27. März 2021 / 09:04 Uhr

"Zeitpunkt extrem schwierig": Sponsorensuche läuft - droht 96 eine blanke Brust?

"Zeitpunkt extrem schwierig": Sponsorensuche läuft - droht 96 eine blanke Brust?

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Bald ein Bild aus der Vergangenheit: Heinz von Heiden als Trikotsponsor von 96.
Bald ein Bild aus der Vergangenheit: Heinz von Heiden als Trikotsponsor von 96. © IMAGOSven Simon
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Nach sieben Jahren steigt Heinz von Heiden am Ende der Saison als Trikotsponsor von Hannover 96 aus. Martin Kind kann noch keinen Nachfolger präsentieren, dabei ist das Geld fest eingeplant.  "Der Zeitpunkt ist extrem schwierig", weiß der 96-Profichef. Selbst einzuspringen, komme nicht infrage.

Ein Loch auf der Brust – das ist keine angenehme Vorstellung. Nicht mal, wenn es sich nur um Fußballhemden handelt. Bei Hannover 96 fehlt für die nächste Saison noch ein Trikotsponsor, der seinen Schriftzug oder sein Logo auf der Brust der Spieler präsentiert. Damit droht ein weiterer Einnahmeausfall in ohnehin schwierigen Zeiten.

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96-Chef Martin Kind zeigt sich allerdings „hoffnungsfroh und optimistisch, dass wir noch einen neuen Partner finden“. Sieben Jahre war 96 mit Heinz von Heiden auf den Trikots unterwegs, am 30. Juni legt der Hausbauer die Kelle aus der Hand. 2014 stieg das Unternehmen aus Isernhagen ein und verlängerte zweimal den Vertrag. 2017 und zuletzt 2020, dann nur noch für die aktuelle Saison. „Wir hatten für die erste und zweite Liga faire Verträge“, sagt Kind. Die sollen für Heinz von Heiden „anfangs sogar teuer“ gewesen sein. Etwa 4 Millionen Euro flossen pro Bundesliga-Saison in die 96-Kasse. In der 2. Liga bekam der Verein erst noch 2 Millionen Euro. In diesem letzten Jahr sind es 1,4 Millionen Euro.

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Ein Grund für die nur einjährige letzte Verlängerung war laut Kind auch die Vereinbarung, „dass wir sofort damit in den Markt gehen können, dass wir einen neuen Sponsor suchen“. Bei den vorherigen Verträgen mit dreijähriger Laufzeit war festgeschrieben worden, dass 96 erst drei Monate vor Ablauf das Ende bekannt geben und sich auf die Suche machen durfte.

"Bist du noch ganz bei Trost..."

Gebracht hat es nichts – denn jetzt steht 96 gut drei Monate vor dem Heinz-von-Heiden-Ausstieg immer noch blank da. „So ist das manchmal im Leben“, sagt Kind. „Corona hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.“

Die Auswirkungen der Pandemie schlagen auf den Profifußball durch. „Es gibt Unternehmen, die Interesse hätten, aber der Zeitpunkt ist extrem schwierig“, weiß der 76-Jährige. „Die Planungssicherheit und damit die Bereitschaft fehlt, Entscheidungen zu treffen und Geld auszugeben.“

Das sei in Kinds Hörgeräteunternehmen nicht anders, da würde er auch gefragt werden: „Bist du noch ganz bei Trost, jetzt Geld auszugeben?“ Die 96-Gesellschafter Kind und Dirk Roßmann werden mit ihren Firmen auch nicht als Trikotsponsor einspringen. „Das schließe ich aus“, sagt der 96-Chef. „Wir sind mit einigen Unternehmen in Gesprächen. Ich hoffe, dass im Mai erkennbar wird, wie es weitergeht.“ Kind fordert dazu „kreative Ideen“.


Das 96-Heimtrikot im Wandel der Zeit:

Das 96-Trikot im Wandel der Zeit. Zur Galerie
Das 96-Trikot im Wandel der Zeit. ©

Im Haushalt ist die Einnahme fest eingeplant. Kind hofft weiter, „sie wird vom Grundsatz im gut siebenstelligen Bereich sein“. 1,5 Millionen Euro wären schon viel – und eine notwendige Auffrischung in angespannter Haushaltslage. Das TV-Geld reduziert sich ab Juli um 8 Millionen Euro, in der aktuellen Saison macht 96 bereits 10 Millionen Euro Verlust.

Wer könnte das Loch auf der Brust schließen? Lokale Firmen aus der Region eher nicht. „Kundenorientierte Unternehmen“ sieht Kind als Kandidaten. Rewe oder Edeka sind wohl nicht interessiert, Wettanbieter schon, doch da ist die rechtliche Situation schwierig. Die Verhandlungen führt der 96-Vermarkter Sportfive, der auch Hertha BSC betreut. Die Berliner spielten in der Hinrunde dieser Saison mit blanker Brust. Nicht ausgeschlossen, dass das auch 96 droht.