war ein bisschen so wie früher bei dem mittlerweile 32-Jährigen, als er im Abstiegsjahr als bester Mann erklären musste, warum seine Mannschaft denn schon wieder ein Spiel verloren hatte. Auch damals war Esser meist besser als alle Kollegen gewesen. Aber diese Zeiten wünscht sich auch der Keeper nicht zurück, so schön es sein mag, sich auch mal auszeichnen zu dürfen.