02. September 2019 / 07:24 Uhr

Keine Chance bei der Jatta-Party: Hannover 96 ist offensiv viel zu harmlos 

Keine Chance bei der Jatta-Party: Hannover 96 ist offensiv viel zu harmlos 

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Enttäuschend: Hannover 96 ist beim Hamburger SV unter die Räder gekommen. 
Enttäuschend: Hannover 96 ist beim Hamburger SV unter die Räder gekommen.  © imago images / Oliver Ruhnke
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0:3 in Hamburg verloren, defensiv anfällig und offensiv ohne jegliche Durchschlagskraft: Hannover 96 hat am Sonntag einen gebrauchten Tag erwischt. Der HSV hingegen feierte vor allem Bakery Jatta, der mit seinem Tor zum 3:0 alles klar machte. 

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Die Hamburger fremdeln ja ein bisschen mit ihren Heimspielen. In 75. Minute fühlten sich alle HSV-Fans wie zu Hause. Sie riefen gemeinsam den Namen von Bakery Jatta, als wollten sie herbeibeschwören, dass dieses Märchen mit diesem Namen eine echte Erfolgsgeschichte wird. „Jatta, Jatta, Jatta“. Der Spieler, der angeblich diesen Namen für sich erfunden und seine Identität sowie sein Alter geändert haben soll, wurde wie ein Held gefeiert. Auch von Trainer Dieter Hecking und den Kollegen, die sich als Haufen voller Freunde auf ihn stürzten. Der HSV feierte Jatta-Party – und 96 ging nicht nur in dieser Geschichte völlig unter.

Legt 96 Einspruch ein?

Ob das 0:3, in dieser Deutlichkeit verdient, von Hannover 96 juristisch angefochten wird, ist noch offen. Sonntag gab es kein Statement dazu von den 96-Verantwortlichen. Kapitän Marvin Bakalorz gab dazu eine Aussage ab: „Ist nicht meine Baustelle.“ Traurig, dass es keine spontane Entscheidung gab, sich die juristische Schlacht zu ersparen. Paragraphen machen es möglich, Karlsruhe, Bochum und Nürnberg wählten die juristische Priorität vor der sportlichen.

Wenn überhaupt Einspruch gegen das Spiel möglich wäre, dann, wenn der HSV mit einem Mann mehr gespielt hätte. Diesen Eindruck konnte man bekommen. Das HSV-Spitzenmittelfeld mit David Kinsombi und Sonny Kittel, dazu der von Genki Haraguchi eher beiläufig zustellte Adrian Fein, hatten nach spätestens 20 Minuten ständig gefühlte Überzahl geschaffen. 96-Trainer Mirko Slomka fand zwar, „dass wir das in der Defensive weitestgehend sehr gut gelöst haben“. Aber danach sah es nicht aus, als Waldemar Anton auf links rausgezogen wurde, die Flanke nicht verhnderte und Bakalorz den Torschützen Kittel laufen ließ (35. Minute). Bakalorz hatte „spekuliert auf den Ball in den Rücken der Abwehr“. Aber zum Elfmeterpunkt, wo Bakalorz stand, kam die Flanke von Khaled Narey nicht hin, sondern zu Kittel in den Fuß.

Die Roten in Noten: Die 96-Einzelkritik zur Niederlage beim HSV

Ron-Robert Zieler – Note 4: Hält die ersten ordentlichen HSV-Schüsse sicher fest und dribbelt im Strafraum sogar Hinterseer aus. Beim 0:1 aus kurzer Distanz chancenlos, danach stark gegen Kinsombi. Vorm 0:2 kann er den Narey-Gewaltschuss nur abblocken. Beim 0:3 sieht er etwas unglücklich aus, auch wenn der Jatta-Schuss ist aus kurzer Distanz. Zur Galerie
Ron-Robert Zieler – Note 4: Hält die ersten ordentlichen HSV-Schüsse sicher fest und dribbelt im Strafraum sogar Hinterseer aus. Beim 0:1 aus kurzer Distanz chancenlos, danach stark gegen Kinsombi. Vorm 0:2 kann er den Narey-Gewaltschuss nur abblocken. Beim 0:3 sieht er etwas unglücklich aus, auch wenn der Jatta-Schuss ist aus kurzer Distanz. ©
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Offensive Harmlosigkeit

Hamburg zog die 96-Abwehrkette weit auseinander, ständig entstanden Lücken, die Bakalorz allein nicht schloss, während Haraguchi an Fein klebte, als habe der Trainer ihm befohlen, nicht von dessen Seite zu weichen.

96 entwickelte selbst fast keine Chancen. „Ich habe keine gesehen“, sagte Slomka und wirkte aufgebracht über die schwache Offensive. „Ich finde, dass wir irgendwann mal eine Aktion haben müssen, die dem Gegner Respekt einflößt“, sagte er und kritisierte die Stürmer Marvin Ducksch sowie Hendrik Weydandt: „Im Angriff hatten wir permanent 1-zu-1-Situationen, da muss man sich auch mal durchsetzen. Wir müssen die Anzahl unserer Chancen deutlich erhöhen. Das ist eine Schwäche.“

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"Zu Hause haben wir vier Punkte liegen lassen, die fehlen uns jetzt"

David Kinsombi nutzte stattdessen einen erneuten 96-Abwehr-Aussetzer nach einem Abpraller von Ron-Robert Zieler zum 2:0 (59.). Die einzige 96-Chance vergab Ducksch, HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes machte sich so lang, wie sein Name Buchstaben hat. Ducksch hätte das 1:2 machen müssen. Stattdessen schoss Jatta das Stadion zum 3:0 in Partystimmung. „Wir haben ihm das gegönnt, das ganze Stadion hat es ihm gegönnt“, sagte Hecking nachher.

96 gönnt sich zurzeit keine gute Stimmung. Von Abstiegskampf mit fünf Punkten nach fünf Spieltagen wollte Bakalorz nichts wissen, sondern „die Kirche im Dorf lassen, diese Mannschaft hat Qualität“. In Hamburg hat sie das nicht gezeigt, in den beiden Heimspielen ebenfalls nicht. „Zu Hause haben wir vier Punkte liegen lassen, die fehlen uns jetzt“, sagte Slomka. Ansonsten fehlte 96 in Hamburg auf fast jeder Position die Stärke, um ein ernstzunehmender Konkurrent zu sein. Jatta hin, Jatta her.

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